Auf Bildern wirkt das Lankeleisi MG600 Pro fast wie ein günstiges Race- oder Downhill-Bike. In der Praxis fährt es sich aber deutlich ziviler. Genau das macht es spannend: Hinter der auffälligen Optik steckt kein Blender, sondern ein extrem komfortables, kräftiges E-Fully für Touren, Alltag und leichte Trails. Die größte Überraschung ist dabei weder der Look noch der große Akku. Heraus sticht vor allem das für diese Preisklasse überaus stimmige Luftfahrwerk.
Warum das MG600 Pro so interessant ist
Ein günstiges E-Fully zu bauen, können mittlerweile einige chinesische Hersteller, wie zum Beispiel Vakole mit dem EMT29 12S. Ein günstiges E-Fully zu bauen, das sich nicht nach Kompromiss anfühlt, ist aber deutlich anspruchsvoller. Nicht nur, dass Lankeleisi gefühlt im Wochentakt neue E-Bikes vorstellt, bisher haben im Test auch alle gut abgeschnitten. Der SUV-Tiefeinsteiger MG600 Lite hat sich zu einem echten Verkaufsschlager entwickelt, das Kett-8 ist vor allem für diejenigen interessant, die maximalen Komfort mit breiten Reifen suchen.
Auch das Lankeleisi MG600 Pro setzt ein schier unglaubliches Preis-Leistungsverhältnis fort – und begeistert mich im Test. Denn das Bike kostet unter 2.000 Euro. Dafür gibt es ein vollgefedertes E-Mountainbike mit 960-Wh-Akku, Luftfahrwerk, Vierkolbenbremsen, Maxxis-Reifen und einer für Lankeleisi typischen, umfangreichen Alltagsausstattung wie Blinker, Beleuchtung mit Bremslicht und einer variablen Motorsteuerung.
Eine Erwartung will ich dennoch vorwegnehmen: Das MG600 Pro ist kein günstiges Enduro und kein Bikepark-Schnäppchen. Es ist eher ein komfortables Touren-Fully mit kräftigem Motor, guter Reichweite und Reserven für Waldwege, Schotter, schlechte Straßen und leichte Trails.
Erster Eindruck: stabiles Fully für kleines Geld
Das MG600 Pro macht direkt Eindruck. Der Rahmen wirkt beim Auspacken auf mich komfortorientierter, als es die Produktbilder auf der Website vermuten lassen. Der Stack fällt relativ hoch aus, die Sitzposition ist eher gemäßigt und weniger aggressiv-sportlich. Das freut mich, denn darin liegt der Schlüssel dafür, weshalb dieses Bike eine echte Empfehlung ist und kein Kompromiss aus guter Technik und schlechter Geometrie. Doch eins nach dem anderen.



Verarbeitung auch beim MG600 Pro gewohnt hochwertig
Genau wie bei anderen Lankeleisi-Bikes, die wir mit dem MG600 Lite oder dem Kett-8 schon im Test hatten, schafft es Lankeleisi auch beim MG600 Pro, das Bike deutlich hochwertiger wirken zu lassen, als es der Preis vermuten lässt. Die Lackierung macht einen sauberen Eindruck, der Rahmen ist hochwertig geschweißt und auch optisch wirkt das Rad keinesfalls billig.
Viele Komponenten sind bereits von anderen Modellen der Marke bekannt. Schaltung, Schalthebel, Bremsanlage, Display und Remote wirken auf mich vertraut, funktional und liefern im Gesamtpaket ab.




Bremsen
Auch beim MG600 Pro sind hydraulische Vierkolben-Scheibenbremsen von Zoom verbaut. Für ein eher schweres E-Bike ist das genau die richtige Ausstattung, zu diesem Preis aber nicht selbstverständlich. Für Touren, Alltag und leichte Trails liefert die Bremsanlage zuverlässige und gute Verzögerung.
Reifen
Die Maxxis-Bereifung der Rekon-Serie ist in dieser Preisklasse ebenfalls ein gutes Signal. Die Bereifung ist ein guter Kompromiss aus Alltag und Trail, bietet dafür einen guten Grip, kommt aber in Kurven bei Matsch und harten Bedingungen im Wald an Grenzen.

