Der E-Bike-Markt ist 2025 leicht geschrumpft. Eine kleine Kategorie fährt jedoch gegen den Trend: In Deutschland wurden 29.300 E-Gravelbikes verkauft – rund 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Trotzdem bleibt E-Gravel mit 1,5 Prozent Marktanteil eine Nische. Was steckt hinter dem auffälligen Wachstum?
43 Prozent Wachstum – aber von kleiner Basis
Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) meldet für 2025 rund 29.300 verkaufte E-Gravelbikes. 2024 waren es 20.500. Das entspricht einem Plus von rund 43 Prozent, während der E-Bike-Gesamtmarkt leicht nachgab.
Die hohe Wachstumsrate braucht allerdings Kontext: E-Gravel kam 2025 nur auf 1,5 Prozent des E-Bike-Absatzes. Von einem Massenmarkt kann also keine Rede sein.
Interessant ist auch der Blick auf Gravel insgesamt. Unmotorisierte Modelle legten von 117.000 Rädern 2024 auf 175.000 im Folgejahr zu. Zusammen kamen Gravelbikes und E-Gravelbikes damit auf gut 204.000 verkaufte Räder. E-Gravel wächst nicht isoliert, sondern als Teil eines breiteren Gravel-Aufschwungs. Für eine langfristige Trendlinie ist es dennoch zu früh: Erst seit 2024 weist der ZIV E-Gravel separat aus.
Warum E-Gravel attraktiver wird
Gravelbikes sind längst mehr als Rennräder mit breiteren Reifen. Die Bandbreite reicht vom schnellen Race-Gravel über Adventure-Bikes bis zu Modellen für Alltag und Bikepacking. Das macht sie vielseitig – aber auch zum bewussten Kompromiss.
Leichte Antriebe erhalten sportlichen Charakter
Leichte und kompakte Antriebe wie Bosch Performance Line SX, FAZUA RIDE 60 oder Specialized Turbo SL 1.2 sollen weniger nach klassischem, schwerem E-Bike wirken. Im Mittelpunkt steht nicht maximale Motorkraft, sondern Unterstützung dann, wenn sie gebraucht wird.
Für solche Systeme hat sich in der Branche der Begriff „Minimal Assist“ etabliert: Der Motor unterstützt bewusst zurückhaltend und soll das natürliche Fahrgefühl möglichst wenig überdecken. Das passt zum sportlichen Anspruch vieler Gravel-Fahrer.
Dazu gehört auch, wie frei sich das Rad darüber hinaus pedalieren lässt. Beim FAZUA RIDE 60 beispielsweise entkoppelt das System oberhalb der Unterstützungsgrenze laut Hersteller vollständig. Dadurch soll kein zusätzlicher Tretwiderstand durch den Motor entstehen.
Konzept liegt zwischen Rennrad und Mountainbike
Ein Gravelbike sitzt bewusst zwischen Rennrad und Mountainbike. Auf Asphalt ist ein Rennrad konsequenter. Auf technisch anspruchsvollen Trails bieten Mountainbikes mehr Kontrolle, Federweg und Reserven. Ein Gravelbike verbindet Asphalt, Feldwege, Schotter, leichte Trails, Pendelstrecken und lange Touren.
Der Motor erweitert dieses Konzept. Auf langen Anstiegen, bei Gegenwind oder in Gruppen mit Leistungsunterschieden kann er Belastungsspitzen abfedern, ohne ständig maximal zu unterstützen. Das sportliche Fahrgefühl soll dabei erhalten bleiben.
Damit kann E-Gravel auch Menschen ansprechen, die nach einer Trainingspause, mit zunehmendem Alter oder aufgrund körperlicher Einschränkungen längere Touren nicht mehr vollständig aus eigener Kraft fahren möchten. Welche Motive E-Gravel-Käufer tatsächlich antreiben, ist bislang allerdings kaum untersucht.
E-Gravelbikes werden vielseitiger
Wie breit das E-Gravel-Konzept inzwischen geworden ist, zeigen aktuelle Modelle: Sie reichen vom sportlichen Allroad-Bike über alltagstaugliche Varianten mit Gepäcklösung bis zu deutlich offroad-orientierten Rädern.
Specialized stattet das Turbo Creo 2 je nach Variante mit einem Future-Shock-System mit 20 Millimetern Federweg aus. Das CUBE Nuroad Hybrid C:62 steht mit Gepäckträger-Aufnahmen an Heck und Gabel exemplarisch für Alltag und Bikepacking. Bei den FE-Versionen ist der Heckgepäckträger sogar bereits montiert.
Canyon setzt beim Grizl:ONfly auf eine RockShox-Rudy-Federgabel mit 40 Millimetern Federweg und damit einen deutlichen Offroad-Akzent. Zum E-MTB werden diese Räder dadurch trotzdem nicht. Für technisch anspruchsvolle Trails bieten E-MTBs deutlich mehr Federweg und Reserven.
E-Gravel bleibt vergleichsweise teuer
Der durchschnittliche E-Bike-Verkaufspreis lag 2025 bei 2.550 Euro. Viele E-Gravelbikes etablierter Sportmarken kosten deutlich mehr. Die hier genannten Modellfamilien beginnen – abhängig von Variante, Modelljahr und aktuellen Aktionen – ungefähr im Bereich von 4.000 bis 5.000 Euro. Hochwertige Ausführungen reichen deutlich darüber hinaus.
Der Vergleich hat Grenzen: Im Marktdurchschnitt stecken auch viele günstigere City-, Trekking- und Alltagsmodelle. Trotzdem zeigt er, dass E-Gravel bislang eher ein hochpreisiges Spezialsegment ist.
Fazit: Starkes Wachstum, aber noch kein Durchbruch
E-Gravel profitiert vom Gravel-Aufschwung und von leichteren Antrieben, die den sportlichen Charakter besser erhalten. Das erklärt, warum die Kategorie für mehr Käufer interessant werden kann.
Die Verkaufszahlen zeigen bislang jedoch vor allem Bewegung in einer kleinen Nische: 43 Prozent Wachstum klingen spektakulär, 1,5 Prozent Marktanteil relativieren den Eindruck. Ob E-Gravel dauerhaft aus der Exotenecke herausfährt, müssen die kommenden Jahre zeigen.











