Das ADO Air Carbon Pro sieht verdammt gut aus – und fährt sich erwachsen, kräftig und erstaunlich harmonisch. Vor allem die automatische Zweigangschaltung im Bafang-Heckmotor funktioniert im Test richtig gut. Genau so sollte sich ein möglichst unkompliziertes und alltagstaugliches E-Bike anfühlen. Ganz ohne Schwächen kommt das 2.499 Euro teure Faltrad allerdings nicht davon.
Ausgerechnet beim Falten wirkt manches nicht konsequent zu Ende gedacht. Und von den groß angekündigten Smart-Funktionen bleibt in der Praxis weniger übrig, als ich mir erhofft hatte. Warum das ADO Air Carbon Pro trotzdem ein richtig gutes kleines E-Bike ist, erfährst du in diesem Testbericht.
Fast komplett aufgebaut und richtig schick
Für ein Faltrad kommt das ADO Air Carbon Pro wunderbar verpackt und nahezu komplett vormontiert an. Entsprechend schnell ist es einsatzbereit. Schon beim Herausheben aus dem Karton fällt auf, wie leicht das kleine E-Bike ist.
Der Hersteller nennt 16,2 kg inklusive Serienausstattung. Nachgewogen kam mein Testrad auf knapp 17 kg und ist damit etwas schwerer als ADO verspricht. Bei etwa 800 g Unterschied ist das keine große Sache, etwas genauer könnte man das Gewicht, gerade bei einem Faltrad, dennoch angeben. Noch etwas leichter ist das ADO Air Carbon ohne Pro für 1.999 Euro.

Auffällig ist vor allem das Design. Der Carbonrahmen hat klare Linien, alle Kabel und Leitungen laufen sauber durch den Rahmen. Selbst Front- und Rücklicht sind so integriert, dass sie die aufgeräumte Optik nicht kaputtmachen. Gerade in Pearly White sieht das Air Carbon Pro aus meiner Sicht richtig gut und edel aus. Die schöne Licht-Integration kann allerdings auch Nachteile haben, wie Christian beim Test des ADO Air Ultra V2026 aufgefallen ist.



Trotz des minimalistischen Auftritts ist das ADO kein nacktes Lifestyle-Spielzeug. Schutzbleche, ein kleiner Seitenständer, Reflexstreifen an den Reifen und ein MIK-Gepäckträger sind bereits an Board. Auch die CE-Kennzeichnung ist ordentlich ausgeführt. Der Akku steckt wie bei anderen ADO-Modellen in der Sattelstütze und lässt sich zum Laden entnehmen. Die Stütze selbst ist abschließbar.


Ein paar Details passen für mich beim ersten Eindruck trotzdem nicht ganz zum Anspruch. Die Pedale lassen sich beispielsweise nicht einklappen. Bei einem Faltrad wäre das ein einfacher Weg, noch etwas Breite einzusparen. Klapppedale lassen sich zwar für kleines Geld nachrüsten, dennoch fällt mir das bei einem Rad dieser Preisklasse negativ auf. Zumal die meisten anderen ADO-Falträder, die wir bisher im Test hatten mit solchen Pedalen ausgestattet waren.

Auch der schicke Gepäckträger hat im Alltag einen Haken. Meine Ortlieb-Tasche bekomme ich nur mit entfernten Einsätzen und ziemlich viel Gewalt befestigt, weil die Streben zu dick für die Taschen-Halterung sind. Eine regelmäßige Montage der Tasche fällt somit raus. Man ist damit also doch schnell wieder entweder vom Rucksack abhängig oder auf MIK-kompatibles Zubehör angewiesen. Grundsätzlich darf der Träger mit bis zu 15 kg belastet werden.

Automatik und Riemen: Fahren ist herrlich unkompliziert
Die große Überraschung im Test ist für mich der Antrieb. Im Hinterrad arbeitet der Bafang H700 mit 250 Watt, 50 Nm Drehmoment und integrierter automatischer Zweigangschaltung. Frühere Versionen dieses Systems waren aus meiner Sicht noch nicht immer perfekt abgestimmt, was mich im Test vom ADO Air 30 leicht gestört hat. Im Air Carbon Pro funktioniert das inzwischen richtig gut.
Man muss sich dennoch kurz daran gewöhnen, dass das Fahrrad selbst schaltet. Danach fällt die Automatik kaum noch auf – und das ist positiv. Sie trifft zuverlässig den passenden Gang und arbeitet so harmonisch, dass sie nicht nervt, sondern echten Mehrwert bringt. Aufsteigen, losfahren und um nichts weiter kümmern: Das ADO kommt dem versprochenen Rundum-sorglos-Faltrad damit ziemlich nahe.


