Beim Rivian-Ableger ALSO. überträgt das Unternehmen viele Ideen aus der Welt der Elektroautos auf zwei Räder. Das neue TM-B zeigt, wie weit dieser Ansatz reicht und denkt das E-Bike als Fahrzeug – zumindest in den USA. Wie bei einigen anderen Konzepten fehlt beispielsweise die mechanische Verbindung zwischen Pedalen und Hinterrad.
ALSO. denkt das E-Bike wie ein Elektroauto
Der Plan dahinter: ALSO. behandelt sein erstes E-Bike nicht einfach als normales Rad mit Elektromotor. Stattdessen entsteht eine vernetzte Fahrzeugplattform, bei der Software, Akku und elektronische Steuerung Funktionen übernehmen, die klassische E‑Bikes nicht bieten.
Am deutlichsten zeigt sich diese Denkweise beim Antrieb. Beim Treten speist der Fahrer nur einen Generator, der elektrische Energie erzeugt. Ein separater Motor sorgt anschließend für den Vortrieb. Die Pedale treiben das Rad also nicht mehr direkt an.
Dieses Drive-by-Wire-Konzept ist vor allem bei E-Autos bekannt. Aber auch einige Konzepte im E-Bike-Bereich wie OYO, Schaeffler Free-Drive oder der auf der CES gezeigte Mag Drive sind diesen Weg bereits gegangen.
Neue Möglichkeiten durch mechanische Entkopplung
Diese Antriebsform schafft grundsätzlich neue Möglichkeiten, die etwa eine herkömmliche Schaltung gar nicht bieten kann. Die Software des TM-B kann beispielsweise eine bevorzugte Trittfrequenz halten und dabei elektronische Gangwechsel nachbilden.
Steigungen erkennt das System laut Hersteller ebenfalls und passt die Unterstützung entsprechend automatisch an. Das System kann außerdem rekuperieren, wodurch beim Bremsen Energie zurück in den Akku fließt.
Die Kehrseite ist die technische Komplexität. ALSO. ersetzt eine vergleichsweise einfache mechanische Verbindung durch Generator, Motor, Akku und Software. Das komplexe Konzept muss im Alltag deshalb noch beweisen, ob die Auto-DNA im E-Bike mehr als nur eine technische Spielerei ist. Bisher haben sich solche Konzepte in Deutschland noch nicht flächendeckend durchgesetzt.
Wo der Trend wohl hingeht, zeigte aber auch Avinox auf der diesjährigen Eurobike mit dem neuen MG-Concept-Mittelmotor, der ähnliche Features bietet, aber nach wie vor auf eine mechanische Verbindung zum Hinterrad setzt.

Neues TM-B wird ohne Werkzeug zum Lastenrad
Auch beim restlichen Aufbau folgt das TM-B einer Plattformidee. Der obere Rahmenteil kann ohne Werkzeug gewechselt werden. Nimmt man das Sattelrohr ab, kann beispielsweise ein Modul mit zusätzlicher Sitzbank eingeklickt werden. So wird aus dem klassischen Fahrrad ein kleines Lastenrad.
Beim Akku setzt ALSO. ebenfalls auf mehr als eine reine Stromversorgung fürs Bike. Im Angebot sind 538 oder 808 Wh Kapazität, geladen wird mit bis zu 240 Watt per USB-C. Die Batterie kann zudem Notebook, Kamera oder Drohne mit Energie versorgen. GPS, App-Anbindung, automatische Verriegelung und Software-Updates sind ebenfalls an Bord. Ein ähnliches Akku-Konzept verfolgt auch Ziggy-Bike aus Großbritannien, Lemmo setzt es bereits in Serie um.
TM-B ist teuer und schwer
Ganz ohne Nachteile ist die Vielseitigkeit beim ALSO. TM-B aber nicht. Je nach Ausführung wiegt das Utility-Bike 40 bis 43 kg. Hinzu kommt der hohe Preis: Die Launch Edition kostet in den USA ab 4.500 US-Dollar, eine Basisversion mit schwächerem Akku gibt es ab 3.500 US-Dollar.
Europa-Version in abgespeckter Variante
Weshalb solche Konzepte bisher, zumindest hierzulande, weniger Anklang finden, liegt sicher auch an der Pedelec-Gesetzgebung der EU. Für den amerikanischen Markt deckt das TM-B ein breiteres Einsatzfeld ab. Dort ist es nämlich als Class-3-E-Bike mit gewaltigen 180 Nm, einer Unterstützung bis umgerechnet ca. 45 km/h und auf Wunsch mit Daumengas erhältlich. Speziell für Europa plant der Hersteller ein weniger potentes E-Bike mit Unterstützung bis 25 km/h. Einen Termin sowie einen Preis für das abgespeckte EU-Modell gibt es aber noch nicht.












