Bosch und DJI haben den E-Bike-Schnellladestandard auf 500 Watt gehoben. Vor der Eurobike 2026 kündigt nun ein neuer Anbieter ein System mit der dreifachen Leistung an: 1,5 Kilowatt sollen einen 750-Wh-Akku in 20 Minuten auf 80 Prozent bringen. Auf dem Papier eine Ansage. Ob sie in der Praxis hält?
Gobao Super Charger: 1,5 Kilowatt aus einem Akku-Lader
Der chinesische Antriebsspezialist Gobao hat sein neues Schnelllade-System für E-Bike-Akkus angekündigt und will es auf der Eurobike 2026 vorstellen. Zum Charger gehören drei passende Akku-Größen: 500, 750 und 900 Wattstunden. Die 900-Wh-Variante hat dabei die gleichen Abmessungen wie der 750er. Hersteller bekommen also mehr Reichweite, ohne den Rahmen anpassen zu müssen.
Die genannten Ladezeiten gelten allerdings für Laborbedingungen. Wie viel davon im Alltag übrig bleibt, hängt von Temperatur, Akku-Alter und Ladestand-Verlauf ab. Konkrete E-Bike-Hersteller, die den Super Charger ab Werk einsetzen, hat Gobao bislang nicht genannt; das System soll zur Eurobike-Premiere erst einmal nur als Komponente gezeigt werden. Auch Preise fehlen noch.
Was Bosch und DJI dagegen leisten
Bei günstigeren E-Bikes mit Standard-Ladegeräten dauert eine Vollladung des Akkus oft noch fünf bis sechs Stunden. Auch die etablierten Antriebshersteller arbeiten daher am Schnellladen. Bosch hat im Mai 2026 mit dem Performance Upgrade 2.0 einen 12-Ampere-Schnelllader vorgestellt. Mit über 500 Watt bringt er ein Powerpack 800 in rund einer Stunde auf 50 Prozent. Das Gerät wiegt unter einem Kilogramm und passt damit in den Rucksack. Verfügbar ab Ende 2026.
DJI ist schon einen Schritt weiter: Der Drohnenhersteller liefert seinen Avinox-Schnelllader mit 12 Ampere und gut 500 Watt bereits aus, gebaut auf Galliumnitrid-Halbleitern. Ein 800-Wh-Akku ist nach 90 Minuten zu drei Vierteln voll. GaN-Technik macht beide Lader so kompakt: Die Halbleiter setzen weniger Wärme frei als klassische Silizium-Bauteile, dadurch genügt eine kleinere Kühlung.
Gobao liegt mit 1.500 Watt rund dreimal über diesem Niveau. Welche Halbleitertechnik dahintersteckt und wie das Unternehmen die Wärme im Griff behält, bleibt offen. Daran wird sich der Super Charger messen lassen müssen. In der Praxis entscheidet meistens das Wärmemanagement darüber, was vom Versprechen übrig bleibt.
Was bedeutet das für E-Bike-Käufer?
Für Tourenfahrer und Pendler kann sich mit Schnellladen einiges ändern. Eine Mittagspause genügt, um den Akku praktisch wieder voll zu bekommen. Tagestouren mit 200 Kilometern werden plausibel, ohne ein zweites Akkupack mitzuschleppen. Auch wer abends mit leerem Akku heimkommt, muss nicht mehr die Nacht durchladen, sondern kann morgens kurz nachfüllen.
Der Haken: Schnellladen ist immer eine Kombination aus Akku und Lader. Wer ein Bosch-E-Bike fährt, kann nicht einfach einen Gobao-Charger einstecken. Die Ladekommunikation ist proprietär und genauso herstellergebunden wie der Antrieb selbst. Damit verschiebt sich auch die Frage nach dem richtigen Antriebssystem: Zur Vergleichsliste gehört neben Drehmoment und Reichweite jetzt auch die Ladegeschwindigkeit.
Wann das Schnellladen wirklich kommt
Bosch will seinen Schnelllader Ende 2026 ausliefern; Käufer aktueller Smart-System-Bikes können dann nachrüsten. DJI Avinox liefert bereits aus, allerdings nur in Kombination mit kompatiblen Bikes von Marken wie Amflow, Megamo oder Velo de Ville. Bei Gobao bleibt einiges offen: Zu Marktstart, Partner-Herstellern und Preisen schweigt das Unternehmen noch. Erst die Eurobike 2026 dürfte hier Klarheit bringen.
Schnellladen wird zum nächsten Wettbewerbsfeld. Bisher entschieden Drehmoment, Akku-Größe und Reichweite den Modellvergleich, jetzt kommt die Ladegeschwindigkeit dazu. Wer 2026 oder 2027 ein neues E-Bike kauft, sollte je nach persönlichem Anwendungsfall das Ladegerät genauso prüfen wie den Antrieb.














