Ein Tiefeinsteiger, der nicht nach gemütlicher Stadtrunde, sondern eher nach einem Offroad-Monster aussieht. Das neue Lankeleisi Kett-8 verspricht Komfort mit niedrigem Einstieg. Der Rest des Bikes setzt mit breiten Reifen, Vollfederung und einem kräftigen Heckmotor konsequent auf All-Terrain-Tauglichkeit. Im Ergebnis fährt sich das Kett-8 für 2.199 Euro weniger wie ein klassisches Alltagsrad, eher wie ein Traktor mit sehr viel Kraft.
Das Konzept: Tiefeinsteiger trifft SUV-E-Bike
Das Lankeleisi Kett-8 besetzt eine Nische. Es ist kein typisches City-E-Bike, kein Trekking-E-Bike und auch kein sportliches E-MTB. Die Einordnung als vollgefedertes SUV-E-Bike mit tiefem Einstieg und deutlicher Komfort-Orientierung für schlechte Wege passt hierfür definitiv am besten.
Verarbeitung: hohe Qualität, aber nicht makellos
Optisch macht das Kett-8 einen starken ersten Eindruck. Der Rahmen ist Lankeleisi-typisch sauber gestaltet, die Schweißnähte sind unauffällig und die Gesamtanmutung ist für diese Preisklasse sehr gelungen. Die Rahmengestaltung sowie die Lackierung mit Farbverlauf erinnern außerdem stark an den Verkaufsschlager Lankeleisi MG600 Lite, der mich im Test ebenfalls begeistert hat.
Auch der Aufbau nach der schnellen Lieferung war insgesamt unkompliziert – aber zeitintensiv. Verglichen mit einigen anderen Versandrädern könnte das Lankeleisi noch stärker vormontiert sein.
Ganz frei von Kritik ist der erste Gesamteindruck leider nicht. An meinem Testrad sind schnell Lackmängel an der Schwinge aufgefallen. Ein Teil davon wirkt wie ein Transportschaden. An anderer Stelle sieht es aber aus, als wären kleine Fehler bereits beim Lackieren entstanden, weil an der Stelle Klarlack über den Macken ist. Im Testvideo zum Lankeleisi Kett-8 ist das gut zu sehen.
Hinweis: Nach Rücksprache handelt es sich um die „Macken“, die mit Klarlack überzogen sind, tatsächlich um ein bewusstes Designelement und soll einen „Mud-Splatter“ (Spritzeffekt) darstellen.


Der Rahmen wirkt massiv, der große 960-Wh-Akku sitzt im Unterrohr, der Antrieb ist im Hinterrad untergebracht. Was schnell täuscht: Das Gehäuse im Tretlagerbereich sieht zwar auf den ersten Blick nach Mittelmotor aus, beherbergt aber nur die Steuerungselektronik.

Fahrgefühl und Ausstattung: Komfort ist die größte Stärke
Seine Stärke unterstreicht das Kett-8 vor allem dann, wenn der Untergrund schlechter wird. Trotz oder gerade wegen des leicht brachialen Auftritts mit breiten 3-Zoll-Reifen, Vollfederung und dem hohen Eigengewicht von etwa 35 kg vermittelt das Lankeleisi ein auffallend sicheres und kontrolliertes Fahrgefühl. Feldwege, Waldwege, grober Asphalt, Schotter, Bahngleise und Spurrillen verlieren damit komplett ihren Schrecken.
Dazu trägt auch die für die Preisklasse üppige Ausstattung bei. Schutzbleche aus Stahlblech, Gepäckträger, Lichtanlage und zusätzliche Leuchtelemente mit Blinker am Ausfallende sind standardmäßig verbaut.

Das Lankeleisi Kett-8 ist außerdem mit einem 85 Nm Heckantrieb, hydraulischen 4-Kolben Scheibenbremsen von Zoom und der bewährten Shimano-Altus-Schaltung mit 8 Gängen ausgestattet. Damit ist das Kett-8 nicht nur irgendein übertriebenes Fatbike für Privatgelände, sondern ein recht kompletter Begleiter für Alltag und Tour.


