Erst die Absage von Bosch und Shimano, jetzt der nächste Schlag: Die kriselnde Fahrradmesse Eurobike rückt 2027 in den September – ausgerechnet in das Zeitfenster, in dem die abtrünnigen Branchenverbände ihre eigene Konkurrenzmesse planen. Vieles spricht für München als neuen Standort.
Frankfurt geht aufs Ganze
Als wir im Februar über Shimanos endgültige Absage berichteten, stand die Frage im Raum, ob die Eurobike überhaupt noch eine Chance hat. Jetzt liegt die Antwort auf dem Tisch, und sie ist radikal: Die Eurobike 2027 findet vom 1. bis 3. September statt und damit erstmals seit Jahren nicht mehr Ende Juni.
Der bisherige Termin war vielen Händlern zu früh, um die kommende Saison zu ordern. Ab 2027 schrumpft die Messe räumlich auf drei Hallen rund um die Agora. Im Joint Venture Fairnamic übernimmt dann die Messe Frankfurt allein die Führung. Die Messe Friedrichshafen konzentriert sich künftig auf ihre Luftfahrtmesse Aero.
Der neue Fairnamic-Geschäftsführer Philipp Ferger formuliert es selbst nüchtern: „Es ist viel Porzellan zerschlagen worden.“ Auf der eigenen Webseite gibt sich die Eurobike davon unbeeindruckt. Dort bewirbt sie ihre 2026er-Ausgabe (24. bis 27. Juni) als „kompakter, zielgerichteter und zukunftsorientierter als je zuvor“. Beim „kompakter“ hat sie zumindest recht behalten.
„Das Tischtuch ist zerschnitten“
An den verhärteten Fronten ändert die Reform nichts. Die beiden zentralen Branchenverbände ZIV – Die Fahrradindustrie und Zukunft Fahrrad bleiben 2026 nicht nur weg, sie fusionieren 2027 zu einem gemeinsamen Verband und planen eine eigene Messe für Herbst 2027.
ZIV-Chef Burkhard Stork wurde im Manager Magazin deutlich: „Das Tischtuch ist zerschnitten — ich kann mir eine Kehrtwende nicht mehr vorstellen.“ Hinter den Kulissen läuft ein juristischer Streit um die Markenrechte am Namen Eurobike und um die Frage, ob die Verbände ihre Unterstützung überhaupt zurückziehen durften.
Bosch, Shimano, SRAM: Die Liste der Abwesenden wächst
Für die Eurobike ist das fatal — denn ihr fehlen genau die Namen, die das Publikum ziehen. Bosch eBike Systems und Shimano haben für 2026 längst abgesagt. Riese & Müller lässt seine Neuheiten lieber auf eigenen Hausmessen im hessischen Mühltal zeigen.
Schon 2025 fehlten internationale Schwergewichte wie SRAM, DT Swiss, Scott Sports und Fox Factory sowie große Konzerne wie Trek, Merida und die ZEG. Ob diese Marken 2027 zurückkehren, wenn Eurobike und Verbandsmesse vermutlich nur wenige Tage auseinander liegen, ist mehr als fraglich.
München rückt zur Bedrohung auf
Auch räumlich wird es eng. Vom 7. bis 12. September 2027 findet die IAA Mobility in München statt — seit Jahren auch ein zentraler Anlaufpunkt für Fahrradhersteller. Laut FAZ verdichten sich die Hinweise, dass die Verbände genau dieses Umfeld für ihre Konkurrenzmesse nutzen wollen.
Damit drohen 2027 zwei Branchen-Großveranstaltungen innerhalb einer Woche, nur rund 400 Kilometer auseinander. Für viele Aussteller dürfte die Wahl nicht schwerfallen — zumal sie sich ohnehin schon mehr vom Verband als von der Messe vertreten fühlen.
Wird 2026 das letzte Eurobike-Jahr?
Machen wir uns nichts vor: Eine Messe, die ihre größten Aussteller verloren hat, lässt sich auch nicht durch neuen Termin und weniger Hallen retten. Termin, Format und Führung werden auf einen Schlag umgebaut — doch ohne ZIV und Zukunft Fahrrad fehlen genau die Stimmen, die in Deutschland Gewicht haben.
Für die Branche wird 2027 zur Bewährungsprobe. Entweder die Eurobike findet doch noch zurück zu einer gemeinsamen Lösung — oder sie wird zur Regional-Messe degradiert, während sich die Industrie in München neu sortiert. Stork klingt nicht so, als hätte er daran noch ernsthaftes Interesse.














