Die Abschaltung der alten 2G-Mobilfunknetze wirft ihre Schatten voraus — und trifft ausgerechnet E-Bike-Fahrer. Wer ein Fahrrad mit integriertem GPS-Tracker besitzt, könnte bei einem Diebstahl bald ins Leere schauen. Besonders Besitzer einer Kultmarke müssen jetzt schnell handeln.
Das lautlose Sterben der E-Bike-Tracker
Die großen Mobilfunkanbieter räumen auf. Alte 2G-Frequenzen müssen Platz für modernere Standards machen. Was für Smartphones kaum eine Rolle spielt, wird für vernetzte E-Bikes zum Problem. Der Grund: Viele ältere GPS-Tracker und Alarmanlagen funken über das alte, günstige und stromsparende 2G-Netz. Fällt es weg, verstummt das Fahrrad dauerhaft.
Der Zeitplan in Deutschland steht: Die Telekom schaltet ihr 2G-Netz Ende Juni 2028 ab. Vodafone folgt im September 2028, lässt IoT-Geräten aber eine Gnadenfrist bis 2030. O2 hat noch kein Datum genannt.
Wer im Urlaub über die Grenze fährt, muss noch früher aufpassen. In den Niederlanden hat Odido (ehemals T-Mobile) 2G bereits im Juni 2023 gekappt. In Frankreich hat Orange im März 2026 mit der Abschaltung begonnen. Das bedeutet: Wer heute mit einem älteren vernetzten E-Bike in die Niederlande fährt, hat dort schon jetzt keinen Diebstahlschutz mehr.
VanMoof S3 und X3: Frist läuft am 1. April ab
Besonders hart trifft es Besitzer der beliebten Modelle S3 und X3 des niederländischen Herstellers VanMoof. Die Räder sind mit 2G-Modulen ausgestattet.
Die eingebaute SIM-Karte hat ein Ablaufdatum: den 1. April 2026. Wer sein Fahrrad danach noch tracken will, muss bis zu dieser Frist das kostenpflichtige Ride-Pro-Abonnement abschließen. Das Tracking läuft dann nicht mehr über das alte 2G-Netz, sondern über eine Bluetooth-basierte Lösung. Ohne Abo erlischt die SIM-Karte dauerhaft, schreibt der Hersteller.
Wichtig für Besitzer neuerer Modelle: Wer ein VanMoof aus dem Baujahr 2021 oder neuer hat, kann alternativ Apples „Wo ist?“-Netzwerk (Find My) nutzen. Das funktioniert unabhängig von der SIM-Karte und völlig kostenlos.
I LOCK IT, PowUnity und Co.: Diese Tracker sind ebenfalls betroffen
Nicht nur integrierte Systeme sind betroffen. Auch externe GPS-Tracker und smarte Schlösser können auf dem alten Funkstandard basieren.
Der deutsche Hersteller I LOCK IT aus Brandenburg an der Havel nimmt sein smartes Rahmenschloss I LOCK IT GPS nach dem 30. Juni 2026 aus dem Verkauf — weil es auf 2G angewiesen ist. Eine Alternative gibt es bereits: Das I LOCK IT PRO ist seit knapp zwei Jahren auf dem Markt und kommt ohne 2G-Technologie aus. Zusätzlich hat der Hersteller mit dem I LOCK IT NEO ein weiteres smartes Fahrradschloss angekündigt, das voraussichtlich im August oder September 2026 erscheint. I LOCK IT informiert auf seinem Blog ausführlich über die Hintergründe.
Beim beliebten Nachrüst-Tracker PowUnity BikeTrax nutzte die erste Generation ebenfalls 2G. Hier gibt es gute Nachrichten: Bestandskunden erhalten ein kostenloses Upgrade auf ein modernes 4G-Modul. Wichtig: Das ist ein Hardware-Tausch, kein Software-Update. Betroffene müssen sich proaktiv an den PowUnity-Support wenden. Wer seinen BikeTrax im Frühling 2024 oder später gekauft hat, ist ohnehin auf der sicheren Seite — hier ist bereits LTE-M-Technik verbaut.
Entwarnung für diese Systeme
Entwarnung gibt es bei vielen aktuellen Systemen. Das Bosch ConnectModule arbeitet mit LTE und NB-IoT, Cowboy setzt auf LTE mit eSIM und der Tracker von It’s my Bike nutzt ebenfalls moderne Mobilfunktechnik.
Für E-Bike-Besitzer lohnt gerade jetzt ein Blick auf die verbaute Technik. Wer noch ein älteres 2G-Modul im Fahrrad oder externen Tracker hat, sollte sich zeitnah beim Hersteller nach Upgrade-Möglichkeiten erkundigen. Viele Systeme setzen heute auf LTE-M. Diese Mobilfunktechnik gilt als Nachfolger für vernetzte Geräte, die regelmäßig ihren Standort senden müssen. Sie arbeitet deutlich effizienter als klassische LTE-Verbindungen, verbraucht wenig Energie und bleibt auch in Gebäuden oder Tiefgaragen stabil erreichbar.