Der Carbon-Riemen passt ebenfalls zu diesem Charakter. Er läuft leise, braucht wenig Pflege und hält die Hose sauber. Auch der Motor bleibt akustisch angenehm im Hintergrund. Nur wenn man genau hinhört, ist er wahrnehmbar. Insgesamt ist das Air Carbon Pro ein sehr unaufdringliches und leises E-Bike.

An Kraft fehlt es dem kleinen Heckmotor ebenfalls nicht. Meinen ziemlich steilen Testberg hat das ADO im Eco-Modus auf Stufe zwei mit dauerhaft über 20 km/h bewältigt. Darüber steht sogar noch ein Sportmodus bereit. Der Wechsel zwischen Eco und Sport geht allerdings nur über die Smartphone-App. Zumindest hab ich während der Testphase keine andere Möglichkeit herausgefunden. Innerhalb der Modi lassen sich drei oder fünf Unterstützungsstufen auswählen, um die Unterstützung noch feiner dosieren zu können. Die Drei-Stufen-Variante reicht im Alltag aber völlig aus.

Agil, sportlich und ziemlich erwachsen
Ein kleines Faltrad kann sich schnell nervös oder beengt anfühlen. Auf dem ADO AIR Carbon Pro merkt man davon eher nichts. Durch das geringe Gewicht fährt es sich agil, spritzig und dynamisch. Schon in der ersten Eco-Stufe kommt es angenehm in Fahrt, ohne hektisch loszumarschieren. Die hydraulischen Tektro-Bremsen passen ebenfalls zum insgesamt guten Eindruck und liefern zuverlässige und ausreichende Verzögerung.
Mit meinen 1,80 Metern sitze ich ordentlich auf dem Rad und habe genug Platz. Die Sattelstütze lässt sich sogar noch deutlich weiter herausziehen, weshalb auch größere Fahrer gut zurechtkommen dürften. ADO gibt einen Größenbereich von 1,50 bis 2,00 Meter an. Ob zwei Meter Körpergröße auf dem kleinen Faltrad noch passen, würde ich aber zumindest mit einem Fragezeichen versehen.

Insgesamt wirkt das Air Carbon Pro beim Fahren weniger wie ein Kompromiss fürs Wohnmobil oder die absolut letzte Meile und mehr wie ein richtiges E-Bike, das sich eben zusätzlich kleinmachen lässt. Hier liegt für mich gleichzeitig auch seine größte Stärke.
Faltmechanismus funktioniert, ist aber nicht ganz zu Ende gedacht
Grundsätzlich lässt sich das ADO unkompliziert falten. Der Lenker klappt herunter, der Rahmen wird am Hauptscharnier zusammengelegt und ein Magnet hält Vorder- und Hinterrad anschließend beieinander. Die Scharniere wirken stabil, nichts wackelt. Für Kofferraum oder Wohnmobil entsteht so ein ordentlich kompaktes Paket.


Bei genauerem Hinsehen gibt es aber mehrere Punkte, die ich bei einem Faltrad, das deutlich über 2.000 Euro kostet anders gelöst hätte – oder mir anders gewünscht hätte. Damit das zusammengeklappte Bike selbstständig stehen kann, muss die Sattelstütze ganz nach unten geschoben werden. Dabei ist die Riemenscheibe nur noch ganz knapp über dem Boden. Wird das Rad oft gefaltet und steht beispielsweise am Bahnsteig rum, hätte ich Sorge, dass die Riemenscheibe hierbei doch mal was abbekommt. Damit das auf Dauer gut geht, ist daher etwas Sorgfalt angesagt.

Zudem muss die Sattelstütze heruntergeschoben werden, bevor man den Rahmen zusammenklappt. Ansonsten geht der Sicherungshebel der Sattelstütze nicht mehr auf, weil die zweite Fahrradhälfte im Weg ist. Hätte ADO das Scharnier andersherum montiert, wäre dieses Problem vermutlich gar nicht entstanden.



Ähnlich sieht es am Lenker aus. Im gefalteten Zustand geht die Lenkstange nicht sauber an der Gabel vorbei. Mit einem Lenker, der nur einen Zentimeter höher wäre, hätte das Paket noch kompakter werden können. Keiner dieser Punkte mach das AIR Carbon Pro als Faltrad unbrauchbar. Wer das ADO hauptsächlich fürs Wohnmobil oder gelegentlich für den Kofferraum zusammenlegt, wird damit keine Probleme haben. Für tägliches Pendeln mit häufigem Falten könnte die Konstruktion aus meiner Sicht technisch aber ausgereifter sein.

GPS-Ortung & NFC-Entsperrung
ADO packt eine ganze Reihe smarter Funktionen in das Air Carbon Pro. Die Kopplung mit der App funktioniert im Test problemlos. Über eine mitgelieferte NFC-Karte lässt sich das Bike schnell entsperren. Laut ADO soll das auch per Smartphone funktionieren. Ich konnte diese Funktion im Test allerdings nicht einrichten. Wenn ich mein iPhone an das Display halte, öffnet sich lediglich das Wallet. Zudem liefert ADO nur eine NFC-Karte mit, hat aber die Möglichkeit insgesamt drei zu konfigurieren. Auch im Test des ADO Air Ultra V2026 hat das schon nicht geklappt.