Licht, Blinker, Bremslicht und Hupe
Typisch Lankeleisi ist auch die umfangreiche Signalausstattung. In den Ausfallenden sind Rücklicht, Bremslicht, Blinker und Warnblinkfunktion integriert, vorne ist ein Scheinwerfer verbaut. Im Gegensatz zu verwandten Lankeleisi-Modellen sitzt die Frontleuchte hier an der Gabel statt direkt am Lenker. Funktional macht das keinen Unterschied, optisch hätte mir die Cockpit-Lösung aber noch besser gefallen.


Links am Lenker sitzt die Remote-Einheit für Unterstützungsstufen, Blinker und weitere Funktionen. Das Display ist mittig integriert und bietet die wichtigsten Informationen, spiegelt in direkter Sonne aber etwas. Die Bedienung der fünf Unterstützungsstufen ist einfach, auch der Wechsel zwischen Drehmoment- und Trittfrequenzmodus gelingt mit nur einem Tastendruck. Wie gut das funktioniert, zeigt übrigens auch unser Testvideo.

Wichtig bezüglich StVZO: Am Lankeleisi MG600 Pro ist eine Hupe verbaut. Auch ein Gashebel wird mitgeliefert. Beides ist technisch interessant, im deutschen Straßenverkehr aber nicht zulässig. Der Gashebel kann montiert oder weggelassen werden.
Kleine Alltagsdetails
Zum Lieferumfang gehört darüber hinaus noch ein einfacher Satz Schmutzfänger. Das ist besser als nichts, ersetzt aber keine gute Schutzblechlösung für regelmäßige Alltagsfahrten bei schlechtem Wetter.
Fahrwerk: Luftfederung mit echtem Praxisvorteil
Das auffälligste Merkmal des MG600 Pro ist das wirklich erwachsene Luftfahrwerk. Vorn arbeitet eine Lankeleisi-gebrandete Luftgabel, hinten ein DNM-Luftdämpfer. Damit stehen am Testbike 150 mm Federweg vorne und 130 mm hinten zur Verfügung.


In dieser Preisklasse ist das fast schon ein Novum. Schon oft habe ich einfache Federgabeln oder Hinterbauten gesehen, die zwar nach Fully aussehen, in der Praxis aber wenig überzeugen. Beim MG600 Pro ist das wirklich anders. Nach etwas Einstellarbeit mit der Dämpferpumpe lässt sich das Fahrwerk sinnvoll auf das eigene Körpergewicht anpassen, was in der Praxis den größten Unterschied zu einfachen Stahl- oder Hydrauliksystemen darstellt.
Im Test auf Waldwegen und kleinen Trails arbeitet das System ziemlich harmonisch. Gabel und Dämpfer sind gut aufeinander abgestimmt, das Bike verhält sich auf ruppigem Untergrund angenehm und hält sauber Kontakt zum Boden. Auf Waldwegen, Wurzelpassagen, ausgewaschenen Wegen und schlechten Straßen macht das MG600 Pro schlicht richtig Spaß.
Außerdem bieten Federgabel sowie Dämpfer auch Einstellmöglichkeiten für die Zugstufe. Weniger überzeugend ist aber die Dokumentation. Wo am Dämpfer noch ersichtlich ist, in welche Richtung schneller oder langsamer eingestellt wird, fehlt an der Federgabel eine Orientierung. Wer gerne noch feiner abstimmt, muss sich hier also selbst etwas einarbeiten.
Antrieb und Fahrgefühl: Wie fährt sich das MG600 Pro?
Der Motor des 48-V-Systems sitzt im Hinterrad und leistet dauerhaft 250 W, bis zu 750 W in der Spitze und entwickelt ein Drehmoment von bis zu 65 Nm. Was am Tretlager optisch wie ein Mittelmotor aussieht, beherbergt lediglich die Steuerelektronik.

