Shimanos neuer Spitzenmotor soll E-Mountainbikern an schwierigen Anstiegen Arbeit abnehmen. Der EP810 ist deshalb stärker und leichter als sein Vorgänger. Zusammen mit einer elektronischen Schaltung regelt er außerdem die Motorhilfe und wählt selbst den Gang.
Mehr Leistung bei weniger Gewicht
Shimano gibt für den neuen EP810 ein Gewicht von nur 2,3 kg an, bei bis zu 100 Nm Drehmoment und 750 Watt maximaler Leistung. Zum Vergleich: Beim vorherigen Spitzenmodell, dem EP801, stehen 85 Nm und 600 Watt bei 2,7 kg bereit. Der neue Motor bietet also mehr Kraft und wiegt gleichzeitig 400 Gramm weniger.
Das höhere Drehmoment kann insbesondere beim langsamen Klettern an steilen Stellen helfen. Wie gut sich die Kraft auf losem Untergrund dosieren lässt, hängt allerdings auch von der Motorsteuerung ab. Viel Unterstützung bringt wenig, wenn das Hinterrad durchdreht. Shimano will die Leistung deshalb stärker an Gelände und Fahrer anpassen.
Shimano EP810 stimmt Motorhilfe und Gangwahl ab
Dafür arbeiten zwei Automatiken zusammen. Im neuen Fahrmodus TRAIL+ passt der Motor seine Unterstützung während der Fahrt selbst an. Er berücksichtigt etwa, wie kräftig und schnell der Fahrer tritt und wie steil der Weg ist. Diese automatische Regelung nennt Shimano Auto Assist.
Für die Wahl der Übersetzung ist eine zweite Funktion namens Auto Shift zuständig. Sie steuert eine passende elektronische Shimano-Schaltung, (Di2) bei der ein kleiner Elektromotor das Schaltwerk bewegt.
Wird ein Weg plötzlich steiler, soll die Motorhilfe kontrolliert zunehmen. Gleichzeitig sucht die Schaltautomatik eine passende Übersetzung, damit das Treten leichter fällt. Dafür berücksichtigt das System unter anderem die Pedalkraft, die Geschwindigkeit, die Steigung und die Trittfrequenz.

Beim Bergabfahren reduziert Auto Assist die Unterstützung. Auf flachen Abschnitten soll das System dadurch etwas effizienter sein. Shimano nennt dieses Zusammenspiel „True Auto“. Der praktische Vorteil wäre zum Beispiel vor einer Wurzel oder einer engen Kurve weniger Tasten bedienen zu müssen und mehr Aufmerksamkeit für die Strecke zu haben.
Automatisches Schalten gab es bereits bei früheren Shimano-Antrieben. Beim EP810 kommt die dritte Generation mit überarbeiteter Steuerung und Bewegungssensorik zum Einsatz. Vorgesehen sind kompatible Di2-Schaltungen aus den Familien XTR, Deore XT, Deore, GRX und Cues.
Shimano EP810: Hill Hold und Lift & Shift
Wer mitten in einer Steigung anhalten muss, hat oft mehrere Probleme. Das Rad rollt zurück und der eingelegte Gang ist zum erneuten Anfahren zu schwer. Hier setzen Hill Hold und Lift & Shift an.
Zwei weitere Funktionen sollen beim Überfahren von Hindernissen helfen. Assist Remain gleicht schwankenden Druck auf die Pedale aus. Carry Over lässt die Unterstützung nach einer Tretpause kurz weiterlaufen, etwa wenn die Kurbeln vor einer Wurzel stillstehen müssen. Die Dauer dieses Nachlaufs lässt sich anpassen.
Zum neuen System gehören außerdem ein 720-Wh-Akku mit rund 4,1 kg und die App SHIMANO CONNECT für Einstellungen, Updates und Fahrtenaufzeichnung.

Shimanos Ansatz könnte technische Anstiege vereinfachen, weil Motorhilfe und Gangwahl gemeinsam reagieren. Auch weniger Geräusche und Reichweitenvorteile verspricht der Hersteller mit dem neuen System. Wann es neue Modelle mit dem Antrieb gibt, nennt Shimano aber noch nicht.