Motor und Sensorik: viel Kraft, zwei Möglichkeiten
Der Heckmotor ist grundsätzlich eins der spannendsten Merkmale des Kett-8. Der extrem kräftige Antrieb vermittelt schon auf den ersten Metern das Gefühl, reichlich Reserven zu haben. Gelistet ist der Motor mit einer Nenndauerleistung von 250 W und einem maximalen Drehmoment von 85 Nm.
Die Spitzenleistung liegt laut Angaben im offiziellen Shop allerdings bei 1.130 W. Im Fahralltag hat das Kett-8 deshalb extrem Power – so viel, dass ich kaum glauben kann, dass der Antrieb im Schnitt nur 250 W Nennleistung abruft.
Besonders praktisch ist auch die umschaltbare Sensorik. Das Bike kann zwischen Drehmoment- und Kadenzsensor wechseln und damit den Charakter deutlich verändern sowie den Einsatzbereich erweitern.
Drehmomentsensor: harmonischer als erwartet
Im Modus mit Drehmomentsensor fährt sich das Kett-8 überraschend ausgewogen. Der Motor reagiert gut auf den eigenen Krafteinsatz, die Unterstützung wirkt natürlich und in den unteren Stufen gut dosierbar.
In den oberen Stufen liefert der Antrieb allerdings selbst so viel Leistung, dass die eigene Kraft kaum noch ins Gewicht fällt. Was günstige Heckantriebe angeht, gehören die Steuerungen von Lankeleisi insgesamt ganz klar zu den Besten am Markt.
Kadenzsensor: maximal bequem
Im Kadenzsensor-Modus ist das Rad maximal bequem und wenig fahrradtypisch. Sobald die Pedale bewegt werden, übernimmt der Motor die Arbeit. Man muss dann eigentlich nur alibimäßig die Pedale bewegen, was dem Fahrgefühl mit Gasgriff gleichkommt.
Bei langen Strecken, viel Zuladung, körperlichen Einschränkungen oder wechselnden Ansprüchen ist die Wahl der Steuerung schlicht und ergreifend extrem sinnvoll – und praktisch.
Bremsen und Schaltung am Kett-8
Bei einem E-Bike mit rund 35 Kilogramm Eigengewicht und viel Motorpower rücken zwangsläufig die Bremsen in den Vordergrund. Die verbauten Vierkolben-Bremsen von Zoom sind dafür gut ausgelegt, packen kräftig zu und bringen das Bike in jeder Situation sicher zum Stehen.
Zwar ist der Druckpunkt am Hebel nicht besonders fein, die Verzögerung in Kombination mit 180-mm-Scheiben aber richtig gut. Zusätzlich ist die Bremsanlage mit Motor-Abschaltung und Bremslicht gekoppelt.
Die 8-Gang-Schaltung aus der Shimano-Altus-Reihe ist zwar kein Highlight, aber eine sinnvolle und solide Wahl. Sie erfüllt ihren Zweck, passt zur Ausrichtung und bietet im kompletten Geschwindigkeitsbereich eine passende Übersetzung für eine angenehme Trittfrequenz.
Fahrwerk: DNM Luftdämpfer mit Lankeleisi Federgabel
Die Federgabel aus eigenem Haus hat 120 mm Federweg und lässt sich bezüglich der Vorspannung anpassen und sperren.
Tatsächlich lässt sich die Federgabel auch ohne Luftkammer recht gut auf das eigene Gewicht einstellen und liefert damit auch eine wirklich brauchbare Performance ab.


Hinten arbeitet sogar ein Luftdämpfer von DNM, der mit einer Dämpferpumpe sehr genau auf das Fahrergewicht abgestimmt werden kann. Das Fahrwerk ist insgesamt nicht luxuriös, für diese Preisklasse aber stimmig und funktional.
Zusätzlicher Komfort lässt sich außerdem über den Reifendruck erreichen. Mit etwas weniger Druck spürt man Schläge auf Schotter, Wald- und Feldwegen kaum noch. Für harte Trails ist das Rad trotzdem nicht gedacht. Die Stärken liegen eher in der gleichgültigen Kenntnisnahme von schlechten Fahrradwegen.
Alltag und Ergonomie: bequem beim Aufsteigen, sperrig beim Handling
Der tiefe Einstieg ist ein Vorteil in vielerlei Hinsicht, ohne auf Stabilität zu verzichten. Die zusätzliche Querstrebe zwischen Unter- und Sattelrohr sorgt trotz der massiven Gestaltung für ausreichende Steifigkeit.

Das hohe Gewicht dominiert allerdings auch die Handhabung im Alltag. Ganz ehrlich: Das Kett-8 ist für Kellertreppen, enge Hausflure oder häufiges Heben keine gute Idee.
Ein kleines No-Go ist aus meiner Sicht die serienmäßige Sattelstütze. Auch bei einem eigentlich guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist sie viel zu kurz für den europäischen Markt. Selbst bei 1,80 Meter Körpergröße ist eine halbwegs passable Beinstreckung nicht möglich. Für Personen ab 1,75 m ist ein Austausch der Sattelstütze daher praktisch Pflicht.
Für eine angenehme Körperhaltung lässt sich die Sitzposition dann mit einem verstellbaren Vorbau individuell anpassen. Auch das passt gut zum Komfortanspruch des Kett-8 und wirkt an dieser Stelle durchdacht.

Bedienung am Kett-8 ist einfach und unkompliziert
Die Bedienung des Bikes über Display und Remote-Einheit ist grundsätzlich einfach gehalten und schnell verstanden. Es gibt insgesamt fünf Unterstützungsstufen, klassische Plus-Minus-Tasten, einen separaten Power-Button sowie Tasten für Blinker und Hupe.

