Breite Reifen, ein tiefer Einstieg und ein 1.296 Wh großer Akku: Das neue Touroll S3 Pro ist für 849 Euro ein robuster Dauerläufer. Gleichzeitig bringt das E-Klapprad aber auch mehr als 30 kg auf die Waage. Ob das Konzept im Alltag funktioniert und für wen es sinnvoll ist, klären wir im Test.
Erster Eindruck zum E-Bike Touroll S3 Pro
Für ein E-Bike fällt das Paket überraschend kompakt aus. Das liegt natürlich am Faltkonzept, das kleinere Dimensionen erlaubt, ändert aber nichts am hohen Gewicht des Kartons. Beim Auspacken zeigt sich auch schon, dass das S3 Pro für 849 Euro alles andere als ein filigranes E-Bike ist. Rahmen, Akku und Reifen sind kräftig dimensioniert.


Der erste Eindruck geht daher in Richtung stabil und robust. Der Stahlrahmen mit tiefem Einstieg macht einen äußerst soliden Eindruck, Schweißnähte sind relativ sauber ausgeführt und insgesamt ordentlich verarbeitet. In der Preisklasse unter 1.000 Euro ist das auch heute noch keine Selbstverständlichkeit.

Davon abgesehen wirkt das Rad einfach. Die blaue Lackierung hat nur durch einen kleinen Streifen in Silber und Weiß einen dezenten Akzent erhalten. Eine schwarze und rote Variante des E-Bikes steht ebenfalls zum Verkauf.
Für alle sichtbar sitzt der einfach herausnehmbare Akku hinter dem Sitzrohr und prägt von dort das Gesamtbild. Wer also ein möglichst unauffälliges Falt-E-Bike sucht, wird hier nicht fündig.

Nicht nur der Rahmen, auch der Klappmechanismus macht einen hochwertigen Eindruck. Die Verbindungspunkte sitzen fest, es zeigt sich kein Spiel. Für das Zusammenklappen lösen Fahrer den Schnellspanner am Rahmen und klappen das E-Bike seitlich zusammen. Die Pedale aus Kunststoff können nicht eingeklappt werden, wohl aber der Lenker.



Auch die überschaubare Endmontage ist dank der bebilderten Anleitung auf Deutsch schnell erledigt: Lenker, Sattel und Vorderrad einsetzen, vorderes Schutzblech, Scheinwerfer und Pedale anschrauben und dann noch den Akku einsetzen. Einen Kettenschutz gibt es nicht.
Ausstattung des Touroll S3 Pro
Für den Antrieb setzt Touroll auf einen nicht näher bezeichneten Heckmotor mit starken 48 Volt. Die Dauerleistung liegt bei den in der EU erlaubten 250 Watt, in der Spitze sind bis zu 750 Watt möglich. 50 Newtonmeter beträgt das maximale Drehmoment.

Ein Drehmomentsensor für ein natürlicheres Fahrgefühl ist nicht verbaut. Stattdessen kommt im S3 Pro nur ein einfacher Trittfrequenzsensor zum Einsatz.
Was ist ein Trittfrequenzsensor? Ein Motor mit Trittfrequenzsensor unterstützt abhängig davon, ob pedaliert wird, aber nicht davon, wie viel Kraft der Fahrer dabei konkret einsetzt. Das Fahren fällt dadurch weniger fein abgestimmt aus, dafür arbeitet das System gleichmäßiger und vorhersehbarer.
Die Unterstützung ist in fünf Stufen einstellbar, dabei sind Geschwindigkeiten zwischen 13 und 25 km/h vorgesehen. Zusätzlich gibt es noch einen nützlichen Gehmodus mit maximal 4 km/h, der beim Schieben hilft. Die Abschaltung des Motors erfolgt wie vorgeschrieben bei 25 km/h.
Mit einer Kapazität von satten 1.296 Wh bietet der Akku des Touroll S3 Pro deutlich mehr als bei vielen anderen E-Bikes in dieser Preisklasse. Die Batterie ist herausnehmbar, die vom Hersteller angegebene Ladezeit liegt bei rund 9 Stunden. Das Ladegerät liefert 54,6 Volt bei 3 Ampere.


