Lenker querdrehen, Pedale klappen, hinter die Tür stellen. Und wenn es losgeht, fährt sich dieses E-Bike, als säße man auf einem ausgewachsenen Citybike. Das Tenways CGO Compact ist für 1.999 Euro der Beweis, dass 20-Zoll-Kompakträder eine unterschätzte Kategorie sind.
Lieferung & Aufbau


Das CGO Compact kommt in einer kompakten Verpackung mit dem typischen Tenways-Schattenbild auf dem Karton. Innen ist alles hervorragend mit Schaumstoff und Luftpolsterfolie geschützt.
Der Zusammenbau ist erfreulich unkompliziert: Vorderrad montieren, Pedale anschrauben, Schutzblech befestigen, Lenker einsetzen – in 20 bis 30 Minuten steht das Rad. Wer schon mal ein IKEA-Regal zusammengebaut hat, schafft das locker. Im Vergleich zu manch anderem Versand-E-Bike ist der Aufbau hier wirklich anfängerfreundlich.
Design & Verarbeitung

Beim Zusammenbauen bestätigt sich der erste Eindruck. Die kleinen, etwas breiteren 20-Zoll-Reifen und der schlanke Rahmen ergeben ein Gesamtbild, das man so von einem Kompaktrad nicht erwartet. Der Rahmen wirkt schmal, ist aber extrem robust und man sieht nur wenige sichtbare Schweißnähte. Die Farbe Sandstone Beige wirkt edel und der Akku ist sauber in den Rahmen integriert – hier wirkt alles wie aus einem Guss.
Die Frontleuchte sitzt mittig am Lenker – zusätzlich ist im Rahmen ein Licht für zusätzliche Sichtbarkeit integriert, das dauerhaft leuchtet. Im Gepäckträgr ist das Rücklicht integriert. Auch die Details stimmen: stabiler, höhenverstellbarer Ständer, harmonisch eingefügter Gepäckträger – und eine edle Klingel, die ergonomisch exakt unter dem Bedienteil am linken Griff sitzt.


Das Herzstück: Speedlifter, Klapppedale & Tragegriffe
An der Lenkstange verbirgt sich mit das spannendeste Feature am CGO Compact: der By.Schulz Speedlifter. Dieses Markenprodukt sorgt dafür, dass sich der Lenker mit nur einem Handgriff in der Höhe verstellen lässt. Zieht man den Hebel und löst einen kleinen Metallstift, lässt sich der Lenker außerdem komplett quer stellen.


In Kombination mit den klappbaren Pedalen schrumpft das Rad auf eine erstaunlich schmale Silhouette. So passt es hinter Türen, in enge Keller, in den Fahrstuhl oder sogar ins Wohnzimmer.
Das Umstellen dauert keine zehn Sekunden: Hebel lösen, Lenker drehen, Stift einrasten, Pedale klappen – Fertig. Das ist ein entscheidender Unterschied zu klassischen Falträdern, bei denen der Faltvorgang oft aufwendiger ist. Zudem ist das E-Bike ziemlich stabil: Egal wie stark ich am Lenker rüttle und den Rahmen versuche zu verwinden, er bleibt stabil und starr. Für einen so filigranen Rahmen ist das beachtlich.


Dazu kommen durchdachte Tragemöglichkeiten: Unten am Rahmen befindet sich eine Möglichkeit zum Hochheben auf Hüfthöhe und unter dem Sattel ist ein Griff für ein kurzes Anheben. Bei einem Gewicht von 19,8 kg ist beides gut machbar und auch das Tragen über mehrere Stufen sowie die Mitnahme in der Bahn stellen kein erheblichen Kraftakt dar.
Motor & Antrieb
Das CGO Compact ist ein E-Bike ohne Gangschaltung. Das Rad setzt auf einen Gates Carbon-Riemenantrieb, der über eine zusätzliche Umlenkrolle geführt wird. In Kombination mit dem Tenways C9 Nabenmotor mit 45 Nm und einem Drehmomentsensor funktioniert das in der Praxis erstaunlich gut.


