Den Wocheneinkauf transportieren, ohne anschließend ein sperriges Lastenrad unterbringen zu müssen? Dafür entwickelt Deruiz gerade das Urban Camel. Wir haben den kompakten Prototyp zufällig beim Hersteller gesehen.
Klappbarer Korb spart Platz beim Abstellen
Auf dem Rückweg vom Supermarkt ist ein großer Korb am Fahrrad praktisch. Auf dem Weg zur Arbeit bleibt er dagegen häufig leer und nimmt am Stellplatz viel Raum ein. Beim Urban Camel, das derzeit noch als Prototyp behandelt wird, lässt sich der Korb deshalb einklappen. Das kann etwa im engen Innenhof helfen, wenn neben dem Fahrrad noch Platz zum Vorbeigehen bleiben soll.
Die Idee erinnert an die kompakten Lastenräder von Muli. Auch das Urban Camel wirkte bei unserem Shop-Besuch am 15. Oktober deutlich weniger ausladend als viele andere Cargo-Bikes. Es könnte deshalb Menschen ansprechen, die regelmäßig Lasten, Kinder oder Hunde transportieren möchten, aber keinen großzügigen Stellplatz haben.
Erstmals öffentlich gezeigt wurde das Cargobike wohl Anfang des Jahres auf der Velofollies in Belgien. Offizielle Produktankündigungen gab es bisher aber nicht.
Deruiz plant für sein Lasten-E-Bike außerdem eine modulare Frontplattform mit austauschbaren Aufbauten. Der Nutzen liegt in der Anpassung an unterschiedliche Transportaufgaben. Die Ladefläche wäre damit nicht dauerhaft auf einen einzigen Aufbau festgelegt. Welche Varianten genau angeboten werden, steht noch nicht fest. Ganz ohne Korb hätte das Bike außerdem Reserven für sperriges Gepäck.

Extrem hohe Zuladung: Urban Camel erreicht Top-Werte
Was das Urban Camel außerdem interessant macht, ist das zulässige Gesamtgewicht. Im Deruiz Shop standen 240 kg auf dem Factsheet, in einem uns vorliegenden, vorläufigen Datenblatt stehen sogar 250 kg. Viel mehr vertragen auch große Lastenräder häufig nicht.
Zum Gesamtgewicht zählen Fahrrad, Fahrer, Zubehör und Ladung. Die Ausstellung beim Händler nannte für das Lastenrad selbst ein Eigengewicht von 42 kg. Rechnet man mit diesem Wert und einem 90 kg schweren Fahrer, bleiben je nach Gesamtgewichtsgrenze noch 108 kg bis 118 kg Zuladung. Für einen großen Wocheneinkauf oder den regelmäßigen Kita-Express ist das mehr als eine große Reserve. Auch schwerere Fahrer hätten noch reichlich Spielraum.
Aber Vorsicht: Im vorläufigen Datenblatt ist ein Bruttogewicht von 66 kg ausgewiesen. Diesen Wert halten wir allerdings für wenig realistisch. Das E-Muli wiegt beispielsweise etwa 35 kg, ein Babboe Dog-E (zweispuriges Lastenrad mit großer Box und drei Rädern) etwa 72 kg.
Das zulässige Gesamtgewicht ist dennoch ungewöhnlich hoch. Zum Vergleich: Das ähnlich aufgebaute E-Lastenrad Muli Motor st ist für nur 200 kg Gesamtgewicht ausgelegt, viele große Lastenräder liegen ebenfalls im Bereich des Urban Camel.
Kräftiger Mittelmotor und ein Akku mit 720 Wh?
Deruiz plant für das Urban Camel einen Mittelmotor mit 110 Nm Drehmoment. Der Hersteller vermarktet das als ZentriDrive-System, im Kern basiert die Hardware auf Gobao Motoren. Für ein kompaktes Lastenrad ist das ebenfalls eine kräftige Auslegung und könnte beim Anfahren mit schwerer Ladung sowie an Steigungen helfen.
Der vorgesehene Akku mit Samsung-Zellen fasst 720 Wh. Deruiz nennt damit eine Reichweite von 60 bis 100 km. Für tägliche Einkaufs- und Arbeitswege verspricht das einen brauchbaren Puffer, ohne nach jeder kurzen Fahrt laden zu müssen.
Preis liegt vermutlich unter 4.000 Euro
Deruiz erwartet derzeit einen Preis von etwa 3.500 bis 4.000 Euro. Mit diesem Preis könnte Deruiz sicher auch Käufer erreichen, denen ein E-Lastenrad bislang zu teuer war. Gemessen an der geplanten Ausstattung wirkt der Preis attraktiv: Zum Konzept sollen außerdem eine Federgabel und eine absenkbare Sattelstütze gehören.
Derzeit befindet sich das Urban Camel nach eigenen Angaben noch in der Testphase. Ausstattung und Preis sind vorläufig, ein Liefertermin steht ebenfalls noch nicht fest. Deruiz ist zwar noch jung, aber kein Unbekannter in der Branche. In einem ADAC-Test aus 2024 holte das Deruiz Quartz in einer Gruppe aus Tiefeinsteigern unter 2.000 Euro den Testsieg.