Wirklich sinnvoll dagegen ist die integrierte GPS-Ortung. Die App zeigt den korrekten Standort des Fahrrads an und kann bei der Navigation zurück zum Rad helfen. Zusätzlich lässt sich ein virtueller Bereich festlegen. Wird das ADO daraus bewegt, schickt die App eine Warnung. Auch bei ungewöhnlich hoher Geschwindigkeit – beispielsweise wenn jemand das Rad in einem Transporter Richtung Landesgrenze bewegt – kann eine Push-Nachricht ausgelöst werden. Solche Funktionen haben bei anderen ADO-Modellen bereits gut funktioniert und sind ein echter Mehrwert.

Navigation ist leider nicht praxistauglich
Mit der Navigation werde ich dagegen nicht warm. Grundsätzlich ist die Anzeige besser als bei älteren ADO-Modellen: Das Display zeigt Abbiegepfeile, die nächste Abbiegestelle und die Entfernung zum Ziel. Die Daten basieren zudem auf Google Maps.

In der Praxis zählt die Entfernungsanzeige bei mir aber nicht passend zur aktuellen Position herunter. Statt einer wirklich geführten Navigation steht dort beispielsweise nur, dass die nächste Abbiegung einen Kilometer entfernt ist. Einen Kilometer während der Fahrt selbst abzuschätzen, ist aber wenig hilfreich bis unmöglich. Rudimentär funktioniert die Navigation daher, wirklich nützlich ist sie aber nicht.
Schade ist außerdem die Erfahrung beim Einrichten, die mich als Käufer des Bikes stören würde: ADO legt insgesamt drei Anleitungen bei. Alle drei erklären aber nur das grundsätzliche Setup für Montage und App-Verbindung. Eine Erklärung, wie man die verschiedenen Funktionen nutzt, fehlt. Gerade bei GPS, Geofencing, NFC und den unterschiedlichen Fahrmodi wäre eine vernünftige Erklärung angebracht.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ Sehr harmonischer und kräftiger Antrieb | ⬇ Faltmechanismus nicht konsequent zu Ende gedacht |
| ⬆ Automatische Zweigangschaltung funktioniert hervorragend | ⬇ Navigation im Alltag kaum nützlich |
| ⬆ Leicht, agil und auch für große Fahrer geeignet | ⬇ Entsperren per Smartphone-NFC funktionierte im Test nicht |
| ⬆ Hochwertiges, aufgeräumtes Design | ⬇ Ortlieb-Taschen passen nicht an den Gepäckträger |
| ⬆ Riemenantrieb und entnehmbarer Akku | ⬇ Pedale nicht klappbar |
| ⬆ GPS-Ortung und Diebstahlwarnung integriert | ⬇ Anleitung erklärt die Smart-Funktionen kaum |
Fazit zum ADO Air Carbon Pro
Das ADO Air Carbon Pro ist ein richtig gutes Faltrad – nur nicht unbedingt wegen der Funktionen, mit denen ADO am lautesten wirbt. Die große Stärke liegt im Fahren. Der kräftige Bafang-Heckmotor, die hervorragende Zweigangautomatik und der leise Riemenantrieb ergeben ein wunderbar unkompliziertes Gesamtpaket. Dazu kommen das geringe Gewicht, die erwachsene Sitzposition und ein Design, das sich wirklich sehen lassen kann.
Die Smart-Funktionen sind gemischt. GPS-Ortung und Diebstahlwarnungen gefallen mir, die Navigation bringt in der aktuellen Form wenig und das Entsperren per Smartphone-NFC funktionierte bei mir gar nicht. Auch der Faltmechanismus ist stabil und grundsätzlich brauchbar, wirkt an mehreren Stellen aber nicht vollständig zu Ende gedacht.
Für 2.499 Euro darf man darüber diskutieren, ob man diese Schwächen in Kauf nehmen will. Wer täglich am Bahnhof faltet, große Seitentaschen nutzt oder vor allem wegen der Navigation kauft, sollte genau hinschauen. Wer dagegen ein leichtes, schickes E-Faltrad mit sehr guten Fahreigenschaften für Wohnmobil, Kofferraum oder den unkomplizierten Alltag sucht, bekommt mit dem ADO Air Carbon Pro ein wirklich starkes kleines E-Bike. Mit dem Rabattcode WATTMOVES bekommst du 30 Euro Rabatt auf die Bestellung. ADO ist eine chinesische Firma mit Direktvertrieb, hat aber mittlerweile auch einen Standort in Düsseldorf.







