Das ADO Air 20 Ultra V2026 macht drei nervige Dinge auf einmal überflüssig: die PIN-Eingabe, das Kettenöl und das manuelle Schalten. Dazu legt der Motor auf 50 Nm zu, der Preis bleibt bei 1.799 Euro. Im Test zeigt sich, dass fast alles stimmt, bis auf ein Detail, das ADO schon beim Vorgänger übersehen hat.
Schnell ausgepackt: Lieferung und Aufbau
Das Paket kommt mit gerade mal 28,5 Kilogramm Gewicht bei mir an. Der Karton ist kleiner, als man es bei einem kompletten E-Bike erwartet. Ein paar Kabelbinder lösen, und das Rad steht vor einem.


Der Lenker wird vorne nur noch eingesteckt. Sattel rein, Pedale anschrauben, hinten eine kleine Magnetplatte mit Spiralfeder ans Hinterrad – fertig. Die Platte wird gleich noch wichtig, beim Falten.
Im Karton liegen Akkuladegerät, Werkzeug und ein paar Reflektoren bei. Bei den Anleitungen hat ADO mitgedacht: drei Stück, alle auf Deutsch. Eine Bedienungsanleitung, eine für die App und eine eigene Aufbauanleitung mit bebildertem Schritt-für-Schritt. Bei diesem Faltrad braucht man die allerdings kaum. In einer guten halben Stunde ist das E-Bike fahrbereit.
Design und Ausstattung: Akku in der Sattelstütze, integriertes Licht
ADO hat bei der Version für das Jahr 2026 an der Optik gefeilt. Front- und Rücklicht sind jetzt komplett im Rahmen beziehungsweise im Gepäckträger versenkt. Beim Vorgänger wirkte die Beleuchtung noch aufgesetzt und fügte sich weniger gut ins Design ein. Jetzt sieht alles wie aus einem Guss aus. Dem schlanken Aluminium-Rahmen tut das gut. In Sky Blue wirkt das Rad richtig wertig.


Das ADO-Markenzeichen bleibt: Der Akku sitzt nicht als Box am Rahmen, sondern in der Sattelstütze. Die ist deshalb etwas dicker, lässt sich aber wie bei jedem normalen Fahrrad in der Höhe verstellen. Das Spiralkabel für den Stromanschluss kommt aus dem Rahmen. Wer das Rad draußen oder in der Bahn abstellt, kann die Sattelstütze per Schloss und Schlüssel sichern.
Die Ausstattung passt zur Preisklasse, darunter hydraulische Tektro-Scheibenbremsen, runde Kunstledergriffe und pannensichere CST-Reifen in 20 × 2,0 Zoll. Die Federgabel vorne lässt sich in der Federwirkung einstellen und auf Lock fixieren. Beides funktioniert zuverlässig. Man darf von ihr nicht zu viel verlangen, aber sie macht ihren Job, gerade auf Pflastersteinen in der Stadt. Der Rahmen ist sauber verschweißt, alles fühlt sich solide an.
Bafang H730 mit 50 Nm: Mehr Schub, Dreigang-Automatik

Im Motor steckt das eigentliche Update. Beim Vorgänger waren es 40 Nm, jetzt sind es 50. Die 25 Prozent mehr Drehmoment merke ich deutlich. Im Sportmodus auf der dritten Stufe fühlt sich das Beschleunigen aus dem Stand so an, als würde das Vorderrad kurz leichter werden. Kein echter Wheelie, aber der Schub ist da.
Die Dreigang-Automatik sitzt direkt im Hinterradmotor. Schalten muss man nicht. Bei etwa 12 km/h legt der Motor den zweiten Gang ein, bei 21 km/h den dritten. Man fährt einfach los und der Rest passiert automatisch. Das ist praktisch, denn es gibt keine Schaltzüge zum Verstellen, keine Öl-Flecken auf der Hose in der Bahn, keine offenliegende Kettenschaltung. Alles ist gekapselt. Zusammen mit dem Carbon-Riemen ist das E-Bike damit entsprechend wartungsarm.
Der Motor des ADO Air 20 Ultra V2026 stammt von Bafang und ist während der Fahrt nicht hörbar. Der Drehmomentsensor reagiert sehr feinfühlig. Wer schon einmal ein günstiges E-Bike mit ruckeligem Anlauf gefahren ist, versteht den Unterschied sofort. Das komplette Antriebssystem ist hervorragend aufeinander abgestimmt.
Hinweis: Manuell schalten geht beim Air 20 Ultra V2026 nicht. Wer am Berg bewusst in einem niedrigen Gang bleiben will, muss seine Geschwindigkeit anpassen – unter etwa 11 km/h fährt der Motor im ersten Gang weiter, dazwischen schaltet er automatisch hoch.
Fahrgefühl: Sanft auf der Geraden, fordernd am Berg

