Das Fiido Nomads hinterlässt schon beim Auspacken einen überraschend erwachsenen Eindruck. Mit wenigen Handgriffen ist es aufgebaut, wirkt sauber verarbeitet und steht am Ende nicht wie ein typisches günstiges Versandrad da, sondern wie ein voll ausgestattetes Touren-E-Bike mit klarer Alltags- und Reiseoptik. Der erste Eindruck trägt auch im Test erstaunlich weit: Das Nomads für 1.399 Euro ist kein Premium-Trekkingrad, aber ein stimmiger Allrounder für das Pendeln im Alltag oder Ausflüge auf Schotter- und Waldwegen.
Was will das Fiido Nomads sein?
Das Fiido Nomads ist am ehesten als günstiges Touren- und Trekking-E-Bike zu verstehen. Es bewegt sich zwischen City-Bike, Trekkingrad und Hardtail. Wer ein sportliches Gravel-E-Bike oder ein besonders leichtes E-Bike sucht, ist hier nicht richtig und sollte sich im Fiido-Portfolio eher das Fiido Air (Test) oder das Fiido C21 (Test) ansehen.
Wer dagegen ein Rad will, das tägliche Wege, Einkäufe, Pendelstrecken und Wochenendtouren gleichermaßen abdeckt, bekommt mit dem Nomads ein sehr schlüssiges Konzept.
Hier liegt auch die eigentliche Stärke dieses Modells: Es will trotz hochwertigen Designs kein Lifestyle-Bike sein, sondern ein praktisches E-Bike mit echter Vollausstattung. Schutzbleche, Gepäckträger, Federgabel und entnehmbarer Akku sind dabei keine dekorativen Extras, sondern die Basis.
Aufbau und Verarbeitung: besser als der Preis vermuten lässt
Beim Aufbau sammelt das Fiido Nomads direkt Pluspunkte. Das Rad war sehr gut verpackt und weitgehend vormontiert. Montiert werden mussten das Vorderrad, der Lenker, die Frontlampe und die Pedale. Zusätzlich war am Gepäckträger noch eine Schraube zu befestigen. Das Display musste ebenfalls eingesteckt und verkabelt werden.

Für ein Versand-E-Bike ist das üblich. Das Nomads ist schnell fahrbereit und wirkt dabei nicht improvisiert. Auch optisch macht es viel richtig: Die Lackierung wirkt sauber, die integrierte Kabelführung wertet den Gesamteindruck sichtbar auf, und der verstellbare Vorbau passt gut zum tourentauglichen Charakter.
Wichtig ist die Einordnung trotzdem: Das Fiido Nomads ist kein Premium-Bike. Beim Blick hinter die Kulissen bleibt es ein Rad der günstigeren Preisklasse. Aber es sieht eben nicht nach Sparlösung aus, sondern nach einem ernst gemeinten E-Bike für den Alltag.
Ausstattung: fast alles ist wirklich nützlich
Die Ausstattung und das damit einhergehende Preis-Leistungs-Verhältnis sind mit die Hauptgründe, warum Fiido so erfolgreich ist. Gleichzeitig ist auch das Nomads so beliebt, dass direkt ein zusätzliches Pro-Modell mit Mittelmotor in Planung ist. Das Nomads kommt mit allem, was ein alltagstaugliches Trekking-E-Bike braucht und verzichtet dabei nicht auf Reisefeatures.
Verbaut sind unter anderem eine Federgabel, stabile Schutzbleche, Gepäckträger mit Zusatzakkuaufnahme, Lichtanlage, Rücklicht mit Blinkern, ein verstellbarer Vorbau und eine 9-Gang-Schaltung von Shimano. Nicht alltäglich in dieser Preisklasse ist außerdem das in den Vorbau eingelassene Display und eine App-Anbindung.

Der Akku ist entnehmbar und bietet 418 Wh Kapazität. Für ein Touren-E-Bike ist das nicht sonderlich groß, im Preisbereich aber nachvollziehbar. Spannend wird das Konzept durch die Erweiterungsmöglichkeit: Das System lässt sich nämlich auf bis zu drei Akkus ausbauen. Fiido nennt in dieser Konfiguration eine Reichweite von bis zu 240 Kilometern.

Solche Reichweitenwerte sollte man jedoch üblicherweise vorsichtig lesen. Interessant ist hier weniger die Maximalangabe als die Idee dahinter: Das Nomads lässt sich bei Bedarf modular auf längere Touren ausrichten, statt im Alltag einen Akku mit überdimensionierter Kapazität mitzuschleppen.
Wie hoch ist die Reichweite vom Fiido Nomads tatsächlich?
Das Nomads war in meinem Test ohne Steigungen, aber wechselndem Untergrund nicht sparsam, der Energieverbrauch war aber auch nicht übermäßig hoch. Hochgerechnet wäre ich damit etwa 45 km weit gekommen. Da ich nahezu dauerhaft auf maximaler Unterstützung gefahren bin, viele Stopps hatte und häufig kräftig beschleunigt habe, überrascht mich dieser Wert allerdings nicht.
Mein Verbrauch passt durchaus zur Herstellerangabe unter Optimalbedingungen. Fiido gibt für dieses Unterstützungsprofil eine Reichweite von etwa 60 km aus und ist damit je nach Strecke aus meiner Sicht absolut im realistischen und ehrlichen Bereich.

