VanMoof ist zurück: Mit dem S6 hat der niederländische Hersteller das erste neue E-Bike unter neuer Leitung vorgelegt. Das Konzept ist gleich geblieben, die Erwartung nach wie vor hoch. Unser Test klärt, wie sich das E-Bike im Alltag schlägt, wo seine Stärken liegen und wo trotz Verbesserungen noch etwas Luft nach oben ist.
Bekanntes Design mit überarbeiteter Basis
Das VanMoof S6 für 3.298 Euro übernimmt das bekannte Design, setzt aber auf eine überarbeitete Basis. Neue Elektronik, eine verbesserte AutoShift-Nabenschaltung und modular aufgebaute Verkabelung sollen frühere Schwachstellen beheben. Ziel ist ein smartes, stilvolles City-E-Bike für Enthusiasten, das im Alltag zuverlässig funktioniert.
Ausgepackt: Erster Eindruck zum VanMoof S6
Beim S6 setzt VanMoof erneut auf ein klares, sehr aufgeräumtes Gesamtbild. Das E-Bike kommt zum Test weitgehend vormontiert an, der Aufbau gelingt zügig. Die perfekt bebilderte deutsche Anleitung führt nachvollziehbar durch die letzten Schritte: Vorderrad einsetzen, Motorkabel verbinden (etwas friemelig), Lenker ausrichten, Pedale montieren. Dann steht das Rad fahrbereit da.


Wie erwartet hinterlässt die Verarbeitung einen hochwertigen Eindruck. Lackierung und Übergänge sind allesamt präzise umgesetzt. Die Schweißnähte fallen noch einmal glatter aus als bei früheren Generationen. Alles andere wäre in dieser Preiskategorie jedoch auch eine Enttäuschung.
Optisch unterscheidet sich das S6 kaum vom Vorgänger. Der Diamantrahmen mit seiner extravaganten Linienführung bleibt ein wichtiges Merkmal. Das Design wirkt weiterhin modern und eigenständig, ohne neue Experimente einzugehen.
Akku und weitere Elektronik verschwinden im Rahmen, sichtbare Anbauteile sind auf ein Minimum reduziert. Das S6 wirkt fast wie ein ganz normales Fahrrad, obwohl es technisch komplex ist. Dieser Kontrast gehört auch unter neuer Führung weiter zum Markenkern von VanMoof.


Der Akku sitzt im Grunde unsichtbar im Unterrohr, Bedienelemente und Anzeige des E-Bikes selbst beschränken sich auf das Nötigste. Insgesamt bietet sich ein sehr geschlossenes, VanMoof-typisches minimalistisches Erscheinungsbild. Im Stadtverkehr ist das E-Bike auch aus der Ferne sofort als VanMoof erkennbar.
Neben dem von uns getesteten S6 bietet VanMoof noch das S6 Open an. Beide sind in den Farben Drift Black, Electric Blue und Pearl Mint zu bekommen. Die technischen Unterschiede zwischen beiden Varianten des E-Bikes halten sich jedoch in Grenzen. Das Open-Modell ist ein Step-Through-Bike mit tiefem Einstieg und 24 Zoll Rädern, welches sich generell eher an kleinere Fahrer richtet.
| VanMoof S6 | VanMoof S6 Open | |
|---|---|---|
| Rahmen | Diamantrahmen | Step-Through |
| Fahrergröße | 165 bis 210 cm | 155 bis 200 cm |
| Laufradgröße | 27,5 Zoll | 24 Zoll |
| Gewicht | 23,5 kg | 22,5 kg |
VanMoof S6: Ausstattung im Detail
Der vom Hersteller entwickelte Antrieb des S6 basiert wie schon beim Vorgänger auf einem 250 Watt starken Vorderrad-Nabenmotor, der erneut ein maximales Drehmoment von bis zu 68 Nm bereitstellt. Gesteuert wird die Unterstützung über einen Drehmomentsensor am Tretlager, der die eingebrachte Kraft erfasst. Ergänzt wird das System durch vier Unterstützungsstufen.

Wie spätere Chargen des VanMoof S5 bietet der Akku eine Kapazität von 487 Wh. Geladen wird die Batterie über einen Anschluss am E-Bike. Laut Hersteller dauert eine Ladung von 0 auf 100 Prozent rund 6,5 Stunden, von etwa 25 auf 100 Prozent etwa vier Stunden.
Der Akku ist fest im Rahmen verbaut, das heißt nicht für den schnellen Wechsel vorgesehen. Für manche ist das bereits ein K.o.-Kriterium. Das mitgelieferte Ladekabel ist ca. 3 m lang, so weit darf die Steckdose oder Powerstation also maximal vom E-Bike entfernt sein.

