Bei günstigen E-Mountainbikes ist die Erwartungshaltung meist überschaubar: hohe Versprechen im Shop, ordentlich Ausstattung auf dem Papier und dann ein Rad, das in der Realität doch eher nach Kompromiss aussieht. Das Vakole EMT29 12S hat mich jedoch nach dem Auspacken positiv überrascht. Die Marke gehört zwar nicht zu den großen Namen, der Grundeindruck dieses Fullys ist aber besser, als ich es zum Preis von 1.699 Euro (UVP) erwartet hätte.
Aufbau und Design
Schon beim Zusammenbau wirkt das E-Bike sauber gestaltet. Die Lackierung in Blau mit leicht violettem Einschlag sieht schick aus, der Rahmen ist sehr gut verarbeitet und die Shimano-Deore-12-fach-Schaltung springt einem sofort ins Auge. Das Vakole möchte offensichtlich nicht wie ein typisches Billig-Fully wirken. Die spannendere Frage ist aber, ob dieser Eindruck im Fahrtest trägt, oder ob sich später doch Schwächen herauskristallisieren.
Erster Eindruck passt zu mehr als 1.699 Euro
Neben dem ordentlich verschliffenen und nahezu unsichtbaren Schweißnähten am Rahmen machen auch Griffe, Sattel und Cockpit auf den ersten Blick keinen billigen Eindruck.
Dazu kommt ein verstellbarer Vorbau, eine Frontleuchte, ein Seitenständer und sogar Gewinde am Hinterbau für einen Gepäckträger. Gerade letzteres steigert den Alltagswert deutlich, weil das Vakole dadurch nicht nur Freizeit-Fully ist, sondern sich auch für längere Touren oder praktische Einsätze anbietet.

Natürlich ist bei diesem Preis nicht alles perfekt. Mein Testrad hatte beispielsweise am Vorbau eine kleine Macke vom Transport. Das kann jedoch auch einfach Pech gewesen sein, weil der Karton sich an der Stelle beim Transport aufgescheuert hat.
Außerdem wirkt die Kabelführung im Frontbereich teilweise etwas lang und damit etwas weniger aufgeräumt, als es der ansonsten wertige Auftritt verdient gehabt hätte.

Ausstattung: Shimano, großer Akku und sinnvolle Details
In seiner Klasse punktet das Vakole vor allem mit dem Gesamtpaket. Die hochwertige Deore-12-fach-Schaltung bringt beispielsweise einen echten Mehrwert. Sie passt gut zum Konzept, da sie eine brauchbare Bandbreite für Anstiege und Touren bietet und sich das Bike damit klar im günstigen Segment abhebt.
Die verbauten Kenda-Reifen mit grobem Profil passen ebenfalls gut zum Einsatzzweck auf Wald- und Feldwegen. Auch bei wechselnden Bedingungen oder matschigen Passagen bieten die 2,4 Zoll breiten und 29 Zoll großen Räder guten Halt.
Dazu kommt ein im Rahmen verbauter 691-Wh-Akku, der eigentlich ordentlich Reichweite liefern müsste. Doch der Hersteller gibt selbst nur bis zu 65 km an. Was es damit auf sich hat, klärt sich jedoch weiter unten im Test.
Weniger überzeugend sind manche Anbauteile. Die Bremshebel wirken etwas sperrig, und auch die mitgelieferten Schutzbleche machen optisch keinen besonders guten Eindruck.
Für den Test habe ich sie deshalb gar nicht erst montiert. Nutzbar sind sie sicher, nur würden sie das aus meiner Sicht Bike eher down- statt upgraden. Hier würde ich mir lieber direkt etwas Besseres besorgen.

So fährt sich das Vakole EMT29 12S im Alltag
Nach rund 38 Kilometern auf gemischtem Untergrund ist mein Eindruck insgesamt positiv. Der Heckmotor unterstützt angenehm dynamisch und progressiv.
Die fünf Unterstützungsstufen unterscheiden sich sinnvoll voneinander und reichen von leichtem Rückenwind bis zu kräftiger Hilfe in der höchsten Stufe. Das Fahrgefühl wirkt dabei nicht hektisch oder künstlich, sondern durchaus stimmig.
Am Berg zeigt sich allerdings auch der Charakter von Heckantrieben. Das Vakole ist keine gnadenlose Klettermaschine, die einen fast von allein nach oben schiebt. Steilere Anstiege verlangen daher aktive Mitarbeit.

