Ein Prothesen-Ingenieur aus Island baut jetzt E-Bikes. Das klingt nach einer ungewöhnlichen Karriere — ist aber der Grund, warum das Lauf eElja nur 16,6 Kilogramm wiegt. Lauf Cycles aus Reykjavik hat sich mit einer neuartigen Federgabel im Gravel-Bereich einen Namen gemacht. Jetzt bringt die Marke ihr erstes E-Mountainbike — und es gehört zu den leichtesten am Markt.
Von Prothesen zur Federgabel — und jetzt zum E-MTB
Hinter Lauf Cycles steht Gründer Benedikt Skulason, ein Ingenieur, der ursprünglich Prothesen aus leichten Verbundwerkstoffen entwickelte. Das Know-how aus der Medizintechnik übertrug er auf Fahrradkomponenten: Die Lauf Leaf Spring Fork — eine Federgabel, die statt der üblichen Teleskoptechnik auf gebogene Glasfaserblätter setzt und deshalb ohne bewegliche Gelenke auskommt — machte die kleine isländische Marke international bekannt.
Der Name „eElja“ kommt aus dem Isländischen und bedeutet Ausdauer. Mit dem E-Mountainbike wagt Lauf den Schritt vom Komponentenhersteller zum Komplettrad-Anbieter — und zwar direkt im hart umkämpften Segment der besonders leichten E-MTBs.
TQ HPR60: Einer der leichtesten E-Bike-Motoren am Markt
Im Lauf eElja arbeitet der TQ HPR60 — ein Mittelmotor mit 60 Nm Drehmoment und 350 Watt Leistung, der selbst nur knapp zwei Kilogramm wiegt. Er sitzt zwischen den Pedalen im Rahmen und unterstützt bis 25 km/h. Zum Vergleich: Gängige E-MTB-Motoren von Bosch oder Shimano wiegen rund ein Kilogramm mehr und liefern dafür bis zu 85 Nm.
Der fest im Rahmen verbaute Akku fasst 360 Wattstunden. Lauf gibt die Reichweite mit rund 1.400 Höhenmetern bei voller Unterstützung an — genug für eine ausgiebige Tour in den Bergen. Wer mehr braucht, kann einen Zusatzakku mit 160 Wh nachrüsten. Dann stehen insgesamt 520 Wh und bis zu 2.000 Höhenmeter zur Verfügung.

Komplett kabellos: Nur zwei Bremsleitungen am ganzen Bike
Das eElja setzt konsequent auf Funktechnik. Die Schaltung (SRAM Eagle Transmission) arbeitet kabellos, die absenkbare Sattelstütze ebenso. Sogar die Motorsteuerung läuft über kleine Funktaster am Lenker, die gleichzeitig Schaltung, Sattelstütze und Unterstützungsstufen bedienen. Ein Display am Lenker gibt es nicht — wer Akkustand oder Geschwindigkeit sehen will, nutzt die Smartphone-App.
Das Ergebnis: Am Lenker verlaufen nur noch zwei Bremsleitungen. Keine Schaltzüge, keine zusätzlichen Kabel, keine Display-Halterung. Für ein vollgefedertes E-Mountainbike ist das bemerkenswert aufgeräumt — und passt zur Philosophie des gesamten Bikes, Gewicht und Komplexität konsequent zu reduzieren.
Beim Rahmen setzt Lauf auf Carbon, allerdings nicht auf die härteste Variante: Das eigene IRM-Carbon (Impact Resistant Modulus) ist bewusst etwas flexibler ausgelegt als übliches Renn-Carbon, dafür aber deutlich bruchfester — ein Vorteil auf dem Trail, wo Steinschläge zum Alltag gehören. Die Federung bietet 140 mm Federweg vorne und 130 mm hinten, was dem Bike genug Reserven für technische Abfahrten gibt, ohne es unnötig schwer zu machen. Der Hinterbau ist bewusst einfach konstruiert: Ein einziges Gelenk statt komplexer Mehrgelenk-Systeme spart Gewicht und macht die Wartung unkompliziert.
Lauf eElja im Vergleich — und ab 6.990 US-Dollar bestellbar
Mit 16,6 kg in der leichtesten Konfiguration spielt das eElja in der absoluten Spitzengruppe der leichten E-Bikes. Das Scott Lumen eRIDE gehört mit ab 16,0 kg zu den leichtesten vollgefederten E-MTBs überhaupt, kostet aber zwischen 6.299 und 13.999 Euro. Das Rotwild RX290 liegt bei 16,2 kg und startet bei 9.990 Euro. Auch das BMC Fourstroke AMP bewegt sich mit 16,3 kg in dieser Liga, kostet aber mindestens 6.999 Euro.
Das Lauf eElja ist in zwei Ausstattungsvarianten über den Webshop des Herstellers bestellbar: Das günstigere Weekend-Warrior-Modell mit Aluminium-Laufrädern kostet 6.990 US-Dollar (17,7 kg), das Race-Modell mit Carbon-Laufrädern 8.490 US-Dollar (17,1 kg). Der Versand nach Deutschland kostet 99 US-Dollar, Steuern und Zoll kommen im Checkout dazu. Ein deutsches Händlernetz gibt es bisher nicht.
Wer sich für leichte E-Bikes generell interessiert, findet in unserem Vergleich acht E-Bikes unter 20 Kilogramm ab 773 Euro im Test — darunter auch Modelle, die deutlich günstiger und in Deutschland verfügbar sind.