Eines der neuen Bauteile ist die Schaltung. Zum Einsatz kommt eine automatisch arbeitende 3-Gang-Nabenschaltung, die nun rein mechanisch funktioniert. Die Gangwechsel erfolgen dabei abhängig von Geschwindigkeit und Trittfrequenz. Elektronische Schaltumwandlung oder appbasierte Feineinstellungen gibt es nicht mehr.
Hinweis zur Klingel: Das VanMoof S6 hat eine elektrische Klingel, die aber den Klang einer mechanischen Klingel nachahmt. Damit sollte sie auch im Straßenverkehr zulässig sein, da die StVZO lediglich nach einer „helltönenden Glocke“ verlangt. Ein Dauerklingeln ist nicht möglich.
Gebremst wird vorn und hinten mit hydraulischen Scheibenbremsen, die für den Einsatz in der Stadt mehr als ausreichend dimensioniert sind. 27,5 Zoll große Reifen sind auf leises Abrollen und Asphalt ausgelegt. Serienmäßig ist das Rad ungefedert, im Test ist jedoch eine optionale gefederte Sattelstütze mit rund 30 mm Federweg mit dabei.


Zur weiteren Ausstattung zählen noch die integrierten LED-Leuchten vorne und hinten, das „Halo-Light“-System (Erklärung weiter unten) zur Anzeige von Geschwindigkeit, Akkustand und Unterstützungsmodus sowie die fest verbaute Smartphone-Halterung von Peak Design. Klassische Displays sind nicht vorhanden.
VanMoof S6: Fahrverhalten und Komfort
Im Stadtverkehr zeigt sich schnell, wofür das VanMoof S6 entwickelt wurde. Das Fahrgefühl ist ruhig, kontrolliert und sehr vorhersehbar. Die Sitzposition ist leicht sportlich, ohne unbequem zu wirken.
Das Rad fühlt sich trotz seines Gewichts von 23,5 Kilogramm nicht träge an, sondern lässt sich angenehm präzise lenken. Die 27,5 Zoll großen Reifen rollen leise und gleichmäßig. Ihr Profil ist auf gut befestigte Wege ausgelegt und nicht auf Wald und Wiese.

Dank des Drehmomentsensors setzt der Motor feinfühlig ein. Schon nach leichtem Pedaldruck baut sich die Unterstützung auf, ohne ruckartig zu wirken. In den unteren Stufen fährt sich das S6 eher zurückhaltend, ab Stufe drei ist der Schub dann deutlich spürbarer. Insgesamt gibt es vier Stufen.
Schon nach kurzer Zeit möchte man die Boost-Taste nicht mehr missen. Sie ist mehr als nur ein Gimmick und hat mit dem S6 sogar ein kleines Upgrade erfahren. Die Taste ermöglicht eine rasche Beschleunigung auf 25 km/h, zum Beispiel beim Anfahren oder beim Überholen.
Klar ist dabei aber auch, dass das Fahrgefühl durch den Boost nicht mehr natürlich im klassischen Sinne ist, sondern eben dynamisch und im Zweifelsfall auch ziemlich unterhaltsam.
Positiv fällt auch der heutzutage eher ungewöhnliche Vorderradmotor auf. Trotz anfänglicher Skepsis überzeugt er dann doch mit gleichmäßiger Kraftentfaltung und hoher Traktion. Auch bei höheren Unterstützungsstufen bleibt das Fahrverhalten stabil. Der Motor arbeitet insgesamt leise, aber nicht lautlos. Geräusche sind im Stadtlärm dennoch im Grunde nicht wahrnehmbar.


Zu den größten Fortschritten gegenüber früheren Generationen gehört die aufgepeppte automatische Nabenschaltung. Gangwechsel erfolgen sehr leise und nahezu unbemerkt. Es gibt keine spürbaren Aussetzer oder Leertritte, der Zeitpunkt der Schaltung passt gut.
Besonders bei Tempo um 25 km/h sorgt die Übersetzung für eine angenehm niedrige Trittfrequenz. Bei höherem Tempo wird das Pedalieren jedoch deutlich schwerer, was bei einem City-E-Bike dieser Art aber verschmerzbar ist.
Die hydraulischen Scheibenbremsen greifen wie erwartet sehr zuverlässig, lassen sich fein dosieren und vermitteln auch bei abruptem Bremsen im Stadtverkehr ein sicheres Gefühl. Der Druckpunkt ist klar definiert, ohne aggressiv zu wirken.
Die integrierte Beleuchtung hingegen birgt Licht und Schatten: Das Frontlicht leuchtet die Fahrbahn gleichmäßig aus und sorgt für gute Sichtbarkeit im Verkehr. Nach oben oder unten verstellbar ist es aber leider nicht. Bauartbedingt leuchtet der Scheinwerfer auch keine Kurven aus, sondern leuchtet zunächst weiter starr geradeaus. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig.