Diese Eigenschaft ist nicht unbedingt ein Nachteil, muss aber klar eingeordnet werden: Wer maximale Bergpower erwartet, wird hier eher enttäuscht. Wer eine natürliche Unterstützung für Touren und gemäßigtes Gelände sucht, bekommt dagegen ein gutes Setup.
Auch die Deore-Schaltung harmoniert gut mit dem Motor. Die Übersetzung passt, und zusammen entsteht ein E-Bike, das sich auf Feldwegen, Waldstücken und Schotter durchaus angenehm bewegen lässt. Der verstellbare Vorbau ist hier ebenfalls mehr als nur ein Gimmick, da sich die Sitzposition spürbar zwischen sportlich und komfortabel einstellen lässt.


Die Bedienung erfolgt über ein kleines Display mit integrierten Tasten. Mit Plus und Minus, sowie On/Off Taste und den grundlegenden Fahrdaten ist es auf das Wesentliche beschränkt. Ein USB-Port ist leider nicht verbaut.

Komfort ja, Feinschliff eher nein
Beim Fahrwerk bleibt das Vakole ein typisches Preis-Leistungs-Bike – ohne das negativ zu werten. Hinten arbeitet ein DNM-Luftdämpfer (50 mm Federweg), vorne eine Federgabel mit 100 mm Federweg und Verspannung über eine Stahlfeder.
Das funktioniert grundsätzlich und die verbauten Komponenten wirken keinesfalls wackelig oder billig. Gerade bei Low-Budget Federgabeln merkt man relativ schnell den Unterschied bezüglich der Stabilität. Hier hatte ich im Test einen ziemlich guten Eindruck.


Trotzdem harmoniert das Fahrwerk auf der Testrunde nicht immer perfekt. Auf Feld- und Waldwegen fühlt sich das Ansprechverhalten stellenweise etwas bockig an, obwohl die Grundeinstellung eigentlich passt. Dämpferkomponenten sowie Fahrer brauchen jedoch manchmal auch mehrere Ausfahrten, bis alles richtig eingestellt und eingefahren ist.

Man merkt dennoch, dass hier vermutlich keine aufwendige Entwicklungsarbeit für anspruchsvolle Trail-Performance, wie beispielsweise bei teuren Markenrädern, steckt. Für gemütliche Offroad-Touren reicht das, für ambitioniertes Fahren bedarf es etwas mehr Sensibilität und eine bessere Abstimmung.
Bei dem Preisschild ist das aber auch irgendwie klar. Grundsätzlich gibt das Vakole EMT29 12S für den Einsteigerbereich trotzdem einiges her.
Gemischt fällt auch mein Eindruck der ergonomischen Komponenten aus. Die Griffe bieten guten Halt und fühlen sich hochwertig an, der Sattel war für mich aber selbst mit Radhose recht schnell unbequem. Das ist zwar immer individuell, auf lange Sicht würde ich hier dennoch einen Wechsel einplanen.


