Jetzt ist es amtlich. Das Amsterdamer Bezirksgericht hat den Zahlungsaufschub für die Accell Group wieder aufgehoben. Am Dienstag erklärte es die niederländischen Konzerngesellschaften für insolvent. Damit ist der Rettungsversuch gescheitert, über den wir vor einer Woche berichtet haben. Aus dem Aufschub ist der Konkurs geworden.
Accell Gruppe umfasst sechs Gesellschaften und etliche bekannte Marken
Im niederländischen Insolvenzregister stehen seit dem 11. August sechs Accell-Firmen. Darunter die Konzernholding und die Accell Nederland BV. An dieser hängen Marken wie Batavus, Koga, Sparta, Babboe und die Zubehörmarke XLC.
Die Insolvenzverwalter Thijs Hekman und Erik Schuurs begründen den Schritt nüchtern. Die Firmen konnten ihre laufenden Kosten nicht mehr decken. Dazu kommt die enge Verflechtung der Konzerntöchter über mehrere Länder hinweg.
Auch die Produktion steht. Das Werk im ungarischen Tószeg hat den Betrieb eingestellt. Dort liefen zuletzt fast 300.000 Räder im Jahr vom Band, zu 98,5 Prozent E-Bikes. Es war das europäische Hauptwerk, seit Accell die letzte niederländische Fabrik geschlossen hatte.
Deutsche Marken vorerst außen vor
Für Haibike, Ghost und Winora ändert sich zunächst nichts. Die deutschen Gesellschaften hatten am 5. August ihr eigenes Verfahren in Eigenverwaltung beantragt. Sie wollen sich aus dem Konzern lösen und einen eigenen Investor finden. Der Betrieb geht dabei weiter.
Andere Konzernmarken gehen denselben Weg. Lapierre in Frankreich und Raleigh in Großbritannien restrukturieren getrennt vom Mutterkonzern. Die finnische Tochter Tunturi ist dagegen ebenfalls in Konkurs. Tatsächlich zerfällt der riesige Fahrradkonzern gerade in seine Einzelteile.
Was Besitzer jetzt wissen müssen
Für Kunden gibt es zumindest eine gute Nachricht: Bosch und Shimano haben zugesagt, ihre Garantien auf die elektrischen Systeme weiter zu erfüllen. Das ist wichtig, denn es betrifft Motor und Akku – also die teuersten Bauteile am E-Bike. Auch viele andere Teile kommen von Zulieferern und bleiben lieferbar.
Bei der Gewährleistung bleibt der Händler Ansprechpartner. Kritisch wird es bei markenspezifischen Teilen wie Rahmen oder speziellen Anbauteilen. Wer direkt beim Hersteller gekauft hat, wird im Insolvenzverfahren zum Gläubiger. Ob dabei Geld zurückkommt, ist offen und in der Regel wenig wahrscheinlich.
Wie es weitergeht
Die Verwalter suchen einen Neustart, sprechen bereits mit wichtigen Lieferanten und prüfen, ob die Belieferung des Fachhandels wieder anlaufen kann. Interesse besteht durchaus: Die irische Investmentfirma Quanta Capital bereitet laut Berichten ein Angebot für die gesamte Gruppe vor.
Rund 2.000 Menschen arbeiten in 15 Ländern für Accell, 340 davon in den Niederlanden. Die Gewerkschaft FNV nennt die Pleite verheerend. Eine Entscheidung über den Neustart kann innerhalb von Wochen fallen. Das Insolvenzverfahren selbst dürfte deutlich länger dauern.