Beim Akku und Motor ist der Unterschied zwischen dem S3 Pro und dem ebenfalls erhältlichen S3 deutlich. Beide E-Bikes haben davon abgesehen ähnliche Spezifikationen:
| S3 Pro | S3 | |
|---|---|---|
| Akku | 1.296 Wh, 48 V | 468 Wh, 36 V |
| Motor | 50 Nm, 750 W Peak | 40 Nm, 450 W Peak |
| Gewicht | 31,5 kg | 28,1 kg |
| UVP | 849 Euro | 689 Euro |
Bei den Reifen setzt Touroll auf ein Fatbike-Format mit 20 Zoll Durchmesser und 3 Zoll Breite. Die breiten Luftreifen sollen vor allem Komfort und Traktion bringen. Unterstützt wird das durch eine Federgabel vorne mit 60 Millimetern Federweg. Eine Hinterradfederung gibt es nicht.


Das LC-Display ist 2,6 Zoll groß. Es arbeitet mit einer farbigen Anzeige und zeigt die wichtigsten Informationen wie Geschwindigkeit, Akkustand, Unterstützungsstufe und Strecke. Weitere Funktionen wie ein USB-Anschluss oder eine App-Anbindung sind nicht vorhanden.
Geschaltet wird mit einer einfachen 7-Gang-Schaltung von Shimano, die auch bei vielen anderen Touroll-Bikes zu finden ist. Gebremst wird vorne und hinten mit Scheibenbremsen mit je 180 Millimetern Durchmesser.


Lenker und Sattel lassen sich in der Höhe verstellen, laut Hersteller eignet sich das Rad deswegen für Körpergrößen von 160 bis 195 Zentimetern. Die Gesamtzuladung des E-Bikes liegt bei 120 Kilogramm inklusive Fahrer.
Zur weiteren Ausstattung gehören noch Schutzbleche aus Metall, eine einfach gehaltene Klingel und Beleuchtung nach StVZO-Vorgaben sowie ein Gepäckträger mit einer maximalen Belastung von 20 Kilogramm.


Aufwendige Sensorik, Tracking oder andere Sicherheits- und Komfortfunktionen sind beim Touroll S3 Pro nicht vorhanden. Eine App mit smarten Funktionen bietet der Hersteller ebenfalls nicht an.
Touroll S3 Pro im Test: Fahrverhalten und Komfort
Im Alltag fährt sich das Touroll S3 Pro stabiler, als die kompakte Bauform zunächst erwarten lässt. Die breiten 20-Zoll-Reifen geben dem Rad viel Auflagefläche, der tiefe Rahmen erleichtert das Aufsteigen und der höhenverstellbare Lenker hilft erheblich dabei, eine passende Position zu finden. Die Sitzhaltung fällt insgesamt eher aufrecht aus, für einen sportlichen Fahrstil ist das E-Bike nicht vorgesehen.

Der Motor unterstützt kräftig, ist aber nicht besonders feinfühlig. Nach etwa einer Kurbelumdrehung setzt die Hilfe ein. Danach schiebt der Heckmotor spürbar nach vorn. Da Touroll keinen Drehmomentsensor verbaut, reagiert das System nicht auf die tatsächliche Kraft am Pedal. Deshalb fühlt sich die Unterstützung künstlicher an als bei E-Bikes mit Drehmomentsensor. Wer leicht in die Pedale tritt, bekommt trotzdem den in der jeweiligen Stufe vorgesehenen Schub.

In der Ebene rollt das S3 Pro leicht hörbar, wobei der Geräuschpegel hier vor allem durch die breiten Reifen bestimmt ist. An Steigungen zeigt sich der Antrieb kräftig genug für normale Hügel, bei längeren Bergauf-Passagen übertönt der Motor die Reifen. Das Geräusch fällt dann deutlich auf, bleibt aber immer noch im Rahmen dessen, was bei einem einfachen Heckmotor dieser Preisklasse zu erwarten ist.

