Ausfahrbarer Walzenwischer statt Lappen, flache Bauweise ohne LiDAR-Turm und eine Station, die den Roboter nach jedem Einsatz mit 80 Grad heißem Wasser reinigt – der Narwal Flow will den Markt der Saug-Wischroboter aufmischen. Im Härtetest mit einer vierköpfigen Familie zeigt sich: Der Narwal Flow ist stur – und genau das macht ihn so gut. Meistens.
Erster Eindruck und Lieferumfang
Der Narwal Flow kommt vorbildlich verpackt. Das Auspacken fühlt sich nach Premium an: Die Spaltmaße von Roboter und Versorgungsstation sind minimal, die Gehäuse wirken wie aus einem Guss.
Wer von einem älteren Saugroboter mit LiDAR-Turm umsteigt, bemerkt sofort den Unterschied – der Flow ist mit 95 Millimetern Bauhöhe deutlich flacher und verzichtet auf den typischen Buckel auf der Oberseite.

Die Station erinnert optisch an einen formschönen, modernen Mülleimer und fügt sich damit besser ins Wohnbild ein als so manche kastenförmige Absaugstation der Konkurrenz. In der Höhe entspricht sie etwa einer Stuhlsitzfläche. Zwei separate Tanks – einer für Frischwasser, einer für Schmutzwasser – lassen sich von oben entnehmen und befüllen.


Die Einrichtung ist erfreulich unkompliziert. App herunterladen, per E-Mail anmelden, WLAN verbinden – fertig. Die App fragt nach Haustieren, Kindern und Teppichen im Haushalt und passt die Reinigungsstrategie entsprechend an. Eine Bedienungsanleitung ist zu keinem Zeitpunkt nötig.
So navigiert der Narwal Flow
Der Narwal Flow kombiniert eine Frontkamera mit einem rückseitig verbauten, rotierenden Laser. Auf den klassischen LiDAR-Turm, der bei vielen Konkurrenten mehrere Zentimeter aus dem Gehäuse ragt, verzichtet Narwal bewusst. Während der rückseitige Laser den Raum kartiert, erkennt die Frontkamera Hindernisse, Bodenbelag und Verschmutzungsgrad – und passt die Reinigungsstrategie in Echtzeit an.



Der Verzicht auf den Turm zahlt sich im Alltag aus. Wo mein bisheriger Roborock S7 regelmäßig an niedrigen Möbeln hängenbleibt oder gar nicht erst darunter passt, gleitet der Flow problemlos unter Bücherregale und Sessel. Beim ersten Einsatz ist die Begeisterung groß: Der Roboter verschwindet unter dem Bücherregal und kommt auf der anderen Seite sauber wieder heraus.


Die erste Kartierung dauert rund fünf Minuten für Küche und Wohnzimmer. Die Karte ist auf Anhieb korrekt, die Räume werden sauber voneinander getrennt. Auffällig: Der Flow ist dabei deutlich flotter unterwegs als ältere Saugroboter. Er rast geradezu über den Boden, ohne dabei Möbel zu rammen – die Kamera erkennt Hindernisse zuverlässig und der Roboter bremst rechtzeitig ab.
Socken auf dem Boden werden erkannt und umfahren. Türschwellen bis zu einer Höhe von etwa 2,5 Zentimetern stellen kein Problem dar – der Flow stellt sich hoch und fährt einfach drüber.

Narwal Flow im Familienalltag: Saugen und Wischen in einem Durchgang
Im Familienhaushalt mit zwei Kindern hat sich schnell ein Rhythmus eingespielt: Die Küche wird täglich gesaugt und alle 3 Tage gesaugt und gewischt, der Wohnbereich bekommt jeden dritten Tag eine Bodenpflege, die obere Etage einmal pro Woche. Die Station steht dort, wo am häufigsten gewischt wird – in der Wohnküche.

Der Narwal Flow bietet drei Modi: nur Saugen, erst Saugen dann Wischen, oder Saugen und Wischen in einem Durchgang. Letzteres ist die zeitsparendste Variante und im Alltag die meistgenutzte.
Die ausfahrbare Wischwalze ist dabei das eigentliche Highlight: An Wänden und Sockelleisten fährt der Roboter mit der rechten Seite entlang und fährt die Wischrolle seitlich aus. So kommt er fast bis an die Wand heran.

An Tischbeinen zeigt der Flow ebenfalls ein cleveres Verhalten: Der Roboter dreht sich so, dass die ausgefahrene Walze um das Bein herumwischt. Das funktioniert erstaunlich gut und sorgt dafür, dass auch um Stuhl- und Tischbeine herum sauber gewischt wird.
Die verbaute Kamera erkennt den Bodenbelag und passt auf dieser Grundlage die Reinigungsstrategie an. Auf dem Holzfußboden wischt der Flow mit weniger Wasser, auf Fliesen darf es etwas mehr sein. Die App zeigt zudem automatisch Hindernisse in der Karte an – die Couch erscheint als Symbol, erkannte Objekte werden sogar mit Foto dokumentiert.
Und wichtig für Teppichbesitzer: Die Teppicherkennung funktioniert zuverlässig. Im Test wird kein einziger Teppich nass, die Walze hebt rechtzeitig an.

