Wer auf ein Fahrrad steigt, setzt sich normalerweise in den Sattel. Beim neuen Elektro-Dreirad „Swerv“ des britischen Herstellers Sweren ist das komplett anders: Fahrer liegen auf dem Bauch und blicken direkt nach vorn. Laut Entwickler soll dabei ein Gefühl entstehen, das ans Fliegen erinnert. Doch ist dieses Konzept überhaupt sicher?
Starkes Geschwindigkeitsgefühl und maximaler Spaßfaktor
Antworten liefert Kerim Taskin, Erfinder dieses ungewöhnlichen E-Bikes, in einem Interview mit der australischen Webseite New Atlas. Hier erklärt er unter anderem: „Spaß ist das Wort, das von den Fahrern am häufigsten verwendet wird, um ihre Erfahrungen nach der Nutzung des Swerv zu beschreiben, neben Begriffen wie ‚berauschend‘ und ‚erfrischend‘.“
Gerade durch die tiefe Haltung, die ungewöhnliche Körperstellung mit dem Kopf an der Vorderseite und die besondere Nähe zum Untergrund wachse laut Taskin das Gefühl der Geschwindigkeit stark an und sorge für einen zusätzlichen Adrenalinschub. „Dieses Gefühl wird oft als befreiend und erlösend beschrieben und vermittelt das Gefühl, zu fliegen“, so Taskin weiter.
Ungewöhnlich ist auch der Antrieb: Beim straßentauglichen Modell werden die Pedale nicht mit den Füßen, sondern per Armbewegung angetrieben, während ein E-Motor bis 25 km/h unterstützt. Die beiden anderen Varianten fahren dagegen rein über einen Gasgriff. Die Füße kommen bei allen Modellen nicht zum Einsatz, sondern liegen hinten – das ist dem Liegekonzept geschuldet.
Auf dem Bauch durch den Verkehr – wie sicher ist das?
Die gewöhnungsbedürftige Körperhaltung wirft eine ganze Reihe von Sicherheitsfragen auf – unter anderem, ob das Swerv überhaupt für den Straßenverkehr geeignet ist. Schließlich haben die liegenden Fahrer eine wesentlich schlechtere Verkehrsübersicht und einen deutlich anderen Schwerpunkt als klassische E‑Bikes.
Auch die Frage, wie effektiv ein Helm bei Unfällen überhaupt ist, lässt sich aktuell nur schwer beantworten. Hinzu kommt: Zumindest das straßentaugliche Modell wird nicht über einen klassischen Lenker gesteuert, sondern allein per Gewichtsverlagerung.
„Der Einsatz in verkehrsreichen Bereichen oder auf kurvigen Landstraßen ist nicht zu empfehlen. Ich hatte bei Testfahrten auf der Straße keine Probleme, andere Verkehrsteilnehmer zu sehen oder von ihnen gesehen zu werden, aber ich kann nicht garantieren, dass dies auch für andere Nutzer immer der Fall sein wird, wenn sie nicht vorsichtig genug sind“, erklärt Taskin in Bezug auf die Sicherheitsbedenken.
Diesbezüglich rät der Erfinder des ungewöhnlichen E-Bikes dazu, am besten LED-Lichter zu tragen oder leuchtende Farben auf der Kleidung als zusätzliches Sicherheitsfeature zu nutzen.
Drei Swerv-Varianten geplant – Auslieferung startet Ende 2026
Noch befindet sich der Swerv in der Vorserienphase, funktionsfähige Prototypen existieren aber bereits. Die weltweite Auslieferung soll schon im Dezember starten. Angeboten werden drei Varianten, die sich vor allem in Leistung, Einsatzzweck und Preis unterscheiden.
Das straßentaugliche Modell fährt mit einem 350-Watt-Motor bis 25 km/h und ist mit 4.990 Pfund (etwa 5.800 Euro) zugleich das teuerste. Günstiger ist die Offroad-Variante, die mit 1.000-Watt-Motor, gröberen Reifen und flexiblerem Rahmen für 3.490 Pfund (etwa 4.050 Euro) auf unebenes Gelände ausgelegt ist.
Das dritte Modell richtet sich eigens an Kinder und Jugendliche, erreicht dabei aber bis zu 48 km/h – eine Spitze, die sich laut Hersteller drosseln lässt. Mit 2.299 Pfund (etwa 2.670 Euro) ist es zugleich das günstigste.
Ob eine Nutzung des straßentauglichen Modells auch in Deutschland möglich sein wird, ist aktuell noch unklar. Der Motor müsste beispielsweise auf 250 Watt Dauerleistung gedrosselt werden, damit es als Pedelec anerkannt wird.
