Bei der Steuerung punktet das MG600 Pro mit einer ungewöhnlichen Funktion, die ich mittlerweile wirklich lieben gelernt habe und in vielen Situationen für sinnvoll halte: Das Ansprechverhalten lässt sich zwischen Trittfrequenzsensor und Drehmomentsensor umschalten.
Im Drehmomentsensor-Modus wirkt die Unterstützung natürlich und kontrolliert. Das Bike orientiert sich hier am eigenen Krafteinsatz und passt gut zu Touren, wechselndem Untergrund und einem eher aktiven Fahrstil.
Im Trittfrequenzmodus reicht dagegen lockeres Kurbeln, damit der Motor anschiebt. Das ist weniger sportlich, aber komfortabel. Wer entspannt rollen möchte, im Alltag möglichst wenig Kraft einsetzen oder das Bike wie mit einem Daumengashebel fahren will, bekommt hiermit die Möglichkeit.
Wie kräftig ist der Motor?
An normalen Anstiegen hat das MG600 Pro ordentlich Schub. Schon in niedrigen Unterstützungsstufen entwickelt der Antrieb spürbar Kraft, schiebt dynamisch an und lässt mich in Stufe zwei einen Anstieg mit 25 km/h hochradeln. An sehr steilen Steigungen, mit zusätzlich losem Untergrund oder dort, wo es langsam und technisch wird, kommt das System jedoch bauartbedingt an seine Grenzen – hier spielt ein guter Mittelmotor seine Vorteile aus.
Für den angedachten Einsatzbereich des MG600 Pro ist der Heckmotor aber passend und völlig ausreichend: kräftig, unkompliziert und alltagsnah.
Akku und Reichweite: Viel Reserve, aber kein Leichtgewicht
Der Akku sitzt im Unterrohr, bietet eine Kapazität von 960 Wh und kann nach unten entnommen werden. Das funktioniert grundsätzlich gut, ist im Alltag aber nicht so bequem wie eine seitliche oder obere Entnahme. Damit der Akku nicht direkt aus dem Schloss fällt, gibt es aber noch eine zusätzliche Sicherung.

Im Test zeigt sich der große Energiespeicher als klare Stärke. Nach knapp 30 gefahrenen Kilometern hat sich die Akkustandsanzeige von unserem vorher voll geladenen Akku noch nicht sichtbar bewegt. Die Restkapazität wird allerdings statt einer aussagekräftigeren Anzeige in Prozent auch nur in Balken dargestellt.
Mein Test liefert damit zwar keine belastbare Reichweitenmessung, spricht aber für viel Reserve. Eine Reichweite um 100 km erscheint mir bei moderater Unterstützung und gemischtem Toureneinsatz durchaus plausibel, bleibt am Ende aber wie immer von Fahrergewicht, Gelände und Unterstützungsstufe abhängig.
Das robuste Konzept zieht allerdings auch ein eher hohes Gewicht nach sich. Mit rund 30 kg ist das MG600 Pro kein leichtes E-MTB. Beim Fahren fällt das dank der leistungsfähigen Unterstützung kaum auf, beim Rangieren, Verladen oder Treppenheben dagegen schon.
Geometrie und Ergonomie: Sattelstütze wieder zu kurz
So überzeugend das MG600 Pro insgesamt auftritt, so sichtbar werden an anderen Stellen die fehlenden letzten 10 Prozent. Denn auch hier ist, wie bei etlichen anderen chinesischen E-Bikes, die Sattelstütze zu kurz.
Schon bei 1,80 m Körpergröße musste ich die Stütze über die Maximalmarkierung ausziehen, um eine halbwegs passende Beinstreckung zu erreichen. Dass das keine Dauerlösung ist, sollte klar sein. Positiv an dieser Nummer: Das Problem lässt sich mit einer längeren Sattelstütze verhältnismäßig einfach und auch günstig beheben.
Auch am Cockpit gibt es noch Spielraum. Der verbaute Vorbau hat 50 mm, liegt damit im mittleren Bereich und kann je nach Körpergröße und gewünschter Sitzposition gegen ein kürzeres oder längeres Modell getauscht werden. Dafür muss man übrigens nicht zum Fahrradladen, sondern das kann jeder zuhause selbst erledigen. Das MG600 Pro ist also nicht für jeden perfekt direkt aus der Kiste, bietet aber eine gute Basis für kostengünstige Anpassungen.
Welche echten Schwächen bringt das MG600 Pro mit?
Mir fällt es nach der Testfahrt mit dem MG600 Pro tatsächlich schwer, bei diesem Bike echte und strukturelle Schwächen zu definieren. Denn bei vielem, was man hier kritisieren könnte, würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Und das wäre unfair. Ein 1.900-Euro-E-Bike kann keine 9.000 Euro High-End-Maschine ersetzen.
Das Lankeleisi MG600 Pro wird per Direktvertrieb über einen chinesischen Händler verkauft – und ist darüber auch exklusiv erhältlich. Garantie, Rücknahme, langfristige Ersatzteilversorgung liegen damit erfahrungsgemäß nicht auf Bosch-Niveau. Für sportliche Geländefahrten würde mir noch eine absenkbare Sattelstütze fehlen, die sich aber ebenfalls mit etwas Geschick nachrüsten lässt.
Im Alltag bietet der Seitenständer absoluten Mehrwert, im Gelände kann er jedoch stören und klappern. Auch das ist jedoch weniger eine Schwäche und mehr eine Beobachtung. Ansonsten muss ich klar sagen, dass mich das MG600 Pro in fast allen Bereichen überzeugt – das nervige Dauerthema mit der zu kurzen Sattelstütze mal ausgeklammert.

