Leichte E-Bike-Motoren sparen Gewicht, liefern aber meist weniger Kraft. Starke Full-Power-Antriebe bringen dagegen schnell knapp drei Kilogramm auf die Waage. SEG Automotive will diesen Gegensatz mit dem neuen BLM auflösen: Der Mittelmotor wiegt laut Hersteller nur 2,1 kg und soll in der 48-Volt-Version trotzdem bis zu 80 Nm liefern.
Zur Einordnung: Die vierte Generation der weit verbreiteten Bosch Performance Line CX startete 2019 mit maximal 75 Nm und wog rund 2,9 kg. Später hob Bosch das Drehmoment per Software auf 85 Nm an. Der BLM wäre nach den jeweiligen Herstellerangaben damit rund 800 Gramm leichter, obwohl sein Drehmoment auf dem Niveau damaliger Full-Power-Motoren liegt. Eine aktuelle Benchmark im Full-Power-Bereich setzt der Avinox M2S mit bis zu 150 Nm bei 2,59 kg.
SEG BLM soll Light-Assist-Gewicht mit Full-Power-Daten verbinden
Mit 2,1 kg liegt der BLM gewichtsmäßig eher im Bereich leichter Antriebe. Der Bosch Performance Line SX wiegt beispielsweise rund zwei Kilogramm, erreicht regulär aber maximal 55 Nm. SEG nennt für den BLM dagegen bis zu 80 Nm, 700 W Spitzenleistung und maximal 400 Prozent Unterstützung. Die Nenndauerleistung beträgt wie bei Pedelec-Motoren üblich 250 W.
Damit verspricht SEG nicht einfach nur einen weiteren leichten Motor, sondern deutlich mehr Reserven für steile Anstiege und kräftige Beschleunigung. Angeboten wird der BLM für 36- und 48-Volt-Systeme. Die höchsten Leistungswerte beziehen sich laut Hersteller auf die 48-Volt-Ausführung.
Auch innerhalb des SEG-Portfolios ist das ein deutlicher Schritt. Gegenüber dem SEG-Mittelmotor BHZ bringt der BLM bei gleichem Gewicht 15 Nm mehr Drehmoment und 200 W mehr Peak-Leistung. Ein anderes Konzept verfolgt der SEG BMM, der Antrieb und Schaltung verbindet. Der neue BLM ist dagegen ein klassischer Mittelmotor ohne integriertes Getriebe.
BH nutzt den BLM in einem 12,9-kg-E-Rennrad
Dass SEG damit zunächst leichte E-Bikes statt schwerer Full-Power-Modelle adressiert, zeigt das neue BH iRS1. Für das Topmodell iRS1 Carbon 1.6 nennt BH ein Gesamtgewicht von nur 12,9 kg. Der interne Akku fasst 630 Wh, zusammen mit dem 180-Wh-Range-Extender stehen sogar bis zu 810 Wh zur Verfügung.

Gerade bei einem E-Rennrad fällt jedes zusätzliche Gramm auf. Ein Motor, der ungefähr so wenig wiegt wie ein Light-Assist-Antrieb, bei Bedarf aber deutlich kräftiger unterstützt, könnte hier den bisherigen Kompromiss zwischen natürlichem Fahrgefühl, niedrigem Gewicht und hoher Leistung verschieben.
Die entscheidende Frage kann das Datenblatt nicht beantworten
Ob der BLM tatsächlich wie ein Full-Power-Motor fährt, bleibt vorerst allerdings offen. Drehmoment und Peak-Leistung verschiedener Hersteller sind nur eingeschränkt vergleichbar. Entscheidend sind unter anderem die Leistungsabgabe bei unterschiedlichen Trittfrequenzen, die Wärmeentwicklung unter längerer Last und die Dauer, über die der Motor seine Spitzenleistung halten kann.
Auch das Gewicht des vollständigen Antriebssystems ist für den Vergleich relevant. SEG bietet zum BLM Akku, Display, Bedienelemente und eine App an, über die sich Fahrmodi und Systemeinstellungen anpassen lassen. Wie schwer das Gesamtpaket im Vergleich zu etablierten Light-Assist- und Full-Power-Systemen ausfällt, geht aus den bisher verfügbaren Angaben nicht hervor.
Der spannende Punkt ist deshalb nicht allein die Zahl von 80 Nm. SEG versucht, eine bisherige Grenze weiter zu verschieben: das Gewicht eines Light-Assist-Motors mit Leistungsdaten zu verbinden, die vor einigen Jahren den beliebten Full-Power-Antrieb des Marktführers Bosch ausgezeichnet haben. Parallel verschieben andere Hersteller die Grenze bei der Spitzenleistung: Der neue Bafang M560RS soll sogar bis zu 1.700 W liefern.