Wischleistung: Die Walze im Praxistest
Die Walze ist das Herzstück des Narwal Flow. Statt eines flachen Wischtuchs, das über den Boden gezogen wird, rotiert eine zylindrische Walze mit 12 Newton Anpressdruck – das entspricht etwa 1,2 Kilogramm Gewicht auf dem Boden. Die Walze wischt mit bis zu 45 Grad warmem Wasser, hartnäckige Flecken werden bei Bedarf mehrfach überfahren, teilweise sogar rückwärts.

Für den Praxistest haben wir den Küchenboden mit einem realistischen Verschmutzungs-Mix präpariert: Haferflocken, Kürbiskerne, feines Hagebuttenpulver, verschütteter Cappuccino und angetrocknete Hoisin-Soße – also grob, fein, flüssig und klebrig in Kombination.


Im Automodus erkennt der Roboter die verschmutzte Stelle, wird merklich langsamer und schaltet die Saugleistung eigenständig auf die höchste Stufe. Nach dem ersten Durchgang fährt er selbständig zur Station, reinigt die Walze und kehrt nach etwa zwei Minuten von alleine zurück – gezielt zu den Stellen, die zuvor am stärksten verschmutzt waren.
Das Ergebnis: alles sauber, die klebrige Hoisin-Soße rückstandslos entfernt, kein Schmierfilm. Lediglich ein einzelner Kürbiskern in einer schwer erreichbaren Ecke bleibt übrig.


Hier zeigt sich die positive Seite seiner Sturheit: Der Roboter erkennt die Verschmutzung eigenständig, passt die Saugkraft an und startet nach der Walzenreinigung von sich aus einen Nachreinigungsdurchgang – er hört erst auf, wenn es wirklich sauber ist.
Die sogenannte DirtSense-Technologie funktioniert in der Praxis tatsächlich so, wie Narwal es verspricht. Die Walze sieht nach mehreren Wochen Nutzung übrigens noch aus wie am ersten Tag – die Selbstreinigung mit 80 Grad heißem Wasser in der Station hält sie sauber.
Hinweis: Die DirtSense-Technologie funktioniert nur im Automodus. In den manuellen Modi wird die Verschmutzung nicht erkannt und der Roboter startet keinen Nachreinigungsdurchgang.
Ein interessantes Konstruktionsdetail: Die Walze ist nur auf der linken Seite verankert. Haare wandern dadurch automatisch nach rechts und werden abgesaugt, statt sich um die Walze zu wickeln. Mangels Haustieren konnten wir das nicht mit Tierhaaren testen, aber die Funktion scheint durchdacht – nach mehreren Wochen hat sich nichts in der Walze verfangen.
Navigation, App und Hinderniserkennung
Die Narwal-App ist übersichtlich aufgebaut. Nach der Ersteinrichtung lassen sich Räume benennen, Sperrzonen definieren und Reinigungspläne für jeden Raum individuell einstellen. Die Echtzeitkarte zeigt während der Reinigung die Position des Roboters und die bereits gereinigten Flächen.



Der Flow unterstützt Alexa, Google Assistant und Siri Shortcuts – im Test hat die Alexa-Anbindung allerdings etwas Konfigurationsaufwand erfordert.
Eine besondere Funktion ist die Kamera-Fernsteuerung. Um sie zu nutzen, muss dreimal eine Taste am Roboter gedrückt und in der App ein vierstelliger PIN vergeben werden – Narwal nimmt den Datenschutz hier erkennbar ernst. Danach lässt sich der Roboter per Joystick-Steuerung durch die Wohnung fahren und liefert ein flüssiges Live-Bild in guter Qualität.
Alternativ kann ein Zielpunkt auf der Karte gesetzt werden, den der Roboter dann eigenständig anfährt. Von dort aus lässt sich eine Reinigung starten, ein Foto oder Video aufnehmen oder sogar eine einseitige Videokonferenz starten – man sieht und hört die Personen im Raum, wird selbst aber nicht dargestellt. Für Familien mit Haustieren oder Eltern, die nach dem Rechten sehen wollen, ist das ein nettes Extra.


Die Hinderniserkennung per Kamera arbeitet im Alltag zuverlässig. Das Frontlicht schaltet sich nur ein, wenn die Umgebungsbeleuchtung nicht ausreicht. Möbel werden sanft umfahren und nicht kaschiert.
Allerdings zeigt sich hier auch die Kehrseite seiner Sturheit. Der Flow fährt hin und wieder unter niedrige Möbel, deren Unterseite knapp über 95 Millimetern liegt – und bleibt dort stecken. Im Test passiert das an einem niedrigen Schrank und unter einer hängenden Toilette. Das Toiletten-Problem führt sogar zu einem kompletten Reset – alle Daten sind weg und der Roboter muss komplett neu eingerichtet werden.
Der Roboter fährt die problematische Stelle trotz Markierung in der App erneut an und versucht mehrfach, sich zu befreien, bevor er aufgibt. Die Lösung sind Sperrzonen, die sich in der App einfach einrichten lassen. Wer den Narwal Flow kauft, sollte deshalb direkt nach der ersten Kartierung alle kritischen Stellen mit Sperrzonen versehen – dann treten diese Probleme gar nicht erst auf.




