Das Engwe E26 3.0 Pro ist kein E-Bike, das mit Eleganz punktet. Es wirkt wuchtig, breit und eher nach maximalem SUV-Auftritt als nach dezentem Tiefeinsteiger. Umso größer ist die Überraschung auf der ersten richtigen Fahrt: Dieses Bike fährt deutlich besser, als es zunächst den Anschein macht. Ein gut ausgewogener Mivice Mittelmotor mit 100 Nm und ein Preis von unter 2.000 Euro sprechen außerdem für sich.
Wie positioniert sich das Engwe E26 3.0 Pro
Das E26 3.0 Pro zielt klar auf das aktuell beliebte Segment der E-SUV-Bikes: viel Ausstattung, möglichst niedrige Einstiegshürde, breite Reifen, Vollfederung und maximaler Komfort. Dazu kommen alltagsrelevante Extras wie Gepäckträger, Lichtanlage, Schutzbleche, Seitenständer und Smart-Funktionen.
Spannend wird das Rad aber nicht wegen der umfangreichen Ausstattung allein. Interessant ist es vor allem, weil das Konzept im Alltag funktioniert. Hier scheitern nämlich viele günstige E-SUV-Bikes: Sie sehen imposant aus, versprechen einen guten Preis, kommen aber oft in rechtlichen Grauzonen mit hoffnungslos überdimensionierten Antrieben. Beim Engwe ist es eher umgekehrt. Die Details sind nicht überall sauber gelöst, das Fahrgefühl ist aber überraschend stark.
Antrieb im Test: Der Mittelmotor trägt das Bike
Die Antriebseinheit bildet der Mivice-Mittelmotor X700. Das 48-V-System mit 100 Nm klingt schon auf dem Datenblatt kräftig und fühlt sich im Fahrbetrieb auch genau so an. Ehrlich gesagt war die Performance des Motors im Test eine Offenbarung.

Besonders positiv fällt dabei die Abstimmung auf. Der Motor setzt nicht unangenehm ruppig ein, reagiert aber direkt genug, um dem Rad eine sehr lebendige Note zu geben. Er liefert genau das, was es braucht, damit sich ein 34 kg schweres E-Bike extrem sportlich anfühlt.
Gerade auf Waldwegen und leicht wechselndem Untergrund entsteht so ein Fahrgefühl, das für diese Preisklasse schlicht überragend ist und den großen Herstellern in kaum etwas nachsteht. Das Bike beschleunigt zügig, baut schnell Tempo auf und bleibt jederzeit gut kontrollierbar.
Ein Blick auf das Display, welches auch aktuelle Leistungswerte in Echtzeit ausgibt, bestätigt mit Spitzenwerten bis zu 850 Watt im Test meinen Eindruck. Das E26 3.0 Pro hat ordentlich Kraft und macht schnell Spaß. Das schwere und vollgefederte E-SUV profitiert davon enorm, da es überhaupt nicht träge wirkt – ganz im Gegenteil, wie das Testvideo beweist.
Die fünf Unterstützungsstufen bieten für jede Situation die passende Unterstützung. Im Test habe ich in der höchsten Stufe an einer Steigung mit etwa 10 % mit 25 km/h einen Bus überholt. An Power mangelt es dem Engwe E26 3.0 Pro also nicht. Der Motor hat mich zu jeder Sekunde im Test voll überzeugt.
Fahrwerk und Reifen: Komfort auch ohne Markenware
Das Engwe E26 3.0 Pro protzt nicht mit Markenware. Gerade das Fahrwerk wirkt nicht sonderlich spektakulär. Vorne arbeitet eine Federgabel mit 80 mm Federweg, hinten ein Luftdämpfer von Meroca. Tatsächlich habe ich hier aufgrund der eher günstigen OEM-Ware nicht viel erwartet.
In der Praxis ist das Fahrwerk aber mehr als nur eine dekorative Vollfederung und trägt spürbar zum gelungenen Gesamteindruck bei. Unebenheiten werden sauber entschärft und das Fahrgefühl ist angenehm kontrolliert.


Gerade für Feldwege, Schotter und Waldpassagen passt die Abstimmung sehr gut. Das Bike fährt stabil, vermittelt Sicherheit und rollt mit angenehmer Ruhe über schlechten Untergrund.
Zusätzlich können die breiten 26-Zoll-Reifen noch für weiteren Komfort sorgen. Über den Reifendruck kann das Fahrgefühl weicher oder direkter werden. Wer Traktion, Ruhe und Gelassenheit im Alltag und auf schlechteren Wegen schätzt, bekommt mit dem Engwe E26 3.0 Pro ein wirklich stimmiges E-SUV.
Ausstattung und Alltagstauglichkeit
Neben Vollfederung und einem Mittelmotor bietet das E26 3.0 Pro einen entnehmbaren 720-Wh-Akku, hydraulische Scheibenbremsen, eine Shimano-Altus-Schaltung mit 8 Gängen, ein großes Display, Schutzbleche, Lichtanlage, Gepäckträger und eine Aufnahme für Frontzubehör.




