Gerade zur Zeit des großen E-Bike-Booms zwischen den Jahren 2021 und 2023 sind auch etliche Autohersteller auf die Idee gekommen, elektrische Fahrräder mit ihrem Markennamen zu versehen. Doch nicht immer war das eine gute Idee. Manche Konzerne investierten wirklich in Technik und eigene Projekte, andere verkauften vor allem ihren Namen. Wir blicken auf zehn abgefahrene, gefloppte oder gelungene Versuche, den E-Bike-Markt zu erobern – und auf das, was daraus geworden ist.
1. Porsche: Der größte Angriff – und der härteste Rückzug
Hohe Ingenieurskunst beim Auto – aber lässt sich das auch aufs E-Bike übertragen? Porsche hat es wie kaum ein anderer Autobauer versucht und gleich an mehreren Stellen auf dem E-Bike-Markt mitgemischt. Der Konzern hat den Münchner Antriebshersteller Fazua komplett übernommen, die kroatische Smart-E-Bike-Marke Greyp gekauft und parallel mit Porsche Digital, Storck, Greyp und Fazua die vernetzte Marke Cyklær angeschoben.

Doch gerade Porsche zeigt, wie schnell aus großen E-Bike-Plänen ein Rückzug werden kann. Die Marke Greyp wurde bereits Ende 2023 eingestampft. 2025 sah es noch so aus, als würde Porsche mit eigener Technik weiter nach vorn gehen. Nur ein Jahr später folgte die Kehrtwende: Porsche stellt seine komplette E-Bike-Sparte ein, inklusive Porsche eBike Performance und der Standorte in Ottobrunn und Zagreb. Rund 360 Mitarbeiter sind betroffen.
Die Porsche-E-Bikes, die zusammen mit Rotwild entwickelt wurden, waren und sind trotzdem echte High-End-Räder – vor allem, was den Preis betrifft. Die neueren Modelle kosteten teils deutlich über 10.000 Euro. Als langfristige E-Bike-Strategie ist Porsches Ausflug aber vorerst gescheitert. Ausgerechnet der ambitionierteste Autobauer der Liste zieht sich wieder auf sein Kerngeschäft zurück.

2. Jeep: Standard-Bikes mit starkem Logo
Auch Jeep steht eigentlich für robuste Fahrzeuge, Gelände und Abenteuer. Bei den E-Bikes war der US-amerikanische Autobauer aber nicht selbst der Hersteller. In Deutschland wurden die Jeep-E-Bikes von der Elektro Mobile Deutschland GmbH in Lizenz vermarktet – also mit Jeep-Logo, aber ohne echte Jeep-Entwicklung im Hintergrund.
Die Trekking- und SUV-E-Bikes haben sich in unseren Tests zwar als brauchbar bewiesen, konnten mit dem Anspruch der Automarke jedoch kaum mithalten. Immerhin das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugte damals. Der Haken: Die Elektro Mobile Deutschland GmbH, die neben Jeep auch weitere Lizenzmarken im Portfolio hatte, ist 2025 in die Insolvenz gerutscht. Damit wird noch deutlicher: Wer ein E-Bike wegen eines Auto-Logos kauft, sollte immer prüfen, wer tatsächlich dahintersteht und wer später Service und Ersatzteile liefert.

3. Citroën: Der riesige E-Bike-Flop
Was für ein Spektakel: Mitte 2022 hieß es, der französische Autohersteller Citroën würde ebenfalls auf den E-Bike-Zug aufspringen. Ein ziemlich schlechtes Rendering von einem ebenfalls unschönen E-Bike tauchte im Netz auf. Wenige Tage später stellte sich heraus, dass der Hersteller Elektro Mobile Deutschland GmbH mutmaßlich unerlaubterweise Logo und Markennamen von Citroën nutzte. Das Projekt wurde eingestampft und man hat nie wieder davon gehört – zum Glück.
Im Rückblick passt der Fall gut in das Bild vieler Auto-E-Bikes: Nicht überall, wo ein bekannter Markenname auf dem Rahmen steht, steckt auch ein echtes Projekt des Autobauers dahinter. Bei Citroën blieb es am Ende nicht einmal bei einem offiziellen Lizenzprodukt.

4. Audi: Ein kleines Prestige-Projekt?
Selbst der deutsche Autohersteller Audi hat es mit E-Bikes versucht. Zusammen mit Fantic entwickelte Audi das Enduro-E-Bike Audi Electric Mountain Bike. Das Design ist auffällig und klar vom Rallye-Prototyp Audi RS Q e-tron inspiriert. Technisch handelt es sich im Kern um ein hochwertiges Fantic-Enduro mit Brose-Motor, großem Akku und edler Ausstattung.
Der große Durchbruch im Fahrradhandel wurde daraus aber nicht. Das Audi-E-MTB blieb eher ein teures Lifestyle- und Zubehörprodukt für Fans der Marke als ein ernsthafter Angriff auf etablierte E-MTB-Hersteller. In einzelnen Audi-Shops ist das Modell weiterhin zu finden, doch wer ein gutes E-MTB sucht, dürfte bei Fantic selbst oder klassischen Fahrradmarken meist direkter fündig werden.

