Die Krise beim Fahrrad-Konzern Accell hat jetzt auch die deutschen Marken formell erreicht. Nachdem die niederländische Mutter Accell-Group einen gerichtlichen Zahlungsaufschub bekommen hatte, ziehen Haibike, Ghost und Winora nun nach. Mit Insolvenzen in Eigenverwaltung versuchen die Traditionshersteller die Sanierung aus eigener Kraft.
Deutsche Töchter beantragen Eigenverwaltung
Auch die Accell Germany GmbH mit Sitz in Sennfeld hat am 5. August beim Amtsgericht Schweinfurt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Noch am selben Tag zogen einige Tochterunternehmen wie Hersteller Winora Staiger und Ghost-Bikes sowie der Teile-Großhändler E. Wiener Bike Parts nach.
Bei einer Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung im Amt und steuert die Sanierung unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters selbst. Ein Versuch also, das Unternehmen zu retten, währenddessen der Betrieb vorerst weiterlaufen kann. Für die deutschen Marken ist es damit die Parallele zu dem, was der Konzern in den Niederlanden versucht.
Traditionshersteller wollen aus dem Mutterkonzern raus
Die deutschen Gesellschaften wollen mit dieser Maßnahme zudem einen eigenen Investor finden, um sich so bewusst aus der internationalen Accell-Gruppe zu lösen. Dieser soll dann Winora, Haibike, Ghost und E. Wiener Bike Parts weiterführen.
Rückenwind soll die solide Marktstellung geben. Die deutschen Marken seien etabliert und hätten eine treue Kundenbasis, heißt es aus dem Unternehmen. Nach Angaben der Accell-Gruppe gibt es rund 370 Beschäftigte in Deutschland, deren Löhne über das Insolvenzgeld bis Ende Oktober gesichert sind. Die Verfahren begleitet ein Team der Kanzlei Grub Brugger, als vorläufiger Sachwalter wurde der Nürnberger Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus bestellt. Der Umsatz der Accel-Germany-Gesellschaften betrug im vergangenen Jahr über 340 Mio. Euro.
Wie es mit Haibike, Winora und Ghost weitergeht
Für Kunden ist die Eigenverwaltung vorerst die bessere Nachricht als eine reine Pleite, weil Produktion, Vertrieb und Service weiterlaufen sollen. Bei Garantie, Ersatzteilen und der Händlerbelieferung stehen die Chancen damit besser als bei einer Abwicklung. Sicher ist das aber erst, wenn ein Investor gefunden ist.
Als Nächstes prüfen Gericht und Sachwalter das Verfahren und die Bücher, dann wird über die Eröffnung entschieden. Parallel läuft die Suche nach einem Käufer für den deutschen Teil. Gelingt das, könnten Haibike, Ghost und Winora unabhängig vom niederländischen Konzern weitermachen. Bis dahin bleibt die Lage offen. Der Weg über die Eigenverwaltung hält die Tür für eine Rettung zumindest offen.