Motor und Bedienung: harmonischer Heckantrieb von Aikema
Im Fiido Nomads arbeitet ein Heckmotor von Aikema mit 45 Nm. Wie bei vielen anderen E-Bikes, die wir bereits von Fiido testen durften, fällt auch hier das Fahrgefühl erfreulich gut aus.
Schon auf den ersten Metern wirkt der Antrieb dynamisch, direkt und gleichzeitig unaufgeregt. Das Rad beschleunigt nicht ruppig, sondern baut die Unterstützung harmonisch auf. Gerade sehr günstige E-Bikes wirken durch schlecht abgestimmte Motoren bei einem ansonsten ordentlichen Rad schnell billig. Beim Nomads ist das nicht der Fall. Der Antrieb ist auch akustisch absolut unauffällig und in jedem Lastbereich kaum hörbar.

Auch die Bedienung passt dazu. Unterstützungsstufen lassen sich über das Display oder über die separate Remote am Lenker steuern. In der App kann zwischen drei und fünf Unterstützungsstufen gewählt werden. Das ist einfach, sinnvoll und im Alltag völlig ausreichend.


Fahrgefühl im Alltag: ein echter Allrounder
Das Fiido Nomads fährt sich wie eine Mischung aus City-Bike, Hardtail und Tourenrad. Genau das macht seinen Charakter aus. Auf Asphalt ist es stabil und komfortabel unterwegs, ohne nervös zu wirken. Die Sitzposition ist eher auf Übersicht und Langstreckentauglichkeit ausgelegt als auf Sportlichkeit. Der verstellbare Vorbau hilft dabei, die Haltung individuell anzupassen.
Zusammen mit den breiteren MTB-Reifen und der Federgabel ergibt sich ein Setup, das besonders auf alltäglichen Strecken überzeugt. Schlechte Radwege, Bordsteinkanten und Pendelwege sind damit gut machbar. Das Nomads wirkt erwachsen, berechenbar und nicht unnötig verspielt.

Die Federgabel ist einstellbar und kann auch gesperrt werden. Mit 120 mm Federweg sorgt sie für spürbaren Komfort auch auf schlechten Wegen und ist mit überzeugender Stabilität eines der besseren Modelle in dieser Preisklasse.
Wald und Adventure: breit einsetzbar, aber nicht sportlich
Auch abseits der Stadt passt das Konzept. Auf Schotter, Waldwegen und festen Feldwegen ist das Nomads gut aufgehoben. Die CST-Patrol-Reifen funktionieren auf wechselndem Untergrund ordentlich und versprühen zumindest mit dem Namen schonmal einen leichten Abenteuer-Einschlag.
Wichtig ist nur, die Erwartungen richtig zu setzen: Das Fiido Nomads ist kein E-MTB und kein Gravelbike. Es ist ein Touren-Allrounder mit Reserven für schlechten Untergrund. Wer genau das sucht, bekommt ein angenehm breites Einsatzfenster. Wer dagegen sportlich unterwegs sein will oder sich gelegentlich auf Trails wagen möchte, wird hier nicht glücklich.
Alltagsdetails: Blinker und Rücklicht
Das Blinkersystem ist im Betrieb angenehm gelöst. Die Tasten an der Remote sind beleuchtet, ein Druck aktiviert den Blinker, ein weiterer Druck deaktiviert ihn wieder. Das funktioniert intuitiv und im Fahralltag deutlich angenehmer als manch komplizierte Lösung anderer Hersteller.
Zu der Position der hinteren Blinker- und Rücklichteinheit habe ich allerdings widersprüchliche Gedanken. Eigentlich toll integriert, sitzt die Einheit ziemlich tief im Bereich der Ausfallenden. Im Stadtverkehr könnte das jedoch vor allem nachts, zwischen Autos oder mit Gepäck am Rad für Probleme hinsichtlich der Sichtbarkeit sorgen.