Einsatzbereich: Wo glänzt das MG600 Pro – und wo nicht
Seine Stärken spielt das MG600 Pro vor allem dort aus, wo Komfort und Reichweite wichtiger sind als maximale Sportlichkeit. Schlechte Radwege, Schotter, Waldwege, Kopfsteinpflaster und einfache Singletrails liegen dem Bike richtig gut. Hier profitieren Fahrer von der aufrechten Position, dem kräftigen Motor, dem großen Akku und dem guten Fahrwerk.
Die Grenzen sind aber klar. Trotz des auffälligen Looks und des üppigen Federwegs ist das MG600 Pro kein hartes Trailbike. Für Bikepark, grobe Enduro-Strecken, Sprünge oder dauerhaft sehr harten Einsatz ist es nicht die richtige Wahl. Dazu fehlt für mich die letzte Geometrie-Feinabstimmung, eine serienmäßige Dropper-Post und auch die typische Händlerstruktur eines etablierten Filialnetzes.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ enorm starkes Preis-Leistungsverhältnis | ⬇ kein echtes Trailbike für den Bikepark |
| ⬆ Luftfahrwerk mit toller Abstimmung | ⬇ Sattelstütze zu kurz |
| ⬆ hochwertige Verarbeitung | ⬇ rund 30 kg Gewicht |
| ⬆ hoher Fahrkomfort | |
| ⬆ großer 960-Wh-Akku | |
| ⬆ umfangreiche Ausstattung | |
| ⬆ 150 kg zulässiges Gesamtgewicht |
Sollte ich das Lankeleisi MG600 Pro kaufen?
Das Lankeleisi MG600 Pro sieht wilder aus, als es ist und ist trotzdem kein Blender. Vor allem das richtig gute Luftfahrwerk hebt dieses E-Fully in seiner Preisklasse deutlich hervor. Es sorgt für echten Komfort, lässt sich sinnvoll anpassen und macht das Bike auf ruppigen Wegen viel besser, als man es bei einem so günstigen E-Fully erwarten würde.
Hinzu kommt die sinnvolle Sensorwahl und eine für den Preis umfangreiche und passende Ausstattung. Die Schwächen sind trotzdem klar: hohes Gewicht, kleine Ergonomie-Nacharbeiten und ein Einsatzbereich, der eher bei Touren und leichten Trails als im harten Gelände liegt.
Wer genau so ein Bike sucht, bekommt mit dem Lankeleisi MG600 Pro die spannendste Option in dieser Klasse: ein stark ausgestattetes, komfortables und erstaunlich stimmiges E-MTB für Alltag, Schotter, Waldwege und entspannte Trail-Runden. Das Lankeleisi MG600 Pro ist eine absolute Empfehlung und mit dem Rabattcode BBGEBIKE noch zwei Tage zum Sonderpreis von etwa 1.745 Euro im BuyBestGear Onlineshop erhältlich.