Schon nach den ersten Metern wird klar: Die Übersetzung stimmt. Auf ebener Strecke komme ich ohne Probleme auf 25 km/h und kann auch bis etwa 30 km/h mit reiner Muskelkraft weitertreten, ohne dass die Trittfrequenz unangenehm hoch wird. Aus dem Stand unterstützt der Motor sofort und natürlich – der Trittkraftsensor reagiert extrem feinfühlig.
Insgesamt bietet Das CGO Compact fünf Unterstützungsstufen. Stufe 1 bis 3 ist dabei eine gute Motorunterstützung auf der Ebene. Bergauf schiebt Stufe 4 oder 5 merklich stärker – bei meinem Test an einer ordentlichen Steigung zieht der Motor mich souverän nach oben. Das Fahrgefühl ist dabei so gut abgestimmt, dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl habe, schalten zu müssen.
Der Riemenantrieb läuft dazu wartungsfrei und geräuschlos. Kein Ölen, kein Nachspannen, keine verschmutzte Kette. Der Motor ist ebenfalls absolut leise. Man hört lediglich das leichte Abrollgeräusch der Reifen. Gerade für ein Alltagsrad, das vielleicht auch mal von weniger technikaffinen Familienmitgliedern gefahren wird, ist die Kombination aus Single Speed und Riemen ein enormer Vorteil: weniger Komplexität, weniger Wartung, weniger Fehlerquellen.
Gut zu wissen: Der Riemen wird beim CGO Compact aufgrund des kurzen Radstands über eine zusätzliche Umlenkrolle geführt. Das sieht ungewöhnlich aus, funktioniert in der Praxis aber einwandfrei und hat keinen spürbaren Einfluss auf den Antrieb.
Display, Akku & Reichweite
Das Farbdisplay gehört definitiv zu den besseren in dieser Preisklasse – scharf, kontrastreich und bei jeder Lichtsituation gut ablesbar. Nach dem Einschalten muss ein PIN-Code eingegeben werden, was als Diebstahlschutz fungiert und das Rad ohne Code unbenutzbar macht. Besonders clever: Jede der fünf Unterstützungsstufen hat eine eigene Farbe. So hat man auch peripher im Blick, wie viel Power gerade aktiv ist.

Der 500-Wh-Akku sitzt formschön im Rahmen und lässt sich mit einem Schlüssel leicht entnehmen – oder alternativ direkt am Rad laden. Die Reichweitenanzeige berechnet sich dynamisch: Bei fast vollem Akku zeigt das Display in Stufe 1 etwa 95 km, in Stufe 5 immerhin noch 63 km. Bei meinen 78 kg Fahrergewicht und überwiegend flachem Stadtbetrieb sind das realistische Werte für den Alltag. Viele Falt- und Kompakt-E-Bikes sind eher mit 300 bis 400 Wh ausgestattet. Tenways positioniert das CGO Compact mit 500 Wh daher klar im oberen Bereich.

Bremsen & Fahrkomfort
Die hydraulischen Scheibenbremsen von Tektro verzögern sicher und kräftig – auch bei meinem Bremsversuch aus voller Fahrt bergab bin ich sofort und sicher zum Stehen gekommen.
Die gefederte Sattelstütze ist eine positive Überraschung: Ihre Federwirkung ist auf unebenen Straßen deutlich spürbar, und in Kombination mit der aufrechten Sitzposition vergisst man schnell, dass man auf einem kleinen 20-Zoll-Rad sitzt – es fühlt sich an wie ein ausgewachsenes Citybike.


Die 20-Zoll-Räder fordern allerdings auch ihren Tribut: Auf Fahrradwegen und Asphalt ist alles bestens, aber auf Kopfsteinpflaster spürt man deutlich mehr Vibrationen als bei 28-Zoll-Laufrädern. Das ist der physikalische Kompromiss jedes Kompaktrads. Man gewinnt Wendigkeit und Kompaktheit, gibt dafür aber etwas Komfort auf schlechten Untergründen ab. Die gefederte Sattelstütze mildert das spürbar, kann es aber nicht komplett ausgleichen.

Größencheck & Zielgruppe
Ich habe das Rad mit meinen 1,85 m und mit meinem Sohn getestet, der 1,50 m groß ist. Sattel und Lenker auf das Maximum bei mir eingestellt, auf ein Minimum bei ihm – und es passt jeweils. Ein Rad für die ganze Familie – das CGO Compact hält, was die Werbung verspricht.


