Ein Rahmen aus Carbon, der Akku in der Sattelstütze und 16,5 kg Gewicht für 1.899 Euro. Das Urtopia Carbon Fold 2 ist in gut 20 Sekunden gefaltet und auf holprigem Untergrund erstaunlich komfortabel, obwohl es keine Federung hat. An seine Grenzen kommt es bei großen und schweren Fahrern.
Kurzfazit: Das Carbon Fold 2 ist ein leichtes E-Faltrad für Pendler, die ihr Rad in Bahn, Bus oder Kofferraum mitnehmen. Es ist schnell gefaltet, gut zu tragen und fährt sich fast so erwachsen wie ein großes Rad. Abstriche gibt es beim Rahmen, der spürbar nachgibt. Bei meinen 77 Kilogramm störte das nicht, schwerere Fahrer dürften es als schwammig empfinden. Für lange Touren, viel Gepäck und Fahrer über 1,85 Meter passt es weniger.
Ausgepackt: Lieferung und Aufbau
Der gelieferte Karton ist innen üppig gepolstert und das E-Bike kam in gutem Zustand bei mir an. Auspacken, Pedale anschrauben, Sattelstütze einsetzen und den Lenker ausrichten. Das dauert eine gute halbe Stunde. Werkzeug liegt bei, das Handbuch ist nur auf Englisch.

Eine Stelle kostet dabei unverhältnismäßig viel Zeit. Der Akku sitzt in der Sattelstütze, und das Spiralkabel aus dem Rahmen wird von unten in ihr Ende gesteckt. Man sieht die Stelle nicht und tastet blind, bis der Stecker einrastet. Beim ADO Air 20 Ultra V2026 kommt das Kabel sichtbar oben aus dem Rahmen, das ist einfacher, aber weniger aufgeräumt. Im Alltag stört das kaum, denn geladen wird meist am Rad, und die Sattelstütze bleibt dabei stecken.

Design und Ausstattung: dem Rad sieht man den Motor kaum an
Der Carbonrahmen wirkt wie aus einem Guss. Mattes Grau, schlanke Rohre, saubere Übergänge. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass hier ein E-Bike steht, denn der Nabenmotor sitzt unauffällig im Hinterrad und der Akku steckt eben in der Sattelstütze. Auch die Scharniere des Faltmechanismus wirken hochwertig und durchdacht.

Bei der Schaltung weicht das Testrad vom Datenblatt ab, und zwar nach oben. Urtopia gibt auf der Produktseite eine Shimano Tourney an. Am Schaltwerk steht jedoch deutlich lesbar Altus, eine Ausstattungsstufe darüber. Die Schaltung hat acht Gänge.

Die hydraulischen Scheibenbremsen stammen von Tektro. Am Bedienteil links sitzt ein USB-C-Anschluss für das Smartphone. Die Klingel hängt direkt unter dem Display. Die Tasten für die Unterstützungsstufen und die Klingel liegen so dicht beieinander, dass der Daumen alles erreicht, ohne die Hand zu verdrehen.


Vorne sitzt ein Scheinwerfer mit 30 Lux an der Gabel, das Rücklicht steckt oben in der Sattelstütze. Es leuchtet, sobald das Licht angeschaltet ist, und dient beim Ziehen des Bremshebels zusätzlich als Bremslicht. Was hinten am Schutzblech befestigt ist und wie ein vollwertiges Rücklicht aussieht, ist dagegen nur ein Reflektor. Die Beleuchtung ist StVZO-konform.


