Mit der Insolvenz der Accell-Gruppe stehen etliche Fahrradmarken am Scheideweg. Für Haibike und Winora gibt es einen Käufer, für Ghost dagegen nicht. Die Fahrradmarke aus Waldsassen soll nach der Insolvenz endgültig schließen. Für Kunden und Händler sind das keine guten Nachrichten.
Ghost will restliche Fahrräder als Gesamtpaket verkaufen
Vor der Schließung will Ghost noch den kompletten Fahrradbestand verkaufen. Ein Händler soll sämtliche verbliebenen Fahrräder der Ghost-Bikes GmbH übernehmen, anschließend will das Unternehmen seinen Betrieb „geordnet“ einstellen, wie es offiziell heißt. Der vorgesehene Käufer der Bikes ist bislang allerdings nicht öffentlich bekannt.
Seit Anfang September hatte Ghost vorhandene Räder noch einzeln an den Fachhandel verkauft. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. November endete diese Möglichkeit. Händler können seitdem keine Einzelbestellungen mehr bei Ghost aufgeben. Fahrräder, die bereits in den Geschäften stehen, sind davon nicht betroffen.
„Wirtschaftlich beste Option“
Infolge unzureichender Übernahme-Angebote scheint es keinen anderen Ausweg zu geben: Im international durchgeführten Investorenprozess habe man zahlreiche Interessenten angesprochen und dabei verschiedene Möglichkeiten zum Weiterbetrieb geprüft. Am Ende gab es jedoch kein Angebot, das den Gläubigern mehr gebracht hätte als der Verkauf der Bestände. Zu den Gläubigern gehören etwa Banken und Lieferanten, denen Ghost noch Geld schuldet.
Stefan Debus, der das Insolvenzverfahren als gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht, bezeichnet den Abverkauf deshalb als wirtschaftlich „beste Option“. Für die Gläubiger verspricht dieser Weg das bessere Ergebnis. Für den Standort bedeutet er das Ende des laufenden Geschäfts. Betroffen sind dort die 53 verbliebenen Beschäftigten in Waldsassen.
Was bedeutet die Schließung für Ghost-Kunden?
Für Besitzer eines Ghost-Rads bleibt die Betreuung nach dem Kauf zum jetzigen Zeitpunkt ungeklärt. Wer überhaupt künftig Herstellergarantien bearbeitet, Ersatzteile liefert oder den bisherigen Service übernimmt, steht nicht fest. Auch für offene Bestellungen gibt es bislang keine angekündigte Lösung.
Bei Mängeln am Fahrrad gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie. Die gesetzliche Gewährleistung betrifft den Kaufvertrag mit dem Verkäufer, etwa einem unabhängigen Fahrradhändler. Sie entfällt auch nicht automatisch durch die Insolvenz von Ghost. Eine freiwillige Herstellergarantie ist dagegen eine zusätzliche Zusage von Ghost, deren weitere Abwicklung offenbleibt.
Für Haibike und Winora geht es weiter
Ghost, Haibike und Winora gehören zum selben Fahrradkonzern, der insolventen Accell Group. Die deutschen Unternehmen hinter den Marken hatten am 5. August gemeinsam Insolvenz beantragt. Ihre Zukunft fällt nun unterschiedlich aus: Bike Tree aus der Tri-Star-/DuTech-Gruppe, zu der auch Prophete gehört, soll das Geschäft mit Haibike und Winora weiterführen. Für Ghost fand sich aber anscheinend keine vergleichbare Lösung.
Bereits 2023 hatte Ghost angekündigt, die Fahrradproduktion aus Deutschland ins Ausland zu verlagern. Vertrieb, Lager und Marketing sollten damals in Waldsassen bleiben. Nun soll die Ghost-Bikes GmbH nach dem Verkauf der verbliebenen Fahrräder ihren Geschäftsbetrieb einstellen.





