Im August zeigten beide Marktführer innerhalb von 24 Stunden eine neue 360-Grad-Kamera. Erst Insta360 die X6, einen Tag später DJI die Osmo 360 II. Damals war die Sache klar, kaufen konntest du hierzulande nur die eine. Seit dem 3. September stehen Preis und Termin für Europa fest, und sie drehen den Vergleich um. Die DJI kostet 589 Euro und damit 110 Euro weniger als die X6. Ab dem 15. September steht sie in Deutschland im Handel.
Aktualisiert am 3. September 2026: DJI hat die Osmo 360 II weltweit vorgestellt. Preis, Verfügbarkeit und die technischen Daten stehen jetzt fest, der Artikel wurde entsprechend überarbeitet.
Neue Insta360 X6: Preis & Fakten
Die Insta360 X6 kostet zur Markteinführung 699 Euro im Standard-Bundle und 799 Euro als Essentials-Version. Seit dem 12. August ist sie direkt weltweit erhältlich, auch in Deutschland.

Im Inneren sitzen zwei Sensoren im Format 1/1,1 Zoll mit je 42 Megapixeln. Das 360°-Rundum-Video wird mit bis zu 8K bei 50 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Nutzt du nur eine Linse, sind 5K mit 60 Bildern möglich oder 4K mit 120. Zeitlupen sind bis 8K Auflösung mit 100 Bildern pro Sekunde unterstützt, Zeitraffer erreichen sogar 11K.
Ohne Umweg über die Nachbearbeitung nimmt die Kamera Dolby Vision direkt auf. Dazu kommen 10 Bit Farbtiefe, ein Log-Profil und ein eigener KI-Chip. Die Bitrate reicht bis 240 Mbit pro Sekunde. Der Akku hat 2.600 Milliamperestunden und soll im 8K-Modus 140 Minuten durchhalten.
Den Preis des Vorgängermodells konnte Insta360 leider nicht halten. Die X5 startete im April 2025 bei 589,99 Euro. Die X6 liegt gut 110 Euro darüber. Der hohe Preis wird trotz der hohen Beliebtheit auch von vielen langjährigen Fans kritisiert.
Was die DJI Osmo 360 II dagegensetzt
Seit dem 3. September ist die Osmo 360 II offiziell bestätigt. Die Standard Combo kostet 589 Euro, die Adventure Combo 739 Euro, in Deutschland kommt sie am 15. September in den Handel.
Damit ist der interessanteste Teil der Geschichte geklärt, und er fällt anders aus als im August gedacht. Im chinesischen Store lag das Starterpaket bei 3.300 Yuan, umgerechnet rund 430 Euro. In Europa ruft DJI 589 Euro auf. Der Aufschlag ist deutlich, trotzdem liegt die Kamera 110 Euro unter der X6.
Die zweite Überraschung betrifft den Sensor. Im August kursierten Angaben aus chinesischen Quellen, nach denen DJI zwei Chips im Format 1/1,1 Zoll verbaut, also dieselbe Klasse wie Insta360. Das ist jedoch nicht ganz der Fall.
DJI spricht von einem quadratischen 1-Zoll-HDR-Bildsensor und nennt ihn den branchenweit ersten seiner Bauart. Der quadratische Zuschnitt soll dasselbe Rundum-Bildfeld liefern wie ein herkömmlicher rechteckiger 1-Zoll-Sensor, dabei aber 25 Prozent mehr Sensorfläche nutzen. Die einzelnen Pixel messen 2,4 Mikrometer.

Beim Tempo legt DJI ebenfalls zu. Das 360-Grad-Video läuft mit 8K bei 60 Bildern statt bisher 50, Zeitraffer erreichen 16K. Fotos nimmt die Kamera als HDR-Rundumbild mit 120 Megapixeln auf. Dazu kommen ein Vortex-Modus mit 8K und 120 Bildern sowie eine 64-fache Panorama-Zeitlupe, die per KI-Bildinterpolation in DJI Studio entsteht. 10 Bit Farbtiefe und das Profil D-Log M unterstützt jedes Videoformat.
Der Akku hält im Modus 8K mit 30 Bildern 100 Minuten und lädt in 22 Minuten auf 80 Prozent. Mit dem Akkuverlängerungsstab kommen 180 Minuten dazu. Die Kamera wiegt 183 Gramm und bringt 105 Gigabyte internen Speicher mit, was den Start auch ohne Karte erlaubt.
Wasserdicht ist sie ab Werk bis 10 Meter, mit dem separaten Gehäuse bis 50 Meter. Der Einsatzbereich reicht bis minus 20 Grad. Alle diese Werte hat DJI unter kontrollierten Bedingungen ermittelt, unabhängige Tests gibt es noch nicht.
Die beiden Kameras arbeiten damit nicht mehr in derselben Sensorklasse. Der Preisvorteil liegt jetzt klar bei DJI.
Die technischen Daten im Vergleich
| Merkmal | Insta360 X6 | DJI Osmo 360 II |
|---|---|---|
| Preis | 699 Euro (Standard), 799 Euro (Essentials) | 589 Euro (Standard Combo), 739 Euro (Adventure Combo) |
| Verfügbarkeit | weltweit seit 12.08.2026 | in Deutschland ab 15.09.2026 |
| Sensoren | 2x 1/1,1 Zoll | quadratischer 1-Zoll-HDR-Sensor, 2,4 μm Pixel |
| Video 360 Grad | 8K/50 | 8K/60 |
| Einzellinse | 5K/60, 4K/120 | 4K/120 |
| Zeitlupe | 8K/100, 4K/240 | 4K/240 rundum |
| Zeitraffer | bis 11K | bis 16K |
| Bitrate | bis 240 Mbit/s (H.265) | 220 Mbit/s, im 16K-Zeitraffer 600 Mbit/s |
| Fotos | 120 MP rundum, 42 MP einzeln | 120 MP HDR rundum |
| Akku | 2.600 mAh, 140 Min. in 8K | 100 Min. in 8K/30, plus 180 Min. mit Verlängerungsstab |
| Interner Speicher | keiner | 105 GB |
| Besonderheiten | natives Dolby Vision, 10 Bit, Log-Profil, KI-Chip | AI SuperNight 2.0, Spotlight Follow, NFC, DaVinci-Resolve-Plugin |
| Wechselbare Linsen | ja, 2. Generation | ja, Ersatzset für 39 Euro |
Warum die wechselbare Linse wichtiger ist als die Bildrate
Für den Alltag am Helm oder am Lenker ist ein Detail besonders wichtig: Beide Hersteller machen die Frontlinsen jetzt austauschbar.