Der Übergang bei 25 km/h ist das, was einige Hersteller herausfordert. Bei ADO funktioniert er sauber. Die Motorunterstützung gleitet sanft aus, kein abruptes Abbrechen. Wer danach weiter in die Pedale tritt, kommt locker auf 30 km/h, ohne dass das Rad einen ausbremst.
In der dritten Unterstützungsstufe und im Sportmodus ist das E-Bike überraschend agil für ein Faltrad. Für die meisten Fahrten reicht jedoch der Eco-Modus allemal. Er geht zudem sparsamer mit dem Akku um, so dass mehr Kilometer aus einer Ladung herauszuholen sind.
Die Sitzposition ist aufrecht, der Lenker in der Höhe verstellbar. Mit meinen 1,85 m sitze ich entspannt auf dem Bike. Über die verstellbare Lenkerhöhe lässt sich die Position aber auch für kleinere Körpergrößen anpassen. Ich kann mir vorstellen, damit ordentlich Kilometer abzuspulen, ohne zu ermüden. Bei größeren Fahrern dürfte das Faltrad dann jedoch eher auf Kosten der Ergonomie gehen.
Am Berg zeigt sich der Kompromiss der Automatik. Will man bewusst in einem niedrigen Gang bleiben, geht das nur über die Geschwindigkeit. Entweder unter 11 km/h bleiben oder kraftvoller treten. Für echte Bergziegen ist das nichts. Für die Stadt und moderate Steigungen reicht es jedoch problemlos.
Die Tektro-Scheibenbremsen greifen hydraulisch sehr harmonisch zu, nicht abrupt. Bei Bremsversuchen aus 25 km/h und sogar bergab bei 40 km/h kam das Rad zuverlässig zum Stehen.
Display, NFC und Bedienung: Schnell entsperrt, schlankes Menü


Am Griff hängt ab Werk eine kleine Karte. Das ist der NFC-Tag, die weitere Neuerung dieser Version. Kurz ans Display halten, und das Rad ist in unter zwei Sekunden angeschaltet. Nochmals dranhalten, und es ist wieder aus. Das geht spürbar schneller als der klassische Einschaltknopf, hat aber noch eine weitere sehr sinnvolle Funktion.
Das E-Bike kann nämlich mit einem PIN-Code versehen werden. Wer das Rad ohne Karte einschalten will, muss den Code am Display eingeben. Mit Karte entfällt das. Wer das Bike kurz vor dem Café abstellt, macht es so in einer Sekunde unbenutzbar. Die Karte kann zum Beispiel am Schlüsselbund befestigt werden und ist so dann immer dabei.
Ein Minuspunkt ist jedoch für mich, dass nur eine Karte beiliegt. Das Display unterstützt dabei bis zu drei. Gerade dieses Faltrad ist prädestiniert für eine Familie. Vom Teenager bis zum Erwachsenen könnten sich mehrere Leute eins teilen. Drei Karten ab Werk hätten nicht die Welt gekostet und würden die Praktikabilität noch verbessern. Aber es gibt noch eine cleverere Alternative, wie sich im Verlauf des Tests zeigen wird.
Die Bedienung am Display ist übersichtlich. Plus und Minus schalten durch die Unterstützungsstufen. Plus lange gedrückt aktiviert die Beleuchtung, Minus lange gedrückt den Schiebemodus für Steigungen. Plus und Minus gleichzeitig öffnet das Menü.
Dort lassen sich Dinge wie die Displayhelligkeit und die automatische Abschaltzeit einstellen, dazu der Wechsel zwischen Eco- und Sportmodus. Praktisch ist auch die Wahl zwischen drei oder fünf Unterstützungsstufen. Bei einem 25-km/h-Pedelec reichen mir allerdings die voreingestellten drei vollkommen aus.
Faltmechanismus: Magnet hält, Pedale überzeugen, Ständer nicht



