E-Bike-Nachrüst-Kits versprechen, aus einem normalen Fahrrad mit wenig Aufwand ein E-Bike zu machen. Die meisten davon scheitern jedoch aus technischen Gründen: Reibrollenantriebe gelten als ineffizient, laut und unzuverlässig, vor allem bei Nässe. Ein neues System namens Kamingo will es besser machen.
Kamingo E-Bike-Kit: Leicht, modular und drucksensitiv
Das Kamingo-Nachrüst-Kit für Fahrräder besteht aus Motor, Akku und Bedieneinheit und wiegt nur rund 2,3 Kilogramm. Die Komponenten lassen sich ohne Spezialwerkzeug am Rad befestigen. Der nur 900 Gramm leichte Motor sitzt über dem Hinterrad, der Akku wird in den Flaschenhalter gesteckt und der Controller kommt an den Lenker. Im Alltag soll sich das System in unter zehn Sekunden anbringen oder abnehmen lassen. Laut Hersteller ist es mit den meisten gängigen Fahrradrahmen kompatibel.
Der große Unterschied zu bestehenden Umbau-Kits liegt in der automatischen Druckregelung. Mit der eigens entwickelten Pressure-Adaptive-Technology passt Kamingo den Anpressdruck der Reibrolle in Echtzeit an. Ein Sensor erkennt dabei, wie stark der Kontakt zum Reifen ist und reguliert die Kraft entsprechend.
So soll jederzeit sichergestellt sein, dass die Rolle auch bei Nässe oder Steigung zuverlässig greift, ohne durchzudrehen oder unnötig zu belasten. Das System bietet eine normale Tretunterstützung und einen speziellen Tempomodus, bei dem nicht gestrampelt werden muss. Letzterer dürfte in Deutschland im Straßenverkehr jedoch nicht ohne Weiteres erlaubt sein.
Das folgende Video zeigt das Kamingo-System in Aktion:
Kamingo will auch mit anderen Spezifikationen überzeugen. Die maximal erzeugte Leistung liegt demnach bei 750 Watt, die Reichweite bei bis zu 90 Kilometern. Der Akku mit einer Kapazität von 266 Wh lässt sich bei Bedarf einfach austauschen. Zusätzlich bietet das System Rekuperation (Rückgewinnung von Energie beim Bremsen), eine App-Steuerung und einen Sicherheitsmechanismus, der den Motor bei Stürzen automatisch deaktiviert.
Kann das alles funktionieren? Kamingo ist und bleibt ein Reibrollenantrieb, allerdings mit einer technisch interessanten Lösung für das Problem, das dieses Prinzip bisher unbrauchbar machte. Ob das System langfristig überzeugt, hängt davon ab, wie zuverlässig die Sensorik arbeitet.
Kamingo: Finanzierung steht, Auslieferung noch 2025
Das Projekt wurde gerade erfolgreich über Kickstarter finanziert und hat das ursprüngliche Ziel von 10.000 US-Dollar deutlich übertroffen. Insgesamt kamen mehr als 1,7 Millionen US-Dollar zusammen. Über 4.000 Unterstützer haben sich das Kit gesichert.
Der Einführungspreis liegt bei umgerechnet rund 300 Euro, je nach Bundle leicht variierend. Damit ist das System deutlich günstiger als E-Bikes oder Umbausätze mit Mittelmotor. Die Auslieferung soll im Dezember 2025 beginnen. Ob Kamingo dann auch im Handel verfügbar sein wird, ist derzeit noch offen.