Auf den Felgen sitzen 2 Zoll breite Kenda-Reifen mit 18 Zoll Durchmesser. Einen Kettenschutz gibt es nicht, vermutlich um Gewicht zu sparen. Urtopia nennt 15,9 Kilogramm ohne Schutzbleche und Ständer, mit beidem wie am Testrad sind es 16,5 Kilogramm.
Motor und Schaltung: Smart reicht, am Berg zählen die Gänge
Das Urtopia Carbon Fold 2 bringt vier Unterstützungsstufen mit, Eco, Tour, Smart und Boost. In der Stadt hat sich Smart bewährt, weil die Stufe die Unterstützung selbst an die Fahrsituation anpasst. Damit kommt das Rad zügig von der Ampel weg und nimmt moderate Steigungen ohne Mühe. Der 250-Watt-Nabenmotor im Hinterrad hat 42 Nm Drehmoment und einen Drehmomentsensor.
Ein Drehmomentsensor misst, wie kräftig man tritt, und reagiert idealerweise sofort. Beim Urtopia setzt die Unterstützung trotzdem erst nach etwa einer Viertel-Pedalumdrehung ein. Im Boost-Modus schiebt der Motor dabei spürbar an, was zu einem kleinen Ruck führen kann. Darauf sollte man beim ersten Antritt gefasst sein. Hört man auf zu treten, läuft der Motor kurz nach.
Feiner abgestimmt ist zum Beispiel der Mivice-Nabenmotor im Fiido C21. Der arbeitet mit ähnlichen 40 Nm und unterstützt harmonischer. Dennoch gefällt mir der Motor im Urtopia sehr gut. Er gibt dem Rad einen eher sportlichen Charakter.
Auf ebener Strecke wirken acht Gänge zunächst überdimensioniert. Ich bin oft im sechsten Gang losgefahren, weil der Motor den Rest ohnehin erledigt. Am Berg dreht sich das. Dort lässt die Unterstützung merklich nach, und erst in den unteren Gängen kommt man zügig nach oben. Die Kombination aus der gewählten Schaltung und dem Motor passt für mich, auch wenn sie im Flachen übertrieben wirkt. Hörbar ist der Motor kaum. Am Berg meldet er sich leise, sonst verschwindet er im Fahrgeräusch.
Ohne Unterstützung, etwa mit leerem Akku, ist der Tretwiderstand spürbar. Dank der Übersetzung und des geringen Gewichts kommt man trotzdem auf Tempo, und über 25 km/h hinaus lässt sich im höchsten Gang kräftig weitertreten.

Fahrgefühl: agil auf Asphalt, komfortabel ohne Federung
Das Carbon Fold 2 ist sehr agil, was an der Kombination aus kleinen Laufrädern und dem breiten Lenker liegt. In der Stadt ist das ein Vorteil, gerade im dichten Verkehr oder beim Durchfahren von engen Umlaufgittern.

15 Kilometer bin ich am Stück gefahren, ohne abzusteigen, eine klassische Pendlerstrecke. Danach tat nichts weh, was für den Sattel spricht. Die Hände lagen entspannt auf den Griffen, und die kleine Radgröße war nach den ersten Kilometern kein Thema mehr. Mit 1,85 Metern sitze ich sehr aufrecht, allerdings nur mit Sattelstütze und Lenker am oberen Anschlag.
Auf Schotter und Waldwegen lässt sich das Rad ebenfalls fahren, verlangt dort wegen der kleinen Laufräder aber mehr Konzentration. Auf holprigem Untergrund fuhr sich das Fold 2 entspannter als manches Aluminium-Faltrad mit Federgabel, obwohl es selbst keine Federung besitzt. Ob das an den 2 Zoll breiten Reifen liegt oder am Carbonrahmen, kann ich nicht sagen.
An die Bremsen muss man sich erst gewöhnen. Sie greifen im Auslieferungszustand sehr scharf, bei hartem Zupacken blockiert das Hinterrad sehr schnell. Nach ein paar Fahrten hat man den Druckpunkt raus und dosiert sauber.
Display und Bedienung
Das Farbdisplay ist auch bei Sonne gut ablesbar. Das Menü gibt es allerdings nur auf Englisch, eine App fehlt ganz. Das ist zu verschmerzen, denn Apps bieten in dieser Klasse selten mehr Einstellungen als das Display selbst.

Nach der Fahrt zeigt das Display in Prozent, welchen Leistungsanteil der Motor geleistet hat und welchen der Fahrer. Wer morgens mit viel Unterstützung zur Arbeit fährt, um nicht verschwitzt anzukommen, und abends mit wenig nach Hause, sieht den Unterschied direkt auf dem Display.
Wer will, justiert die Unterstützungsstufen im Menü selbst nach. Eco steht ab Werk auf 20 Prozent, Tour auf 60, Boost auf 100. Smart taucht dort nicht auf, weil diese Stufe eigenständig und situativ die Motorleistung regelt.