Der Akku wird nach oben entnommen, was sich im Alltag ebenfalls als praktisch herausstellt. Solche Lösungen sind aus meiner Sicht angenehmer als nach unten entnehmbare Akkus, die beim Herausziehen zusätzlich gesichert werden müssen.

Das Display sitzt zentral auf dem Lenker und zeigt die wichtigsten Fahrdaten übersichtlich an. Bedient wird es über eine Remote am linken Lenkerende. Das Cockpit könnte wegen zwei zu langen Kabeln optisch etwas aufgeräumter sein, funktional gibt es aber wenig Anlass zur Kritik.


Die Shimano-Altus-Schaltung passt generell gut zum Einsatzzweck und bietet eine ausreichende Übersetzungsbandbreite. Sie kommt aus dem Einsteigerbereich, wirkt für dieses Konzept aber vernünftig gewählt. Auch die hydraulischen Scheibenbremsen hinterlassen einen ordentlichen Eindruck, obwohl am Testrad keine Markenkennzeichnung zu sehen ist.
Smart-Funktionen: Alarm und Tracking als echtes Plus
Echten Mehrwert bietet zu diesem Preis die App samt Smart-Modul. Das Engwe E26 3.0 Pro bietet nämlich eine echte Alarmfunktion sowie integriertes Tracking. Es ist das gleiche Modul verbaut, das auch im sportlichen Engwe N1 Air (Test) steckt.

Die Alarmfunktion funktionierte im Test zuverlässig, sobald man das Bike anrempelt oder bewegt. Falls im engen Fahrradkeller viel los ist, dort der Alarm ständig losgeht und man das nicht möchte, lässt sich die Funktion in der App aber auch abschalten. Das Tracking funktioniert ebenfalls sehr genau.


Was nicht geklappt hat, war wie schon im Test des N1 Air die vorgesehene Entsperrung per Smartphone. Vielleicht liegt das aber an einer Kombination aus meiner Ungeduld und der teilweise schlecht und missverständlich übersetzten App. Der Smart-Service kostet 39,99 Euro pro Jahr und ist in der App via Zahlung per Paypal verlängerbar.
Gepäckträger: Praktisch, aber präsent
Der massive Gepäckträger passt sinnbildlich zum Look des Bikes. Er ist auffällig, robust und trägt das übliche Gewicht von 25 kg. Für meinen persönlichen Geschmack wirkt er etwas zu wuchtig und könnte in einer filigraneren Ausführung dem E26 3.0 Pro einen eleganteren Touch verleihen. Wer das robuste SUV-Konzept mag, dürfte sich daran nicht stören.

Sitzposition & Geometrie
Die Sitzposition passt grundsätzlich zum Tiefeinsteiger-Konzept. Man sitzt komfortabel und relativ aufrecht. Ein verstellbarer Vorbau hilft bei der individuellen Anpassung.

Bei einer Körpergröße von 1,80 Meter war die Sattelstütze im Test aber schon fast bis zur Grenze ausgefahren. Größere Fahrer sollten sich daher bei einer positiven Kaufentscheidung eine längere Sattelstütze besorgen. Dann sollten Fahrer bis maximal 1,90 m auf dem E26 3.0 Pro zurechtkommen. Nach unten bietet das Bike größeren Spielraum.
Schwächen im Detail: Hier ist das E26 3.0 Pro noch nicht ganz ausgereift
Das E26 3.0 Pro kam für meinen Test gut verpackt und unbeschädigt an. Für den Aufbau liegt rudimentäres Werkzeug bei. Sogar zwei Sätze Ersatzbremsbeläge werden mitgeliefert, was ein sinnvolles und gemessen am Preis nettes Detail ist.
Der Aufbau selbst war allerdings unnötig nervig, weil die Anleitung an entscheidenden Stellen wenig weiterhilft. Das gilt in erster Linie für die Vorderradmontage. Die Achse braucht verschiedene Distanzhülsen für die korrekte Position, damit die Ausrichtung von Rad, Bremsscheibe und Bremssattel passt.
Als Beispiel zeigt die Anleitung hier zwei Distanzhülsen auf der Achse, während eigentlich nur eine benötigt wird. So muss man selbst probieren, wie die Anordnung auf der Achse sein muss, was bei den schweren Komponenten nicht viel Spaß macht.
Noch nerviger war die Montage der Frontleuchte. Die Lampe sitzt am Ende kopfüber und sieht so irgendwie nicht richtig aus. Zudem konnte sie nur mit zusätzlicher Unterlegscheibe in der Halterung so geklemmt werden, damit sie fest ist und nicht rutscht. Insgesamt wirkte diese Lösung nicht vollständig zu Ende gedacht. Ob das ein generelles Thema oder ob ich hierbei etwas übersehen habe, bleibt offen.