Die Blinkfunktion lässt sich im Test sauber bedienen, die Tasten sind aber genau wie beim Lankeleisi MG600 Lite (Test) nicht für jeden sinnvoll angeordnet.
Da die Tasten für das Wechseln der Unterstützungsstufe rechts neben den Blinkern liegen, kann es durchaus passieren, dass man beim Wechseln den Blinker mit erwischt. Für mich kein großes Problem, da das Kett-8 prinzipiell kein sportliches E-Bike ist, bei dem man ständig die Unterstützung wechselt.
960 Wh und 150 km: Wie hoch ist die Reichweite wirklich?
Im Test war das Kett-8 erwartungsgemäß ziemlich energieintensiv unterwegs. Hochgerechnet mit dem ungefähren Verbrauch pro km wäre ich hier nur etwa 70 km weit gekommen. Der Grund dafür ist, dass ich während des Tests nahezu keine eigene Kraft aufgewendet habe und auf einem abgelegenen Feldweg natürlich auch kurz die Freischaltung oberhalb von 25 km/h testen musste.
Im Ergebnis macht der riesige Akku also kein Reichweitenwunder aus dem Kett-8, sondern ist einfach ausreichend dimensioniert. Wer im Drehmoment-Modus in den unteren Stufen unterwegs ist, kommt deutlich weiter. Mein Test passt jedenfalls ziemlich gut zur Angabe von Lankeleisi selbst, die für das Fahren in Stufe 5 auf ihrer Website ebenfalls 70 km kommunizieren.
Rechtlicher Realitätscheck: 50 km/h am Testrad
Für Lankeleisi typisch lässt sich im versteckten Untermenü einiges einstellen – inklusive einer unterstützten Endgeschwindigkeit bis 50 km/h. In meinem Fall war das Testrad im Auslieferungszustand nämlich genau so konfiguriert. Laut Lankeleisi ist das allerdings nicht der Standard für Serienmodelle. Diese werden in einer gesetzeskonformen Konfiguration für den Straßenverkehr ausgeliefert.
Damit gilt es in Deutschland natürlich nicht mehr als Pedelec und darf auf öffentlichen Straßen und Wegen nicht gefahren werden. Wer das Kett-8 legal im Straßenverkehr nutzen möchte, sollte mindestens sicherstellen, dass das Rad korrekt auf 25 km/h konfiguriert ist.
Zusätzlich ist auch eine elektrische Hupe in der Frontleuchte verbaut. Wer Pech hat, erhält in der Regel eine Verwarnung von 15 Euro. Eine Klingel gehört als StVZO Ausstattung ebenfalls zum Lieferumfang.
Für wen eignet sich das Lankeleisi Kett-8?
Das Kett-8 passt grundsätzlich zu Fahrern, die einen tiefen Einstieg bevorzugen, aber deutlich mehr Reserven in allen Bereichen als bei einem klassischen City-E-Bike zu schätzen wissen. Seine Stärken spielt das SUV-E-Bike besonders auf Feldwegen, Waldwegen und allgemein schlechten Untergründen aus, auf denen Komfort, Traktion und ein gutes Fahrwerk zählen.
Spannend ist das Bike auch für alle, die je nach Tagesform zwischen harmonischer Unterstützung per Drehmomentsensor und besonders bequemer Unterstützung per Kadenzsensor wechseln möchten. Wer es etwas dezenter mag, kann hierfür aber auch das Lankeleisi MG600 Lite in Betracht ziehen, welches die gleiche Funktionalität bietet.
Weniger passend ist das Kett-8 dagegen für alle, die ein leichtes, agiles und unauffälliges E-Bike suchen oder ihr Rad regelmäßig tragen müssen. Aber das erklärt das Kett-8 durch seine gesamte Aufmachung eigentlich von selbst.
Pro und Contra
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ extrem hoher Fahrkomfort | ⬇ rund 35 kg Gewicht |
| ⬆ kräftiger Heckantrieb | ⬇ Sattelstütze zu kurz |
| ⬆ Umschaltsensorik | ⬇ Lackfehler bei Testmodell |
| ⬆ umfangreiche Ausstattung | |
| ⬆ tiefer Einstieg |
Fazit
Das Lankeleisi Kett-8 ist ein ungewöhnliches, aber reizvolles E-Bike. Es kombiniert tiefen Einstieg, Vollfederung, breite Reifen und einen sehr kräftigen Heckmotor zu einem überraschend komfortablen Gesamtpaket. Vor allem auf schlechten Wegen überzeugt das Kett-8 und ist deutlich souveräner unterwegs, als man es in dieser Preisklasse erwarten würde.
Gleichzeitig begrenzt das hohe Gewicht die Alltagstauglichkeit spürbar. Auch die serienmäßige Sattelstütze passt nicht gut zu größeren Fahrern. Zudem muss die rechtliche Konfiguration vor dem Einsatz sorgfältig geprüft werden. Wer diese Punkte nicht ausblendet und genau dieses Einsatzprofil sucht, bekommt mit dem Kett-8 ein qualitativ hochwertiges und charakterstarkes SUV-E-Bike mit extrem viel Fahrspaß für 2.199 Euro direkt beim Hersteller. Mit dem Rabattcode wattmoves100 reduziert sich der Preis im Shop um 100 Euro.














