So gut wie jeder Radfahrer kennt leider den Moment, wenn ein Lkw mit gefühlten 30 cm Abstand vorbeirauscht. Bisher war man dagegen im Grunde machtlos, doch eine neue Erfindung aus Deutschland ändert das gerade. Die BikeBox dokumentiert gefährliche Situationen automatisch und anonym.
So sorgt die BikeBox für mehr Sicherheit
Das neue Gerät der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt wird vorne am Fahrrad montiert und übernimmt sofort die Dokumentation. Im Gegensatz zu Dashcams verzichtet sie dabei auf ein Kameramodul, um die Anonymität aller Beteiligten zu wahren und rechtliche Hürden beim Datenschutz zu umgehen. Das System läuft während der Fahrt im Hintergrund und benötigt lediglich eine Begleit-App für Android oder iOS.
Das Herzstück der Messungen sind die beidseitigen Überholabstände, die genau erfassen, wie nah Kraftfahrzeuge dem Rad wirklich kommen. Zusätzlich erkennt ein Erschütterungssensor Schlaglöcher und Unebenheiten im Asphalt.
Dabei wird das GPS-Signal vom Smartphone genutzt, während die Box selbst die physische Umgebung scannt. Um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, werden die ersten und letzten 100 Meter beziehungsweise die ersten 60 Sekunden jeder Fahrt automatisch gelöscht und alle Daten vor dem Server-Upload vollständig anonymisiert.

BikeBox hat noch mehr im Blick
Auch Umweltdaten wie die aktuelle Feinstaubbelastung zeichnet die kleine Box während der Fahrt auf. So entsteht im Laufe der Zeit ein präzises Bild der tatsächlichen Bedingungen auf der Straße, das weit über subjektive Erfahrungsberichte hinausgeht, sagen die beteiligten Wissenschaftler.
Aus den gesammelten Werten wird bereits eine digitale Heatmap erstellt, die Gefahrenpunkte für die Verkehrsplaner deutlich sichtbar macht. Damit erhalten Radfahrer endlich handfeste Beweise, die sie in Diskussionen mit der Stadtverwaltung bisher nie so richtig liefern konnten.
Die Daten zeigen schwarz auf weiß, wo Radwege zu schmal sind oder wo der schlechte Straßenzustand die Sicherheit gefährdet. Das gibt dem einzelnen Radfahrer gegenüber der oft dominierenden Autoinfrastruktur eine Stimme zurück.
Wo die BikeBox jetzt im Einsatz ist
Aktuell handelt es sich noch um eine Testphase. Unter der Leitung von Professor Nicholas Müller werden 100 kostenlose Geräte an Studierende ausgegeben.
Die BikeBox gibt es bisher nicht zu kaufen, da es sich bisher nur um ein wissenschaftliches Forschungsprojekt handelt. Auch ein direkter Rollout in andere Städte ist zumindest für die aktuelle Pilotphase nicht vorgesehen. Andere Kommunen können sich also noch nicht offiziell als Partner bewerben, auch wenn das Interesse bundesweit sicher groß sein dürfte.
Ob und wann die BikeBox für alle verfügbar sein wird, hängt von den Ergebnissen des Würzburger Tests ab. Langfristig ist das Ziel jedoch eine viel breitere Anwendung im gesamten Bundesgebiet, damit Radfahren nicht mehr nur eine Frage des Mutes, sondern der messbaren Sicherheit ist.