Hinweis zur Körpergröße: Tenways gibt 160–190 cm an. Im Praxistest funktioniert das Rad aber auch für Personen ab ca. 150 cm, wenn Sattel und Lenker ganz unten stehen. Ab etwa 185 cm ist die Sattelstütze am Maximum – für größere Fahrer könnte die Sitzposition dann unbequem sein.
Grundsätzlich machen diese Möglichkeiten das Rad so vielseitig: Stadtbewohner mit wenig Platz stellen den Lenker quer und lehnen es an die Wand. Pendler mit ÖPNV-Kombination nehmen es problemlos mit in die Bahn. Familien nutzen es für sich oder als selbsterklärendes Gästerad für verschiedene Körpergrößen. Wohnmobil-Besitzer profitieren von der Kompaktheit ohne Falt-Kompromisse. Und der MIK-HD-Gepäckträger trägt bis zu 27 kg.


Wichtig für alle, die kein Faltrad wollen: Das CGO Compact bietet den Platz-Vorteil eines Faltrads (Lenker quer, Pedale klappen), ohne die Nachteile eines Faltmechanismus. Kein Gelenk im Rahmen als potenzielle Schwachstelle, kein aufwendiger Faltvorgang. Das ist konstruktiv stabiler, langlebiger und einfacher in der Handhabung. Dafür ist es jedoch auch etwas länger als ein zusammengeklapptes Faltrad.
Vergleich mit Alternativen
Im Vergleich zum Heybike EC Compact City punktet das CGO Compact vor allem beim Verstellbereich: Personen von 1,50 bis 1,95 m können damit fahren, beim Heybike ist der Spielraum deutlich geringer. Wer das Rad in der Familie teilt, hat hier klar die Nase vorn.
Wer ein echtes Faltrad sucht, sollte sich das Ado Air 20 Ultra ab 1.499 Euro ansehen. Es faltet sich komplett zusammen, hat eine 3-Gang-Automatik, wiegt 19 kg – und kostet 500 Euro weniger. Das CGO Compact ist stabiler gebaut, hat den besseren Akku mit 500 statt 346 Wh und den cleveren Speedlifter – wer nicht wirklich falten muss, fährt damit besser. In unserem Launch-Artikel zum CGO Compact hatten wir das Rad bereits eingeordnet.

Pro & Contra
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ gut abgestimmter Antrieb | ⬇ Fahrkomfort auf Kopfsteinpflaster |
| ⬆ Lenker lässt sich quer stellen | ⬇ App bietet kaum Mehrwert |
| ⬆ riesige Größenspanne | ⬇ ab 185 cm wird die Sitzposition schlechter |
| ⬆ wartungsfreier Riemenantrieb | |
| ⬆ gefederte Sattelstütze | |
| ⬆ durchdachte Tragegriffe | |
| ⬆ leiser Motor | |
| ⬆ Gepäckträger mit 27 kg Last |
Fazit: Der kompakte Tausendsassa für die Stadt
Das Tenways CGO Compact hat mich überrascht. Es meistert den Spagat zwischen Kompaktheit und vollwertigem Fahrgefühl so souverän, dass man nach wenigen Minuten vergisst, auf einem 20-Zoll-Rad zu sitzen. Die Übersetzung des Single-Speed-Antriebs ist hervorragend abgestimmt, der Drehmomentsensor reagiert feinfühlig und der By.Schulz Speedlifter ist in dieser Preisklasse ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Dazu die Verarbeitung: Alles wirkt durchdacht, wertig und stimmig – vom integrierten Akku bis zur Klingel.
Kleine Einschränkungen gibt es – auf Kopfsteinpflaster machen sich die 20 Zoll bemerkbar, die App bietet kaum Mehrwert, und ab 1,85 m wird die Sitzposition grenzwertig. Aber für 1.999 Euro bekommt man ein erstaunlich vielseitiges Kompakt-E-Bike mit hochwertigen Komponenten und einem Alltagsnutzen, den viele größere E-Bikes nicht bieten. Wer wenig Platz hat, ein Gästerad für verschiedene Körpergrößen sucht oder sein E-Bike im Wohnmobil mitnehmen will, findet mit dem CGO Compact eine echte Empfehlung.













