Noch ist es ein Entwicklungsprojekt: Das Dresdner Unternehmen EMEC-Prototyping arbeitet aber intensiv an einem mobilen Prüfstand, der manipulierte E-Bikes bei Kontrollen messbar machen soll. Ab Sommer 2027 könnte das Gerät der Polizei helfen, illegales Tuning schneller und besser zu erkennen.
E-Bike-Tuning: So soll der mobile Prüfstand funktionieren
Der Prüfstand soll nach Angaben von EMEC zusammengepackt etwa so groß wie ein Koffer sein und 20 kg wiegen. Für den Aufbau veranschlagt das Unternehmen ungefähr fünf Minuten. Anschließend soll die Leistung des E-Bikes am Tretlager und an einer Rolle gemessen werden.
Auf unsere Nachfrage hat EMEC-Chef Dr. René Beckert erklärt, dass der Prüfstand nicht nur Leistung erfassen, sondern auch auffälliges Motorverhalten erkennen soll. Dafür kombiniert das System zwei kalibrierbare Messungen mit einer KI-Analyse des Antriebs. Die Abweichung soll nach Angaben Beckerts am Ende unter einem Prozent liegen, belastbare Werte will er aber erst nach der ersten Testreihe nennen.
Die Art des Antriebs spielt laut Beckert grundsätzlich keine Rolle, die erste Version setzt aber noch ein angetriebenes Hinterrad voraus, eine Variante für Frontantrieb ist später geplant.
Wie verbreitet sind zu schnelle E-Bikes eigentlich?
Wie verbreitet das Tuning von E-Bikes in Deutschland insgesamt ist, lässt sich bislang nicht wirklich belastbar beziffern. Eine Studie der TU-Dresden unter 709 Lieferfahrern nennt für Geschwindigkeitstuning eine Größenordnung von 6,8 % und beschreibt solche Eingriffe dennoch als „selten“. Die Hälfte der befragten Fahrer lehnt Tuning ausdrücklich ab, viele haben sich auch nie damit beschäftigt. Die Ergebnisse dieser speziellen Gruppe lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf alle E-Bike-Nutzer in Deutschland übertragen.
Auch Beckert hält die oft genannte Schätzung von 10 Prozent manipulierten Pedelecs für zu hoch. Er vermutet aber, dass manche auffälligen Fahrzeuge bereits verändert eingeführt oder aus Unwissenheit genutzt werden. Belastbare Zahlen dafür gibt es nicht, auch weil oft nicht klar ist wie teilweise beliebte Modelle mit flexibler Geschwindigkeitsgestaltung überhaupt genutzt werden.
Erste Anfragen gibt es – auch von der Polizei?
Nach Angaben des EMEC-Chefs liegen bereits etwa 30 Anfragen aus vier Ländern für seinen Tuning-Prüfstand vor, hauptsächlich aus Deutschland. Auch mit der Polizei Dresden stehe EMEC in engem Kontakt, heißt es. Der Preis für das einsatzbereite Gerät wird vermutlich fünfstellig sein, auch Leasing ist aufgrund knapper Kassen denkbar. Eine konkrete Abnahme hat bislang aber noch keine Polizeibehörde fest zugesagt.
Das Ende für illegales E-Bike-Tuning in Deutschland ist der Prüfstand zumindest kurzfristig wohl nicht. Das Konzept könnte Kontrollen mittelfristig aber vereinfachen und das Entdeckungsrisiko für manipulierte E-Bikes deutlich erhöhen. Wie relevant das Thema ist, zeigt ein Blick ins Nachbarland: die Niederlande hat bereits 2024 etwa 250 Prüfstände eingeführt.
Was passiert, wenn man auffliegt?
Warum solche Kontrollen von Belang sind, zeigt ein Blick auf die rechtlichen Folgen von E-Bike-Tuning. Entscheidend für den rechtlichen Status ist nicht das Ergebnis des Prüfstands allein, sondern die konkrete Manipulation am Fahrzeug: Ein verändertes Pedelec kann seinen Status als Fahrrad verlieren und je nach Umbau als Kraftfahrzeug gelten. Dann spielen unter anderem Betriebserlaubnis, Versicherungsschutz und Fahrerlaubnis eine Rolle, was deutlich über ein Bußgeld hinaus gehen kann.