Die gefederte Sattelstütze verbessert den Komfort spürbar. Kopfsteinpflaster und kleinere Unebenheiten federt sie effektiv ab, ohne das direkte Fahrgefühl zu verfälschen. Sie macht das E-Bike ein ganzes Stück alltagstauglicher und ist als Zubehör zu empfehlen. VanMoof hätte sie auch gerne einfach für alle Kunden als kleines Extra kostenfrei mit in das Paket legen können.
Hinweis zur Sattelstütze: Sie kostet 98 Euro. Dem Paket liegen zwei Federn bei, die je nach Gewicht des Fahrers zum Einsatz kommen. Eine Schraube erlaubt zudem eine weitere Feinjustierung.

Nicht besonders gut gelungen sind die Griffe. Sie passen zwar gut zum integrierten Look des S6, sind in der Praxis aber zu glatt und deshalb kaum griffig. Auch der Winkel, in dem sie zum Fahrer stehen, ist etwas unkomfortabel.
Die LED-Lichtringe im Lenkerbereich nennt der Hersteller Halo-Light-System. Es ersetzt ein herkömmliches Display vollständig und zeigt dennoch Akkustand, Unterstützungsstufe und Geschwindigkeit grafisch an. Links ist der Akkustand visualisiert, rechts je nach Modus entweder die aktuelle Geschwindigkeit oder die gewählte Unterstützungsstufe. Die Anzeige ist gut ablesbar, erfordert aber eine gewisse Eingewöhnung.
Zahlen oder Texte gibt es nicht, stattdessen arbeitet das System nur mit Lichtsegmenten und Farben. Ergänzt wird die visuelle Rückmeldung durch ein ausgefeiltes Soundsystem. Jede Aktion, vom Wechsel der Unterstützungsstufe bis zum Aktivieren des Lichts, wird akustisch bestätigt. So lässt sich der Zustand des E-Bikes allein über Licht und Ton erfassen.

Hinweis: Die Töne lassen sich ändern und bei Bedarf teilweise oder ganz ausschalten. Es stehen sieben Tonarten bereit, die über die VanMoof-App steuerbar sind. Teilweise ausgeschaltet bedeutet, dass das E-Bike keinen Start- und Herunterfahr-Sound abspielt. Ganz ausgeschaltet lässt das S6 tatsächlich ganz verstummen, vom Alarm und der Klingel abgesehen.
Die ebenfalls besondere Halterung für Smartphones ist in den Lenker eingebettet und erlaubt eine schnelle magnetische Befestigung. Die Lösung wirkt hochwertig, ist einfach zu bedienen und fügt sich optisch sehr gut ins Gesamtbild ein.
Da es anders als bei früheren Modellen keinen USB-C-Anschluss mehr gibt, dient die Halterung ausschließlich der Anzeige und Navigation über die App. Das Smartphone am E-Bike aufzuladen ist leider nicht möglich.
Reichweite im Test: Wie weit kommt der Akku wirklich?
Die Reichweite des VanMoof S6 hängt wie bei anderen E-Bikes stark vom Fahrstil ab. Getestet haben wir es in und um Freiburg im Breisgau bei rund 15 Grad Celsius, mit einigen Hügeln, häufigem Stop-and-go und zeitweise Gegenwind.
Bei hoher Unterstützungsstufe, häufiger Boost-Nutzung und zügigem Tempo im Stadtverkehr sind etwa 50 Kilometer pro Ladung realistisch. Bei gemischter Fahrweise mit überwiegend Stufe zwei oder drei und nur gelegentlichem Boost lassen sich im Alltag auch rund 80 Kilometer erreichen.
Wer sehr sparsam fährt, niedrige Unterstützungsstufen wählt und gleichmäßige Strecken nutzt, kann durchaus Reichweiten von etwa 120 Kilometern erzielen. VanMoof selbst wirbt mit bis zu 150 Kilometern, die sind aber auch bei äußerst sparsamer Fahrweise nicht drin.