Wer hier gleich auf Nummer sicher gehen will, kann allerdings am Gepäckträger ein zusätzliches Rücklicht montieren. Hierfür ist eine Aufnahme vorgesehen, wodurch eine Nachrüstung beim Kauf Sinn ergibt.
Hupe und App: Ist das Nomads legal?
Entgegen den Vorgaben der StVZO ist auch eine Hupe verbaut, die sich allerdings in der App deaktivieren lässt. Wer im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs ist, sollte die Hupe daher deaktivieren, um eine Verwarnung zu vermeiden. Die App selbst bleibt insgesamt funktional. Neben der Wahl zwischen drei und fünf Unterstützungsstufen können noch Fahrdaten aufgezeichnet werden.
Theoretisch kann hierüber auch die Fiido Smartwatch eingerichtet werden, um das Bike zu entsperren. Da das in einem früheren Test nicht unbedingt gut funktioniert hat, habe ich das allerdings auch hier nicht ausprobiert. Mehrwert durch die App ist also generell vorhanden, ein umfassendes Smart-Bike-Erlebnis sollte man aber nicht erwarten.
Das Nomads besitzt eine ordentliche CE-Kennzeichnung, hat keine versteckten Tuning-Menüs und darf mit deaktivierter Hupe am deutschen Straßenverkehr teilnehmen. Alle Anforderungen an ein Pedelec sind daher erfüllt, das Fiido Nomads darf legal gefahren werden.

Gerappel auf rauem Untergrund
Auf gröberem Untergrund zeigen sich in meinem Test die Grenzen des Konzepts. Beim Überrollen von Bordsteinen, tiefen Schlaglöchern oder ruppigen Passagen kann es am Heck deutlich klappern. Verantwortlich sind nach meiner Einschätzung vor allem der Ständer und die Kette, die auf die Kettenstrebe schlägt.
Das ist nicht wirklich ein Mangel, aber neben einem Rücklicht sollten Käufer auch die Anschaffung von einem Kettenstrebenschutz einplanen. Ein paar Euro an der richtigen Stelle lösen das Problem wahrscheinlich dauerhaft. Wie die Strebe sonst schon nach wenigen Kilometern aussieht, kann man im Testvideo sehr gut sehen.
Größe und Ergonomie: Größe L nur für große Menschen
Ein wichtiger Punkt beim Kauf des Fiido Nomads ist die Rahmengröße. Die Angaben auf der Website können nämlich leicht zur falschen Rahmengröße führen. Bei meinem Test mit 1,80 m Körpergröße fällt die Größe L spürbar zu lang aus. Die Sitzposition ist hier bereits sehr gestreckt, weshalb ich diesen Rahmen eher für Fahrer ab etwa 1,85 bis 1,90 Meter empfehlen würde.
Wer darunter liegt, sollte sich das Fiido Nomads eher in der Größe M anschauen. Der verstellbare Vorbau hilft zwar bei der Feinjustierung der Sitzposition, kann eine falsche Rahmengröße aber nicht kompensieren.
Preis-Leistung: kein High-End, aber ein guter Tipp
Die entscheidende Frage beim Fiido Nomads lautet nicht, ob es ein Trekking-E-Bike für 3.000 oder 4.000 Euro ersetzen kann. Denn das wird schwierig. Die bessere Frage ist dagegen: Wie viel Touren- und Alltagsrad bekommt man hier für derzeit 1.399 Euro?
Bei der Antwort auf diese Frage schneidet das Nomads nämlich stark ab. Für vergleichsweise wenig Geld gibt es ein voll ausgestattetes E-Bike mit entnehmbarem Akku, harmonischem Heckmotor, ordentlicher Verarbeitung, integriertem Kabelmanagement und einem Einsatzbereich, der deutlich über reines City-Bike-Niveau hinausgeht.
Die Schwächen liegen weniger im Grundkonzept als in den letzten Details. Unterm Strich bleibt aber ein Rad, das ein erstaunlich guter Kompromiss aus verschiedenen Welten ist.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ hochwertiger Gesamteindruck | ⬇ Rücklicht und Blinker sitzen tief |
| ⬆ gut vormontiert | ⬇ Kette schlägt auf Strebe |
| ⬆ Akku mit Erweiterungsoption | ⬇ App-Funktionen überschaubar |
| ⬆ harmonischer Heckantrieb | ⬇ knapp 25 kg |
| ⬆ komfortables Fahrgefühl |
Fazit
Das Fiido Nomads ist ein tolles E-Bike für alle, die ein günstiges Trekking- und Tourenrad mit viel Ausstattung suchen. Es punktet mit einem starken Ersteindruck, guter Alltagstauglichkeit und einem vielseitigen Fahrgefühl.
Es ist allerdings kein Premium-Trekkingbike zum Kampfpreis. Wer mit kleinen Schwächen im Detail leben kann und die passende Größe wählt, bekommt mit dem Fiido Nomads eines der überzeugendsten Trekking-E-Bikes seiner Preisklasse. Erhältlich ist es direkt beim Hersteller für aktuell 1.399 Euro. Mit dem Rabattcode WATTMOVES50 gehen davon noch 50 Euro ab.