Eine Schiebehilfe bis 6 km/h ist auch mit an Bord. Sie wird zweistufig ausgelöst, erst die Minus-Taste halten, dann innerhalb von zehn Sekunden erneut drücken. Versehentlich kann das E-Bike so keinen Satz nach vorne machen.
Akku und Reichweite: 27 statt 68 Kilometer
Der Akku hat 244,8 Wattstunden Kapazität, rund die Hälfte dessen, womit ausgewachsene E-Bikes heute meist mindestens ausgestattet sind. Urtopia gibt damit bis zu 68 Kilometer Reichweite an.
Im Test reichte der Akku nur für 27 Kilometer. Die Strecke war allerdings sehr bergig und ich bin fast durchgehend in Smart und Boost gefahren. Mein Fahrergewicht beträgt etwa 77 Kilogramm. Dazu passt der Zwischenstand nach knapp 10 Kilometern, als das Display noch 65 Prozent zeigte.
Das Trekking-E-Bike Tenways AGO Performance kam beispielsweise im gleichen hügeligen Gelände mit 540 Wattstunden auf 43 Kilometer. Für den kleinen Akku sind 27 Kilometer damit ein erwartbarer Wert.
Wer überwiegend auf ebenen Strecken unterwegs ist und eine niedrigere Stufe wählt, kommt deutlich weiter. 40 bis 50 Kilometer halte ich für realistisch. Für die meisten Pendelstrecken sollte das reichen.
Geladen wird mit dem beiliegenden 2-Ampere-Netzteil in rund vier Stunden, mit dem optionalen Schnellladegerät laut Urtopia in drei. Für längere Strecken ist ein Zusatzakku hinten am Rahmen vorgesehen, der Anschluss ist schon vorbereitet. In den USA gibt es ihn mit 352,8 Wattstunden für 349 Dollar, in Europa ist er bislang nicht erhältlich.
Die Sattelstütze hat nur einen ganz normalen Schnellspanner, kein Schloss. Wer das Rad abschließt und stehen lässt, sichert damit den Akku nicht, denn die Stütze lässt sich mit einem Handgriff lösen und herausziehen. Beim ADO Air 20 Ultra V2026 sitzt an derselben Stelle ein Schloss mit Schlüssel. Da man ein Faltrad meist mitnimmt, statt es draußen stehen zu lassen, fällt das im Alltag aber weniger ins Gewicht.
Nach zwei Wochen zeigt die Stütze einen feinen hellen Abrieb, genau dort, wo sie durch die Klemme läuft. Weil sie bei einem Faltrad ständig auf und ab bewegt wird, sieht man ihr die Benutzung mit der Zeit an.

Faltmechanismus und Transport: Kofferraum, Treppe, Bahn
Pedale hochklappen, Sattelstütze ganz nach unten schieben, Lenker einfahren und umlegen sowie Rahmen in der Mitte klappen. Fertig. Urtopia gibt das Faltmaß mit 82 × 69 × 48 Zentimetern an.
Schon beim ersten Mal, ohne Anleitung, war das Rad in gut 20 Sekunden gefaltet. Wichtig ist nur, den Lenker vorher ganz einzufahren, sonst lässt sich der Rahmen nicht zusammenklappen. Nach zehn bis zwanzig Durchgängen funktioniert der Ablauf fast ohne Nachdenken.



Richtig gut gelöst sind die Faltpedale. Einmal drücken, hochklappen, arretiert. Zum Ausklappen einfach herunterziehen. Das geht mit einer Hand und ohne Widerstand, und genau das ist bei Falträdern längst nicht selbstverständlich.


Gefaltet steht das Rad frei. Magnete an beiden Laufrädern halten es zusammen. Rollen lässt es sich so aber nicht, weil die Magnete dann nachgeben und die Räder auch nicht perfekt parallel stehen. Das Konzept setzt auf das Tragen im gefalteten Zustand. Und das geht richtig gut. Im aufgebauten Zustand ist es ebenfalls leicht zu tragen. Eine Aussparung im Rahmen dient als Griff. Greift man dort zu, ist das Rad gut ausbalanciert, Treppen hoch und runter waren kein Problem.


Im Kofferraum eines Kombis steht das Fold 2 längs, daneben passen noch Gepäck und ein zweites Faltrad. Für Park-and-Ride ist es damit wie gemacht.