Das klingt unscheinbar, ist aber ein wesentlicher Faktor. Bei einer 360-Grad-Kamera stehen die Fischaugen kugelig aus dem Gehäuse heraus. Ein Schutzgehäuse (Action Cam) oder Filter wie bei einem normalen Objektiv funktioniert nicht. Das würde Spiegelungen erzeugen und das Zusammenrechnen der beiden Bilder stören. Die Linse ist also ungeschützt.
Ein Sturz auf Schotter konnte deshalb schnell zum Totalschaden führen. Ein Kratzer ist mitten im Bild und in jeder Aufnahme zu sehen. Bei der ersten Osmo 360 war das ein Fall für den Service. Jetzt wird daraus ein Verschleißteil, das du selbst tauschst.
Insta360 ist hier sogar schon eine Generation weiter und nutzt die zweite Version des Wechselsystems. Wer die Kamera am Mountainbike, am Motorrad oder im Wintersport einsetzt, sollte diesen Punkt höher gewichten als zehn Bilder mehr pro Sekunde.
Software und Ökosystem entscheiden mit
Der Unterschied endet nicht bei der Hardware. Bei 360-Grad-Aufnahmen entscheidet die Nachbearbeitung darüber, ob am Ende ein brauchbares Video herauskommt. Denn mit einer solchen Kamera filmst du erst alles und legst den Bildausschnitt später fest. Dieses Reframing ist meist etwas Arbeit.
Insta360 setzt dabei inzwischen stark auf Automatikmodi. Ein KI-Regisseur soll Schnitt, Bildausschnitt und Highlights selbst übernehmen. Dazu kommt eine Funktion, die aus den Aufnahmen begehbare 3D-Szenen erzeugt. DJI setzt auf den eingespielten Mimo-Workflow und ergänzt einen neuen Verfolgungsmodus, NFC-Kopplung für die schnellere Verbindung zum Handy und einen Magnethalter, der sich in beide Richtungen ansetzen lässt.
Neu dazugekommen ist außerdem Spotlight Follow, das ein Motiv unabhängig von der Kameradrehung in der Bildmitte hält und dir damit einen Teil des Reframings abnimmt. Wer professioneller schneidet, kann 360-Grad-Dateien über ein Plugin direkt in DaVinci Resolve laden.
Wer bereits Zubehör einer der beiden Marken besitzt, sollte das bei der Kaufentscheidung berücksichtigen. Halterungen, Akkus und Selfie-Sticks sind zwischen den Systemen nicht beliebig austauschbar. Dass sich in diesem Segment gerade viel bewegt, zeigen auch die HoverAir Versa und der Kameraroboter Beni.
Dynamikumfang, die offene Frage ist geklärt
Im August widersprachen sich die Berichte, weil ein internationales Datenblatt fehlte. Inzwischen nennt DJI selbst 14,5 Blendenstufen für Rundum-Aufnahmen und spricht von einem verdoppelten Helligkeitsbereich. Wie bei allen Angaben des Herstellers gilt der Zusatz, dass der Wert unter kontrollierten Bedingungen entstanden ist. Wie sich die zusätzliche Blendenstufe auf das Profil D-Log M verteilt, sagt DJI nicht.
Welche 360° Kamera ist interessanter?
Auf dem Papier liegt die DJI vorn, und diesmal auch beim Preis. Größerer Sensor, 14,5 Blendenstufen, schnelleres Rundum-Video, 105 Gigabyte interner Speicher, und das für 110 Euro weniger als die X6.
So eindeutig, wie diese Aufzählung klingt, ist die Sache trotzdem nicht. Sämtliche Werte stammen aus DJIs eigenen Messungen, unabhängige Tests fehlen noch. Die X6 ist dagegen seit drei Wochen im Markt, ihre Reframing-Software ist über mehrere Generationen gewachsen, und bei der Akkulaufzeit liegt sie mit 140 Minuten in 8K vorn. Wasserdicht ist sie ab Werk bis 20 Meter, die DJI schafft ohne Zusatzgehäuse nur 10.
Für wen sich welche lohnt
Im August lautete die Empfehlung zur X6 zu greifen, wer akut etwas braucht und ansonsten zu warten. Für alle, die gewartet haben, hat es sich vermutlich gelohnt.
Wer neu einsteigt und an kein System gebunden ist, bekommt bei DJI gerade mehr fürs Geld. Mit vollem Insta360-Schrank oder wenn es sofort losgehen soll, fährst du mit der X6 weiterhin gut. Die neueste Generation braucht ohnehin nicht jeder, X5 und die erste Osmo 360 sind inzwischen deutlich günstiger zu haben. Der Haken dabei ist ausgerechnet die Linse. Beim Selbsttausch sind die Vorgänger nicht auf dem Stand der neuen Modelle, und genau das ist gerade an Lenker oder Helm der Punkt, der zählt.