Verbaut ist außerdem eine Hupe. Für den Straßenverkehr in Deutschland ist das in dieser Form am Fahrrad laut StVZO nicht erlaubt. Wer erwischt wird, muss mit einem Verwarngeld in Höhe von 15 Euro rechnen.
Davon abgesehen ist das Engwe E26 3.0 Pro völlig legal und ordentlich gekennzeichnet. Es gibt keine versteckten Untermenüs und die Unterstützung endet bei 25 km/h.

Verarbeitung: Solider Rahmen, gemischter Eindruck im Detail
Der Rahmen selbst hinterlässt insgesamt einen guten Eindruck. Die meisten Schweißnähte sind sauber verschliffen und die Grundanmutung ist hochwertig. Ich spreche hier bewusst nicht mehr davon, dass man das in dieser Preisklasse nicht unbedingt erwarten würde, da viele chinesische Hersteller schon lange ein sehr gutes Qualitätsniveau bieten. Auch Engwe hat das mit seinen letzten Modellen schon gezeigt.
Lediglich bei der Lackierung, beziehungsweise der Beschichtung hatte ich an meinem Testrad ein paar unterschiedliche Stellen. Im Bereich vom Steuerrohr war es etwas matter als am Rest des Bikes. Ob das so gewollt ist oder auf einen Produktionsunterschied hindeutet? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen.


Verbrauch und Reichweite: effizientes System mit soliden Werten
Auf meiner Testrunde in unterschiedlichen Unterstützungsstufen lag der Verbrauch nach pauschalem Abzug von Ladeverlusten bei etwa 10 Wh pro Kilometer. Nach rund 20 Kilometern zeigte das Display noch 84 Prozent Restkapazität an.
Das sind für ein E-Bike mit breiten Reifen, Vollfederung und kräftigem Mittelmotor ordentliche Werte und deuten auf ein eher effizientes Motorsystem hin. Eine belastbare Reichweitenaussage lässt sich daraus aber nicht ableiten, weil Faktoren wie Fahrergewicht, Unterstützungsstufe, Temperatur, Untergrund und Höhenprofil den Verbrauch stark beeinflussen.
Mit 720 Wh Akkukapazität ist das E26 3.0 Pro für Alltag und Freizeitrunden aber grundsätzlich gut aufgestellt. In meinem Test, bei dem ich sehr viel Spaß in den höheren Stufen hatte, wäre ich vermutlich in etwa 70 km weit gekommen.
Preis-Leistung: Starkes Konzept mit Kompromissen
Mit dem Engwe E26 3.0 Pro bekommt man ein vollgefedertes E-SUV mit tiefem Einstieg, Mittelmotor, großem Akku, breiten Reifen, Gepäckträger, hydraulischen Bremsen und Smart-Funktionen. Vor allem aber liefert Engwe ein Bike, das im Fahrbetrieb positiv überrascht.
Das E26 3.0 Pro passt damit zu Menschen, die ein komfortables, kräftiges und vielseitiges E-Bike für Stadt, Pendelstrecke, Feldwege und Waldwege mit toller Abstimmung suchen. Kleine Improvisationen bei Montagequalität und Detaillösungen muss man dafür aber in Kauf nehmen.
Pro und Contra
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ harmonisches Fahrgefühl | ⬇ Anleitung und Aufbau umständlich |
| ⬆ extrem kräftiger Antrieb | ⬇ Frontleuchte nicht ausgereift |
| ⬆ viel Komfort | ⬇ Sattelstütze für große Fahrer zu kurz |
| ⬆ gute Ausstattung | |
| ⬆ Smart-Modul mit Alarm & Tracking |
Fazit
Das Engwe E26 3.0 Pro ist kein perfekt ausgearbeitetes E-SUV-Bike. Beim Aufbau, bei der Lampenlösung und bei einzelnen Finish-Details wirkt es noch nicht rund.
Trotzdem hinterlässt das Rad unter dem Strich einen absolut positiven Eindruck. Die eigentliche Stärke ist das in dieser Preisklasse überragende Fahrgefühl. Der Mittelmotor liefert einen spürbaren Punch, das Fahrwerk arbeitet trotz einfacher Einsteigerkomponenten erstaunlich gut und insgesamt geht das Konzept für einen Preis unter 2.000 Euro überzeugend auf.
Damit ist das Engwe E26 3.0 Pro ein empfehlenswertes Komfort-Bike für alle, die ein vollgefedertes Tiefeinsteiger-E-SUV suchen und mit den Schwächen im Detail leben können. Im E26 3.0 Pro steckt deutlich mehr, als der wuchtige Auftritt zunächst vermuten lässt. Erhältlich ist es ab sofort für 1.899 Euro direkt im Engwe Shop in zwei Farben. Mit dem Rabattcode WATTMOVESGMBH gehen vom Preis noch 10 % ab. Mit nur noch rund 1.710 Euro wird das Engwe E26 3.0 Pro zum absoluten Schnäppchen.