Die Gehäuseoberseite zeigt nach mehreren Wochen ohne Sperrzonen deutliche Kratzer vom Unterfahren knapper Möbel. Das lässt sich vermeiden, wenn die Schutzzonen von Anfang an eingerichtet werden.
Der Roboter selbst weist leider nicht proaktiv darauf hin, dass eine Stelle knapp werden könnte – hier wäre ein automatischer Hinweis oder eine selbständig angelegte Sperrzone ein sinnvolles Feature für ein zukünftiges Update.
Tipp: Direkt nach der ersten Kartierung alle niedrigen Möbel und kritischen Stellen als Sperrzonen markieren. Das verhindert Kratzer und Festfahren von Anfang an.
Einen automatischen Etagenwechsel bietet der Flow leider nicht. Wer den Roboter auf einer anderen Etage einsetzen möchte, muss die Karte in der App manuell umschalten. Bis zu vier Karten lassen sich speichern, aber der Roboter erkennt beim Einschalten nicht von selbst, in welchem Raum er sich befindet. Im Alltag bei einem Haus mit mehreren Etagen nervt das etwas.
Station, Wartung und Lautstärke
Die Basisstation reinigt die Walze nach jedem Einsatz automatisch und trocknet sie anschließend mit Heißluft. Das klingt in etwa wie eine laufende Geschirrspülmaschine: nicht störend, aber im selben Raum wahrnehmbar.


Der Roboter selbst ist im normalen Modus erstaunlich leise. Im selben Raum lässt sich problemlos arbeiten oder telefonieren. Im Leise-Modus ist der Flow im Nebenzimmer praktisch nicht wahrnehmbar. Der Maximalmodus klingt dann allerdings wie ein normaler Handstaubsauger und ist für geräuschempfindliche Haushalte nur in Abwesenheit empfehlenswert.
Die Wartung ist nicht sonderlich umfangreich, erfordert aber Regelmäßigkeit. Der Schmutzwassertank sollte mindestens einmal pro Woche geleert werden – nach anderthalb Wochen riecht der Inhalt beim Öffnen sonst unangenehm. Ein Schwimmer verhindert das Überlaufen, eine LED signalisiert rechtzeitig den Füllstand.
Der Frischwassertank reicht je nach Flächengröße für ein bis zwei Reinigungsdurchgänge. Bei größeren Flächen fährt der Roboter zur Station zurück, um Wasser nachzufüllen.

Der Akku hält im Test problemlos durch. Nach 30 Minuten Reinigung zeigt die Anzeige noch rund 74 Prozent Restkapazität, nach über 50 Quadratmetern sind es noch etwa 65 Prozent. Für eine durchschnittliche Wohnung reicht das locker für einen kompletten Durchgang ohne Zwischenladen.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ starke Wischleistung | ⬇ bleibt unter niedrigen Möbeln hängen |
| ⬆ passt unter viele Möbel | ⬇ kein automatischer Etagenwechsel |
| ⬆ wischt bei Flecken nach | |
| ⬆ Walze reinigt sich selbst | |
| ⬆ wischt bis an Wände | |
| ⬆ leise im Normalmodus |
Fazit: Stur, aber gründlich
Ja, der Narwal Flow lohnt sich – vor allem für Haushalte, die das regelmäßige Wischen loswerden wollen. Seine Sturheit ist gleichzeitig seine größte Schwäche und seine größte Stärke: Er quetscht sich unter jedes Möbelstück, bleibt dort aber hängen. Gleichzeitig schrubbt er jeden Fleck weg, bis der Boden wirklich sauber ist.
Die Walzentechnologie ist der Wischleistung klassischer Wischtuch-Roboter spürbar überlegen, die flache Bauweise erschließt Flächen unter Möbeln, die andere Roboter nicht erreichen, und die Kombination aus Saugen und Wischen in einem Durchgang spart im Familienalltag echte Zeit.
Der fehlende automatische Etagenwechsel bei Häusern mit mehreren Stockwerken hält im Alltag etwas auf. Wer jedoch einen Saug-Wischroboter sucht, der auf einer Etage im täglichen Einsatz für saubere und blitzblanke Böden sorgen soll, bekommt mit dem Narwal Flow ein starkes Gesamtpaket. Den Narwal Flow gibt es aktuell für 899 Euro direkt bei Narwal – das sind 400 Euro unter der unverbindlichen Preisempfehlung von 1.299 Euro.