Das Zusammenfalten ist in weniger als einer Minute gemacht, wenn man es ein paar Mal geübt hat. Pedale umklappen, Sattelstütze ganz nach unten, Lenker kippen, Ständer einklappen, dann das Rad in der Mitte des Rahmens falten. Fertig.
Jetzt kommt die Magnetplatte zum Einsatz, die ich beim Aufbauen am Hinterrad angeschraubt hatte. Sie dockt passgenau an eine zweite Platte an der Vorderradachse an und hält beide Laufräder zusammen. Zusätzlich stützt sich das gefaltete Rad auf den unteren Teil des Akkus.


Dadurch steht es stabil auf drei Punkten, ohne dass es Gefahr läuft, umzukippen. Zum Rollen taugt es im eingeklappten Zustand jedoch nicht, weil sich die Pedale mit den Rädern mitdrehen und verkanten. Aber das Rad ist auch eher für die Bahn oder den Kofferraum gedacht, nicht für den Supermarkt.

Bei den Faltpedalen bin ich begeistert. Man zieht eine kleine Lasche an sich heran, das Pedal klappt ohne Kraftaufwand weg. Eines der besseren Klappsysteme, die ich an einem Faltrad gesehen habe. Beim Vorgänger musste man drücken und schieben. Hier reicht ein Handgriff.
Jetzt der Wermutstropfen, der mich stört. Der Fahrradständer ist exakt derselbe wie beim Vorgänger. Der war bei meinem ersten Testrad damals nach etwa 100 Kilometern unten an der dünnsten Stelle abgebrochen. Ich habe gehofft, ADO hätte hier nachgebessert. Fehlanzeige. Er lässt sich zwar austauschen – aber das sollte der Käufer eigentlich nicht müssen.
App, Smartphone-Entsperrung und MIK-Gepäckträger



Die ADO-App koppelt per Bluetooth nach kurzer Registrierung mit dem Bike. Der wichtigste Nutzen: Mit einem Tipp wechselt man zwischen Eco- und Sportmodus, deutlich komfortabler als der Weg durchs Display-Menü. Dazu gibt es Fahrtstatistiken, eine Kohlendioxideinsparbilanz und die Möglichkeit, alle Display-Einstellungen bequem am Handy vorzunehmen. GPS-Tracking ist nicht eingebaut.
Eine vorgesehene Funktion hätte es mir besonders angetan: Statt eine NFC-Karte ans Display zu halten, ist die Möglichkeit vorgesehen, das Bike per Handy zu entsperren. Dazu gibt es einen Menüpunkt „Bind“, um die NFC-Kennung des Smartphones anzulernen. Auch nach mehreren Versuchen mit einem iPhone hat das bei mir nicht funktioniert. Der Hersteller will hier noch nachbessern und ein Tutorial nachreichen.
ADO gibt bis zu 100 km Reichweite an. Im Alltag komme ich mit gemischter Unterstützung im Eco-Modus realistisch auf rund 70 Kilometer. Wer dauerhaft im Sportmodus fährt, sollte mit etwa 50 Kilometern kalkulieren. Für Pendlerstrecken oder einen ausgedehnten Stadttag reicht das mehr als aus. Aufgeladen ist der 360-Wh-Akku in vier bis sechs Stunden.