Die 3-Zoll-Reifen selbst sorgen für viel Komfort. Sie nehmen kleine Schläge, Fugen und rauen Asphalt gut auf und schlucken Unebenheiten weg. Die Federgabel vorne bietet mit 60 Millimetern Federweg zusätzliche Entlastung, hat aber auch Grenzen. Der Wendekreis des E-Bikes ist angenehm klein.
Hinten gibt es keine separate Federung und auch keine gefederte Sattelstütze. Gröbere Unebenheiten kommen deshalb am Heck sehr viel direkter durch. Das S3 Pro fährt sich zwar komfortabler als ein Klapprad mit schmalen Reifen, aber nicht so komfortabel wie ein E-Bike mit besserem Fahrwerk oder zusätzlicher Sattelfederung.

Die mechanischen Scheibenbremsen mit 180-Millimeter-Scheiben verzögern das Rad zuverlässig, auch mit viel Zuladung. Hydraulische Scheibenbremsen hätten besser zum robusten Auftritt des S3 Pro gepasst. Trotzdem reicht die gebotene Bremsleistung im Alltag aus.
Mechanische Bremsen arbeiten mit Zug, sind einfach und günstig, bieten aber weniger Kraft und Dosierung. Hydraulische Bremsen nutzen Flüssigkeit, bremsen stärker, greifen präziser und brauchen weniger Handkraft, sind aber teurer und aufwendiger in der Wartung.
Beim Klappmechanismus zeigen sich Vor- und Nachteile. Zusammengefaltet nimmt das Rad natürlich deutlich weniger Platz ein, was in einer kleineren Wohnung oder im Bus praktisch ist. Beim Tragen sieht die Sache aber etwas anders aus. Für ein paar Stufen oder einen kurzen Weg geht das, angenehm ist es aber zu keinem Zeitpunkt. Das relativ hohe Gewicht macht sich hier schnell bemerkbar. Tatsächlich ist das S3 Pro im gefalteten Zustand nicht unbedingt einfacher zu tragen als ungefaltet.


195 km Reichweite? Was der Akku im echten Leben wirklich schafft
Mit 48 Volt Nennspannung und 1.296 Wh an Kapazität ist die Akkuleistung auf dem Papier ausgesprochen hoch. Der Hersteller selbst nennt bis zu 195 Kilometer mit einer Akkuladung, im Alltag liegt die realistische Reichweite aber wie immer deutlich darunter.
Auf Basis der durchgeführten Fahrten in Freiburg und am Kaiserstuhl, also mit flachen Abschnitten, hügeligen Strecken und Temperaturen um 20 Grad, erscheinen rund 90 Kilometer bei gemischter Nutzung realistisch.

In dieser Preisklasse ist das immer noch ein starker Wert. Steigungen, Fahrergewicht, Zuladung, Wind, Reifendruck, Temperatur und die gewählte Unterstützungsstufe verändern das Ergebnis spürbar nach oben oder unten.
Die große, herausnehmbare Batterie erlaubt viel Spielraum. Für tägliche Pendelwege, aber auch für längere Ausflüge reicht eine Ladung locker aus. Die Ladezeit von 0 auf 100 Prozent gibt Touroll mit 9 Stunden an, was sich in der Praxis auch bestätigt. Aufladen über Nacht ist zu empfehlen. Das 3-A-Netzteil zieht etwa 160 Watt und arbeitet dabei lautlos.
Lohnt sich das Touroll S3 Pro?
Ja, das Touroll S3 Pro lohnt sich vor allem für Fahrer, die ein kompaktes E-Bike mit enormem Akku suchen und beim Gewicht keine leichten Faltrad-Maßstäbe anlegen. Für einen ziemlich niedrigen Preis bietet es ungewöhnlich viel Reichweiten-Reserve und eine robuste Bauweise.
Weniger geeignet ist es für alle, die ein besonders natürliches Motorverhalten oder ein sportliches Fahrgefühl erwarten. Das Touroll S3 Pro ist kein elegantes Leichtgewicht, sondern ein kräftiges Kompakt-E-Bike mit Faltfunktion.
Alternativen zum Touroll S3 Pro
Als mögliche Alternativen lohnen sich ein Blick auf das Engwe EP-2 Boost (Test) oder das ähnliche Engwe EP-2 Pro (Test). Beide E-Bikes sind klappbar, haben einen großen Akku und kosten nicht die Welt. Wenn es lieber ein leichteres Falt-E-Bike mit 20-Zoll-Reifen sein soll, können das Ado Air 20 Ultra (Test) oder das günstigere Grundig E20 (Test) die richtige Wahl sein.