Nach rund 6 Stunden 30 Minuten ist der Akku bei Zimmertemperatur vollständig aufgeladen. Bei 50 Prozent ist er schon nach 2,5 Stunden angekommen. Das mitgelieferte Netzteil des S6 zieht rund 75 Watt.
VanMoof-App, smarte Features und GPS-Sicherheit
Eines der wichtigsten Merkmale des VanMoof S6 ist die umfassende Vernetzung. Das E-Bike verfügt über integriertes GPS- und Mobilfunk-Tracking. In Verbindung mit der App lassen sich Standort, Fahrdaten und Sicherheitsfunktionen jederzeit abrufen. Die automatische Fahrerkennung per App sorgt zudem zuverlässig dafür, dass sich das S6 beim Annähern entsperrt und beim Weggehen nach wenigen Sekunden von selbst wieder sichert.

Das Kick-Lock am Hinterrad ist erneut mit dabei und macht seine Sache sehr ordentlich. Per Fußdruck wird das Rad blockiert und gleichzeitig die Alarmfunktion aktiviert. Das System reagiert sensibel, aber nicht übertrieben. Leichte Berührungen lösen keine lauten Alarme aus, bei deutlicher Bewegung wird jedoch akustisch gewarnt.
Der Alarm startet bei 70 bis 80 dB und eskaliert zur 105-dB-Sirene. Er läuft kontinuierlich, bis die Bewegung stoppt oder der Besitzer den Alarm per App deaktiviert.
Bei der Ortung eines gestohlenen S6 hilft Apples „Find My“-Netzwerk. Das E-Bike lässt sich per Bluetooth in die „Wo ist?“-App einbinden und erscheint dort auf der Karte. Zur exakten Lokalisierung ist über die App eine Klingel am E-Bike abspielbar. Die Features funktionieren unabhängig von der VanMoof-App.

Ergänzend dazu bietet VanMoof ein „Ride Pro“-Abo an. Es erweitert die eigene App um zusätzliche Funktionen wie detaillierteres Tracking, erweiterte Diebstahlinformationen und perspektivisch auch Navigationsfunktionen mit Lichtsignalen über die Halo-Ringe. Das Abo ist optional und kostet als Einführungspreis 4,99 Euro monatlich oder 49 Euro jährlich. Danach steigt der Preis auf 9,99 Euro/Monat oder 99 Euro/Jahr.
Ziemlich cool: Neue Firmware ist in wenigen Minuten installiert, wenn sich das Smartphone in der Nähe des S6 befindet und Bluetooth eingeschaltet ist.

Lohnt sich das VanMoof S6?
Ja, das VanMoof S6 ist aber kein E-Bike für jedermann. Es richtet sich an urbane Enthusiasten, die ein eigenständiges Design, viel Technik und smarte Features schätzen. Besonders gut gelungen sind die Automatikschaltung und die Boost-Funktion. Auch die konsequent durchgezogene Integration sieht richtig schick aus.

Der Preis von 3.298 Euro (plus Versand) hat es allerdings ebenfalls in sich. Die starke Integration führt zudem dazu, dass sich z.B. der Akku zum Laden nicht entnehmen lässt. Für manche Interessenten ist das ein Deal-Breaker. Für Pendler mit hohem Komfortanspruch ist das S6 ebenfalls weniger geeignet.
Als Gesamtpaket wirkt das VanMoof S6 reifer als seine Vorgänger. Es fährt sich sehr angenehm, vermittelt viel Kontrolle und setzt konsequent auf ein reduziertes, smartes Konzept. Genau darin liegt seine Stärke.
Alternativen zum VanMoof S6
Eine naheliegende Alternative ist das Tenways CGO009 (Test). Das Urban-E-Bike für 2.199 Euro erinnert mit seinem Design und dem minimalistischen Auftritt stark an ein VanMoof. Uns haben vor allem der harmonische Antrieb und die hohe Verarbeitungsqualität gefallen. Das dürfte auch bei der gerade vorgestellten neuen Version des CGO009 der Fall sein.
Ebenfalls interessant ist das Lemmo One MK2 (Test), das uns als gelungene Weiterentwicklung seines Vorgängers aufgefallen ist. Es ist ab 2.390 Euro zu bekommen und damit viel günstiger als das VanMoof S6. Das modulare System des One MK2 mit entnehmbarem Akku in Form einer Powerbank ist besonders praktisch. Ganz neu ist außerdem das Lemmo Collab.Ride (Test), welches sogar eine 9-Gang-Automatikschaltung mitbringt.