5. BMW: Mehr als nur Lifestyle-Bikes
Der weltweit bekannte Autohersteller BMW produziert seit Jahren beliebte Autoserien – bei den E-Bikes wirkt der Auftritt dagegen etwas sprunghaft. Von den eher mittelklassigen Citybikes wie dem BWM Active Hybrid sind heute nur noch einzelne Modelle in Gebrauchtportalen übrig. Ganz falsch wäre aber zu sagen, dass BMW nie einen Fuß in die Tür bekommen hätte. Die Idee des damaligen Cube Concept Dynamic Cargo inspired by BMW lebt im Cube Trike Hybrid weiter.
Cube beschreibt das Serienmodell selbst als Ergebnis mehrerer Entwicklungsrunden eines Concept Bikes, das ursprünglich in Zusammenarbeit mit BMW entwickelt wurde. Schon 2021 hatte die BMW Group Lizenzen an Cube und SoFlow vergeben. Der technische Kern: Beim dreirädrigen E-Lastenrad neigt sich der vordere Hauptrahmen in Kurven, während der hintere Lastenbereich stabil bleibt. So soll sich das Trike eher wie ein normales Fahrrad fahren, ohne dass die Ladung oder Kinder in der Box mitkippen.
BMW baut das Trike also nicht selbst, aber die technische Idee aus dem BMW-Konzept ist tatsächlich in einem heutigen Serienrad angekommen. Das ist deutlich relevanter als ein reines Logo-Projekt. Daneben versucht sich BMW mit dem italienischen Hersteller 3T weiterhin an luxuriösen Gravel-, Road- und Urban-Bikes, darunter auch E-Bike-Varianten mit unauffälligem Nabenmotor. Insgesamt bleibt BMW damit ein Sonderfall: keine breite E-Bike-Modellpalette, aber echte Spuren in der Technik eines ziemlich außergewöhnlichen Lastenrads.

6. Peugeot: Fahrrad-Tradition mit neuem Comeback
Peugeot baut seit dem 19. Jahrhundert Zweiräder und hat auch den Sprung in die E-Bike-Welt geschafft. Zwar gehörte der Hersteller zumindest hierzulande zuletzt nicht zu den großen Playern, doch das Portfolio der Franzosen konnte sich immer sehen lassen: Von City-E-Bikes über E-MTBs bis hin zu futuristischen Kompakt-E-Bikes bot Peugeot eine breite Palette, die zuletzt 2023 Updates erhalten hat.
Nach mehreren ruhigen Jahren kommt jetzt wieder Bewegung in die Sache: Peugeot Cycles hat 2026 ein Comeback angekündigt. Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans stellte die Marke eine neue Generation von Fahrrädern und E-Bikes in Aussicht. Produziert und vertrieben werden soll die neue Modellreihe gemeinsam mit der ReBirth Group, die in Frankreich mehrere Fahrrad- und E-Mobility-Marken bündelt. Die Produktion soll im Herbst 2026 anlaufen, erste Verkäufe sind Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 geplant.
Damit ist Peugeot in dieser Liste einer der wenigen Fälle, bei denen die Geschichte nach wie vor lebt. Ob aus dem aktuellen Comeback mehr wird als ein nostalgisch aufgeladener Marken-Relaunch, muss sich aber erst zeigen.

7. Hyundai: Geplatzter Traum vom eigenen E-Bike
Ebenfalls aus der Kategorie „Groß angekündigt und wenig dahinter“ stammt das E-Bike aus dem Hause Hyundai. Mit viel Aufmerksamkeit wurde 2023 die Exxite-Serie in Zusammenarbeit mit dem spanischen Hersteller Rayvolt angekündigt. Ein stylisches, urbanes Bike im Hyundai-Look sollte kommen.
Doch der Hyundai-Bezug verschwand schnell aus der Wahrnehmung. Exxite rollt heute weiter als eigene Marke im Umfeld von Rayvolt durch die Gegend – von Hyundai liest man in diesem Zusammenhang kaum noch etwas. Das ist kein klassischer Totalflop, aber ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich ein Autohersteller wieder aus dem Rampenlicht eines E-Bike-Projekts verabschieden kann.

8. Mercedes-Benz: Vom Copyright-Krimi zum AMG-City-Bike
Das hat sich Mercedes-Benz wohl anders vorgestellt. Auch der prestigeträchtige Autobauer aus Stuttgart wollte sein Logo auf einem E-Bike sehen. Doch das von N+ Bikes hergestellte E-Bike wurde 2020 schnell als eine Kopie eines E-Bikes der Marke Asfalt-Bikes kritisiert. Selbst das Bildmaterial stammte damals offenbar von Asfalt. Später stellte sich heraus, dass es sich um ein Missverständnis handelte. Das Modell EQ Formula E Team ging dann zwar in den Verkauf, richtig groß wurde der Mercedes-Ausflug in die E-Bike-Welt aber zunächst nicht.

