Junge Erwachsene holen beim E-Bike deutlich auf: In einer von E.ON beauftragten Erhebung stieg der ausgewiesene Anteil der 18- bis 29-Jährigen mit E-Bike oder Pedelec binnen eines Jahres von 19,4 auf 27,2 Prozent. Das sind 7,8 Prozentpunkte mehr – und relativ gerechnet ein Plus von rund 40 Prozent. Eine zweite Studie weist in dieselbe Richtung – doch was hat sich verändert?
Deutlicher Anstieg, aber noch kein Boom
Der E.ON Energieatlas hat auf Basis einer Civey-Onlinebefragung den Besitzanteil innerhalb der Altersgruppe von 18- bis 29-Jährigen untersucht. Dabei gaben zusätzlich 23,3 Prozent der Befragten an, im kommenden Jahr den Kauf eines E-Bikes oder Pedelecs zu planen.
Die Zahlen sind auffällig, ihre Aussagekraft hat aber Grenzen. Die Befragung lief nach Angaben zur Erhebung vom 8. bis 23. Juli 2026. Je nach Frage nahmen bis zu 30.000 Erwachsene teil. Die Angaben zur Nutzung basieren auf Antworten von 2.500 E-Bike- und Pedelec-Besitzern. Wie viele 18- bis 29-Jährige hinter dem Wert von 27,2 Prozent stehen und wie exakt die Frage formuliert war, wird in den öffentlich zugänglichen Angaben nicht ausgewiesen. Der Trend ist jedoch deutlich sichtbar.
Denn auch der vom Bundesverkehrsministerium geförderte Fahrrad-Monitor 2025 stützt den Befund: Bei den 20- bis 29-Jährigen stieg der Anteil derjenigen, die ein Pedelec im Haushalt haben und selbst nutzen, von 14 Prozent 2023 auf 20 Prozent 2025.
Direkt vergleichbar sind die Werte nicht, weil E.ON den Besitz erfasst, der Fahrrad-Monitor dagegen die eigene Nutzung eines im Haushalt vorhandenen Pedelecs. Was den Anstieg verursacht, wurde jedoch in keinen der beiden Erhebungen untersucht.
Ein möglicher Faktor ist das breitere Angebot: Neben klassischen Komfort- und Trekkingrädern gibt es heute schlanke Urban-Bikes, leichte E-MTBs und sportliche Modelle, bei denen Motor und Akku optisch kaum auffallen.
Breiteres Angebot: Das E-Bike wird vielseitiger
Wie groß diese Bandbreite inzwischen ist, zeigen zwei wattmoves-Tests. Das urbane Tenways CGO600 Pro verbindet einen zurückhaltenden Look mit alltagstauglicher Ausstattung. Das nur rund 13 Kilogramm leichte Fiido Air fährt sich noch sportlicher und liegt zwischen Urban- und leichtem Gravel-E-Bike. Beide Beispiele zeigen: Ein E-Bike muss heute weder schwer noch behäbig wirken.
Leichte Modelle unter 20 Kilogramm sind zudem längst nicht mehr ausschließlich im Premiumsegment zu finden. Unsere Übersicht zu leichten und günstigen E-Bikes zeigt mehrere von uns getestete Modelle unter 2.000 Euro. Das macht solche Räder für jüngere Käufer nicht automatisch erschwinglich, senkt aber die Einstiegshürde.
ADAC-Stiftung: Was ist der Gen Z wichtig?
Eine 2025 veröffentlichte Studie der ADAC-Stiftung unter 16- bis 27-Jährigen nennt vor allem Schnelligkeit, Verlässlichkeit, Kosten und Flexibilität als zentrale Anforderungen an Mobilität. Die Stiftung fasst die Erwartung so zusammen: Die Gen Z erwarte „konkrete, alltagstaugliche Lösungen“.
Ein E-Bike kann mehrere dieser Anforderungen erfüllen – vor allem auf Pendelstrecken und in Kombination mit Bus und Bahn. Dass E-Bikes Autofahrten ersetzen können, zeigt auch die E.ON-Erhebung: 40,4 Prozent der befragten E-Bike- und Pedelec-Besitzer gaben an, damit Strecken zurückzulegen, für die sie sonst das Auto genutzt hätten. Der Wert gilt allerdings für alle befragten Besitzer und nicht speziell für junge Erwachsene.
Dienstradleasing senkt die Hürde
Auch der Zugang hat sich verändert. Einer 2026 veröffentlichten Marktstudie von Deloitte und Zukunft Fahrrad zufolge hatte 2025 rund die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland Zugang zu Dienstradleasing. Beschäftigte können ein E-Bike damit über den Arbeitgeber leasen, statt den gesamten Kaufpreis auf einmal zu zahlen.
Für Berufseinsteiger kann das hochwertige Modelle leichter erreichbar machen. Studierende, Auszubildende ohne entsprechendes Arbeitgeberangebot oder Menschen mit geringem Einkommen profitieren davon dagegen nicht automatisch. Dienstradleasing ist deshalb ein plausibler Teil der Erklärung, aber kein Beleg für den gemessenen Anstieg bei allen 18- bis 29-Jährigen.
Das Altersimage bröckelt – Ursachen bleiben offen
Von einem Jugendboom zu sprechen, wäre derzeit noch verfrüht. Das E-Bike gewinnt bei jungen Erwachsenen aber sichtbar an Boden. Leichtere und sportlichere Modelle, ihre Eignung für den Alltag und neue Finanzierungswege passen zu den Mobilitätsansprüchen vieler Jüngerer. Welche Faktoren tatsächlich den Ausschlag geben, müssen weitere Daten erst zeigen. Klar ist schon jetzt: Das E-Bike ist für junge Erwachsene längst mehr als eine Randerscheinung.