Der Gepäckträger ist mit dem MIK-Standard kompatibel. Den hatte der Vorgänger nicht. Damit lassen sich Körbe, Packtaschen und Kindersitze ohne Werkzeug einklicken und abnehmen. Vorhandenes Zubehör mit MIK-Aufsatz lässt sich direkt weiterverwenden. Für den Pendleralltag bedeutet das also: morgens den Kindersitz anbringen und abends die Einkaufstasche.
Auch beim Wasserschutz hat ADO am Akku eine Schippe draufgelegt. Der Standard IPX6 wird nun unterstützt, statt IPX5 wie beim Vorgänger. Getestet habe ich die Wasserfestigkeit bei stärkerem Regen nicht, aber wer das Rad regelmäßig draußen stehen lässt oder bei Schauern pendelt, hat ein bisschen mehr Sicherheit.
Alternativen: Weitere E-Falträder im wattmoves-Test
Das Air 20 Ultra V2026 ist nicht das einzige spannende Faltrad am Markt. Innerhalb der ADO-Familie bleibt der kleinere Bruder ADO Air 20 Pro die naheliegende Alternative – Zweigang-Automatik, kein NFC-System und etwa 1.299 Euro. Wer auf den dritten Gang und die Karte verzichten kann, spart damit richtig.
Wer das V2026-Update nicht zwingend braucht, bekommt das Vorgängermodell ADO Air 20 Ultra V2025 zu reduziertem Preis. Faltmechanismus und Bedienung sind weitgehend identisch, der Motor liefert aber nur 40 Nm und die NFC-Karte fehlt.
Wer noch leichter unterwegs sein will, sollte sich das ADO Air Carbon anschauen. Das Premium-Klapp-E-Bike wiegt nur 12,5 Kilogramm und richtet sich klar an Pendler, die es durch Treppenhäuser tragen müssen oder häufiger die Bahn wechseln.
Eine ganz andere Welt ist das Engwe EP-2 Boost. Dieses faltbare Fatbike mit dicken Reifen ist für Schotter- und Waldwege gemacht. Mit dem urbanen Pendler-Anspruch des Air 20 Ultra hat das wenig zu tun, ist aber für alle interessant, die ihr Faltrad häufiger abseits der Straße bewegen wollen.
Pro & Contra
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ starker 50 Nm-Motor | ⬇ Fahrradständer filigran |
| ⬆ NFC-Karte als Diebstahlschutz | ⬇ nur eine NFC-Karte im Lieferumfang |
| ⬆ Faltmechanismus mit Magnet-Kupplung | ⬇ App bietet wenig Mehrwert |
| ⬆ gute Faltpedale | ⬇ keine manuelle Gangwahl |
| ⬆ sauber integrierte Beleuchtung | |
| ⬆ wartungsarm durch Carbon-Riemen und gekapselte Schaltung | |
| ⬆ MIK-Gepäckträger | |
| ⬆ abschließbare Akku-Sattelstütze | |
| ⬆ Federgabel mit Härteverstellung |
Fazit: ADO Air 20 Ultra V2026 – fast perfekt für 1.799 Euro
Das ADO Air 20 Ultra in der V2026-Version ist ein ausgereiftes E-Faltrad. Stärkerer Motor, NFC-Karte als Diebstahlschutz, integrierte Beleuchtung und MIK-Gepäckträger heben es vom Vorgänger ab, ohne dass der Preis steigt. Wer ein Faltrad für Bahn, Kofferraum oder als flexibles Familienrad sucht und Wert auf niedrigen Wartungsaufwand legt, ist mit dem V2026 gut beraten.
Dass ADO den Fahrradständer nicht angefasst hat, bleibt der eine dicke Wermutstropfen. Ich würde ihn nach dem Kauf gegen ein stabileres Modell tauschen – das sind zehn Minuten Arbeit und keine 30 Euro. Zusammen mit dem wohl bald funktionierenden Entsperren per Smartphone erhält man dann ein gut durchdachtes faltbares E-Bike mit sinnvoller elektronischer Diebstahlfunktion.
Das ADO Air 20 Ultra V2026 ist aktuell für 1.799 Euro direkt bei ADO erhältlich, die UVP liegt bei 1.899 Euro. Es gibt zwei Farben: Das hier getestete Modell Sky Blue und Grey.














