Keine zwei Jahre nach dem angekündigten Neustart steckt Simplons Fahrradproduktion wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Der Sanierungsplan von 2024 ist gescheitert, alte Forderungen kehren zurück. Für Händler und Kunden bleiben wichtige Fragen offen.
Simplon: Produktionsgesellschaft stellt neuen Sanierungsantrag
Konkret betrifft die Krise die 2Rad Produktions GmbH, die frühere Simplon Fahrrad GmbH. Sie hat beim Landesgericht Feldkirch in Österreich ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Die darüberstehende Simplon Bike GmbH ist von dem Antrag nicht erfasst.
Der österreichische Kreditschutzverband KSV1870 nennt vorläufige Verbindlichkeiten von rund 33,4 Millionen Euro. Betroffen sind 150 Gläubiger und 54 Beschäftigte. Die Gesellschaft beabsichtigt, einen neuen Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren vorzulegen. Der Plan ist aber noch nicht angenommen.
Schwer wiegt dabei, dass mit dem Scheitern des alten Sanierungsplans alte Forderungen von rund 28,3 Millionen Euro wieder aufleben. Davon entfallen alleine 26 Millionen Euro auf eine einzige Hauptgläubigerin.
Nach Darstellung der Schuldnerin liegen die Ursachen unter anderem in Problemen nach der damaligen Übernahme. Die vorgefundenen Warenbestände seien unzureichend und unvollständig gewesen, heißt es. Fehlende Teile hätten verhindert, bestehende Bestellungen zügig fertigzustellen und auszuliefern. Dadurch habe die Lieferfähigkeit gelitten und Folgeaufträge seien teilweise ausgeblieben.

Neustart zurück in die Krise: Erste Insolvenz 2024
Die erste Insolvenz von Simplon begann schon im September 2024. Damals beantragte die Simplon Fahrrad GmbH ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Genannt wurden rund 44,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Im Dezember 2024 nahmen die Gläubiger einen Sanierungsplan an.
Anschließend kündigte der Investor SOL Capital die vollständige Übernahme der damaligen Simplon Holding an. Der angekündigte Neustart hat die Produktionsgesellschaft damit nicht dauerhaft aus ihren finanziellen Problemen geführt. Heute gehört die 2Rad Produktions GmbH laut KSV der Simplon Bike GmbH, die zuvor Simplon Holding GmbH hieß.
Was die neue Krise für Händler und Kunden bedeutet
Für Kunden und Händler ist offen, ob laufende Bestellungen ausgeliefert werden. Auch zu Anzahlungen, Ersatzteilen und freiwilligen Herstellergarantien gibt es keine belastbaren Angaben.
Die gesetzliche Gewährleistung richtet sich grundsätzlich gegen den Verkäufer, bei einem üblichen Fahrradkauf also gegen den Fachhändler. Ist dieser rechtlich eigenständig und zahlungsfähig, verschwinden solche Ansprüche durch den Antrag der Produktionsgesellschaft nicht automatisch.
Simplon hatte 2025 angekündigt, Entwicklung und Konstruktion weiterhin am Standort Hard in Vorarlberg zu belassen. Zusätzlich war ab Anfang 2026 eine Montagelinie bei IKO Sportartikel im rumänischen Timișoara geplant. Ob diese Montagelinie aber tatsächlich gestartet ist und wie umfangreich derzeit noch in Hard produziert wird, ist aktuell unklar.