Ganz vorbei war das Thema damit jedoch nicht. Mercedes beziehungsweise Mercedes-AMG ist weiter mit N+ Bikes unterwegs. 2025 sorgte das Mercedes-AMG F1 City Edition 250 für viel Aufmerksamkeit: 250-Watt-Motor, 25 km/h Unterstützung, integriertes 5,5-Zoll-Display im Lenker, Formel-1-Optik und ein Preis von 4.999 Euro. Das ist kein günstiges Alltagsrad, aber ein sehr klares Prestigeprodukt. Für Fans der Marke dürfte genau das der Punkt sein.

9. Mini: ungewisse Zukunft nach Angell-Insolvenz
Es war leicht, clean und mit einem Preis von unter 3.000 Euro sogar relativ günstig. Seit 2023 bot die Marke Mini, die Teil der BMW Group ist, in Zusammenarbeit mit dem französischen Hersteller Angell das Mini E-Bike an. Das E-Bike war nicht klein, sondern trug lediglich Schriftzug und Emblem der beliebten britischen Marke.
Doch Anfang 2025 meldete Angell Insolvenz an. Später kam mit der ReBirth Group zwar ein möglicher Retter ins Spiel, gleichzeitig blieb die Lage rund um Rückrufe, Kundenservice und künftige Modelle kompliziert. Für das Mini E-Bike heißt das: Die Idee war charmant, die Zukunft aber unsicher. Gerade bei smarten E-Bikes mit eigener App und spezieller Elektronik ist das ein Warnsignal für Käufer.

10. Volkswagen: Waren die Wolfsburger ihrer Zeit voraus?
Etwas mysteriös wurde es 2015 bei VW. Auf der Berliner VW-Hausmesse Drive stellte der Hersteller aus Wolfsburg ohne große Ankündigungen ein sehr interessantes E-Bike aus. Angeblich hatte das E-Bike einen eigens entwickelten Mittelmotor und einen integrierten Akku, der damals alles andere als Standard war. Selbst das Design erinnert an das, was Jahre später in Mode gekommen ist. Hat VW hier die Zeichen der Zeit letztlich doch nicht erkannt? Dieses Projekt ist jedenfalls im Sande verlaufen.

Auch das 2019 angekündigte VW Cargo E-Bike ist letztlich eingestampft worden. Lediglich das von MC E-Bikes entwickelte Bulli-E-Bike gibt es aktuell im Verkauf – allerdings ebenfalls eher als Fan- und Lizenzprodukt.
Ganz neu ist zudem die Zusammenarbeit rund um das Lemmo Zero in einer VW-ID.UNYX-08-Sonderedition. Das kompakte Elektrofaltrad wurde passend zum chinesischen Elektro-SUV Volkswagen ID.UNYX 08 vorgestellt und soll als Teil eines „4+2“-Mobilitätskonzepts direkt ins Fahrzeug integriert werden. Klingt spannend, bleibt aber vorerst ein China-Thema.
Hierzulande zeigt ein aktueller Launch, dass VW das E-Bike-Thema immer immer wieder auf dem Zettel hat. Ein alter Bekannter im Autolizenz-Business, nämlich N+, hat zwei sportliche Smart-E-Bikes unter VW-Lizenz vorgestellt. Laut offizieller Website befinden sich die Bikes mit Yamaha-Mittelmotor, Rückfahrkamera und anderen Spielereien derzeit noch in der Entwicklung als Vorserienmodell. Eine Auslieferung soll in Q4/2026 beginnen.

E-Bike-Projekte von Autoherstellern meist nur kurzlebig
Die meisten E-Bikes von bekannten Automarken bleiben weiter Einzelstücke für Fans. Dabei ist diese Liste noch lange nicht vollständig. Ob Hummer, Rover, Toyota oder Lotus: Viele der E-Bikes, welche die Markennamen der Automobilbranche tragen, waren und sind reine Prestige-Projekte – oft in Zusammenarbeit mit mehr oder weniger erfahrenen E-Bike-Marken.
Für Käufer gibt es deshalb ein paar einfache Dos and Don’ts: Nicht nur aufs Logo schauen, sondern auf den tatsächlichen Hersteller. Nicht davon ausgehen, dass der Autohändler später auch das E-Bike warten kann. Nicht für ein Markenemblem zahlen, wenn Ausstattung, Motor, Akku und Service nicht mithalten.
Sinnvoll ist dagegen ein Blick auf Standard-Komponenten, Ersatzteilversorgung, Garantiebedingungen und ein Händlernetz, das auch nach dem, zumindest meist nur kurzfristigen Hype, noch existiert. Denn genau das zeigt diese Liste: Wenn Autohersteller E-Bikes bauen – oder bauen lassen – entstehen manchmal spannende Räder. Genauso oft bleiben aber teure Logos auf zwei Rädern zurück.