Die Sache mit der Reichweite
Der Hersteller gibt selbst nur eine Reichweite von 65 km an. Ich gehe jedoch davon aus, dass das für Regionen gilt, in denen das Bike auch komplett elektrisch oder weit über den 25 km/h gefahren werden darf. Denn hierfür gibt es im Untermenü jeweils Einstellmöglichkeiten. Ein Gasgriff für den rein elektrischen Modus liegt bei meiner EU-Lieferung jedoch nicht bei.
Wie ich zu der Annahme komme? Auf meiner ebenen Teststrecke war ich fast ausschließlich in Stufe 4 oder 5 unterwegs, also mit eher maximaler Unterstützung. Nach 38 gefahrenen Kilometern und nicht ganz voller Akkuladung zeigt die Akkuanzeige im Display immer noch drei von fünf Balken. Bei moderater Nutzung der Unterstützung gehe ich daher davon aus, dass das Vakole durchaus 100 km Reichweite schaffen kann.
Die größte Schwäche sind ausgerechnet die Bremsen
Am kritischsten fällt mir im Test die Bremsperformance auf. Zwar verbaut Vakole hydraulische Scheibenbremsen mit 180-mm-Scheiben vorne und hinten, in der Praxis haben die Bremsen an meinem Testrad aber zunächst nur sehr schwach gegriffen.
Möglich, dass die Beläge noch mehr Einfahrzeit brauchen oder ab Werk einfach nicht gut sind. Billige oder schlechte Beläge hatte ich bei günstigen Rädern schon häufiger erwischt, was sich für ca. 10 Euro und einem kleinen YouTube Tutorial schnell beheben lässt. Für den Moment war die Verzögerung aber klar zu verhalten, was ich bei einem fast 29 Kilo schweren E-MTB nicht kleinreden möchte.

Das heißt nicht automatisch, dass das ganze Bremssystem schlecht ist. Es bedeutet aber, dass das Vakole EMT29 12S an dieser Stelle keinen guten ersten Eindruck hinterlassen hat. Wer das Bike kauft, sollte die Bremsen nach den ersten Fahrten im Blick behalten und gegebenenfalls vernünftige Bremsbeläge einbauen.
Preis-Leistung: Hier wird das Vakole interessant
Das Vakole EMT29 12S ist vor allem deshalb spannend, weil es für relativ wenig Geld ein Paket schnürt, das man sonst eher als Hardtail erwarten würde: großer Akku, Deore-12-fach, Vollfederung, Frontlicht und sogar Alltagsdetails wie Gepäckträger-Aufnahmen. Als günstiges E-Fully funktioniert diese Idee erstaunlich gut.
Gleichzeitig sollte man sich vom starken Datenblatt nicht blenden lassen. Fahrwerk und Bremsen zeigen, wo keine Premium-Abstimmung stattfindet. Wer das weiß und die Erwartung daran ausrichtet, bekommt hier aber ein durchaus interessantes Bike für leichte Offroad-Einsätze und Touren. Für Käufer, die sonst in diesem Preisbereich zu einem Hardtail greifen würden, ist das Vakole durchaus spannend.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ hochwertiger erster Eindruck | ⬇ Bremsen im Test zu schwach |
| ⬆ Shimano-Deore-12-fach-Schaltung | ⬇ Fahrwerk eher ruppig |
| ⬆ 691-Wh-Akku | ⬇ Kabelführung vorne etwas unaufgeräumt |
| ⬆ gut abgestimmte Motorunterstützung | ⬇ Sattel und Schutzbleche sind Austauschkandidaten |
| ⬆ alltagstaugliche Ausstattung |
Lohnt sich das Vakole EMT29 12S?
Unterm Strich ist das Vakole EMT29 12S ein überraschend starkes Budget-E-Fully. Das Bike sieht gut aus, wirkt ordentlich verarbeitet, fährt sich angenehm und bringt mit Deore-Schaltung, großem Akku und sinnvollen Alltagsdetails mehr Substanz mit, als man bei der noch unbekannten Marke und in dieser Preisklasse zunächst erwartet.
Bremsen und Fahrwerk bremsen die Euphorie dagegen etwas. Für entspannte Waldwege, Feldwege und leichte Touren passt das Gesamtpaket trotzdem gut. Wer dagegen ein sportlich wirklich ausgereiftes E-MTB sucht oder bei der Bremsleistung keinerlei Kompromiss akzeptiert, muss höher ins Regal greifen. Für preisbewusste Fahrer, die eher zwischen Hardtail und günstigem Fully schwanken, ist das Vakole EMT29 12S aber durchaus einen genauen Blick wert. Erhältlich ist es am günstigsten im Shop von Buybestgear. Mit dem Rabattcode WATT100 kostet es dort nur 1.599 Euro.