Am deutlichsten zeigt sich der Vorteil in Bahn und Bus. Gefaltet stand das Rad neben meinem Sitz und brauchte kaum Platz. Es fühlte sich an, als wäre ich mit einem Koffer unterwegs, nicht mit einem Fahrrad.
Tipp: Mit dem Faltrad in Bahn und Bus
Bei der Deutschen Bahn sind Falt-Pedelecs ausdrücklich geregelt. Gefaltet fahren sie als Gepäck mit, ohne Fahrradkarte, wenn sie sich wie Handgepäck verstauen lassen. In Berlin, Hamburg und München gelten zusammengeklappte Falträder ebenfalls als kostenloses Gepäck, E-Falträder erwähnen die Bedingungen dort aber nicht eigens. Im Ausland lohnt vorher ein Blick in die Regeln.


Für wen lohnt sich das Urtopia Carbon Fold 2?
Das Rad ist für Menschen gebaut, die es mitnehmen müssen. Pendler mit Bahn oder Bus, Park-and-Ride-Fahrer, Menschen ohne Abstellplatz in der Wohnung, Camper und Bootsbesitzer. Weil sich Lenker und Sattel stufenlos verstellen lassen, taugt es auch als Gästerad für unterschiedlich große Fahrer.
Zwei Grenzen sollte man kennen. Die erste ist die Körpergröße. Urtopia gibt 1,55 bis 1,85 Meter an, und mit 1,85 Meter sitze ich exakt am oberen Anschlag. Für Größere dürfte das Rad ein Kompromiss bleiben, brauchbar für kurze Wege, für lange eher nicht.
Die zweite Grenze ist das Gewicht. Fahrer und Gepäck dürfen laut Urtopia zusammen 100 Kilogramm wiegen. Beim Brompton Electric sind es 110 Kilogramm, darin ist allerdings auch das Akkugewicht enthalten. Das deutlich schwerere Mate Go+ erlaubt 130 Kilogramm für Fahrer und Gepäck.
Rüttelt man im Stand am Lenker, verwindet sich der Rahmen spürbar, Lenker, Vorbau und Scharniere sitzen aber dabei fest. Mit meinen 77 Kilogramm hat mich das beim Fahren nicht gestört. Ich vermute aber, dass schwerere Fahrer die Verwindung deutlicher spüren und das Fahrgefühl dann schwammig werden könnte.
Weniger geeignet ist es für lange Touren und für viel Gepäck. Einen hinteren Gepäckträger bietet Urtopia als Zubehör für 99 Euro an, er trägt laut Hersteller bis zu 15 Kilogramm.

Wer mehr Akku braucht, findet ihn bei anderen Falträdern. Nur nicht so leicht. Das Touroll S3 Pro für 899 Euro hat mit 1.296 Wattstunden mehr als fünfmal so viel Akku, wiegt aber über 30 Kilogramm. Das PVY Z20 Ultra für 1.399 Euro hat 522 Wattstunden bei 21 Kilogramm, das ADO Air 20 Ultra V2026 für 1.899 Euro 360 Wattstunden bei 22 Kilogramm. Ähnlich leicht und ebenfalls aus Carbon ist das ADO Air Carbon für 1.999 Euro.
Wer gar nicht falten muss, sondern nur wenig Platz hat, fährt mit dem Tenways CGO Compact besser. Es hat 20-Zoll-Laufräder, lässt sich nicht zusammenlegen und fährt sich dafür fast wie ein ausgewachsenes Citybike.
Pro und Contra
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ nur 16,5 kg leicht | ⬇ Rahmen verwindet sich spürbar |
| ⬆ faltet schnell und klein | ⬇ kleiner Akku |
| ⬆ sehr gut zu tragen | ⬇ Akku nicht abschließbar |
| ⬆ steht gefaltet frei | ⬇ Menü nur auf Englisch |
| ⬆ Faltpedale mit einer Hand klappbar | |
| ⬆ auch ohne Motor gut zu fahren | |
| ⬆ für Zusatzakku vorbereitet |
Fazit
Das Carbon Fold 2 ist ein erstaunlich ausgereiftes Faltrad, das richtig Spaß macht. Es faltet schnell, trägt sich leicht und fährt auf holprigem Untergrund komfortabler, als man es erwarten würde. Wer größer als 1,85 Meter ist, sitzt am Anschlag, und schwerere Fahrer müssen beachten, dass der Rahmen spürbar nachgibt. Der kleine Akku reicht für die meisten Pendelstrecken. Direkt bei Urtopia kostet es 1.899 Euro statt 1.999 Euro UVP, mit dem Code WATTMOVES gibt es 100 Euro Rabatt.







