Innerhalb von 24 Stunden haben beide Marktführer eine neue 360-Grad-Kamera gezeigt. Insta360 stellte am Dienstag die X6 vor. Einen Tag später folgte DJI mit der Osmo 360 II. Auf dem Papier wirkt die DJI etwas stärker gleichzeitig bleibt der Preis wohl konstant. In Deutschland erhältlich ist derzeit allerdings nur die X6.
Neue Insta360 X6: Preis & Fakten
Die Insta360 X6 kostet zur Markteinführung 699 Euro im Standard-Bundle und 799 Euro als Essentials-Version. Seit dem 12. August ist sie direkt weltweit erhältlich, auch in Deutschland.

Im Inneren sitzen zwei Sensoren im Format 1/1,1 Zoll mit je 42 Megapixeln. Das 360°-Rundum-Video wird mit bis zu 8K bei 50 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Nutzt du nur eine Linse, sind 5K mit 60 Bildern möglich oder 4K mit 120. Zeitlupen sind bis 8K Auflösung mit 100 Bildern pro Sekunde unterstützt, Zeitraffer erreichen sogar 11K.
Ohne Umweg über die Nachbearbeitung nimmt die Kamera Dolby Vision direkt auf. Dazu kommen 10 Bit Farbtiefe, ein Log-Profil und ein eigener KI-Chip. Die Bitrate reicht bis 240 Mbit pro Sekunde. Der Akku hat 2.600 Milliamperestunden und soll im 8K-Modus 140 Minuten durchhalten.
Den Preis des Vorgängermodells konnte Insta360 leider nicht halten. Die X5 startete im April 2025 bei 589,99 Euro. Die X6 liegt gut 110 Euro darüber. Der hohe Preis wird trotz der hohen Beliebtheit auch von vielen langjährigen Fans kritisiert.
Was die DJI Osmo 360 II dagegensetzt
DJI hat die Osmo 360 II am Donnerstag in China vorgestellt. Im chinesischen Store kostet das Standard-Set 3.300 Yuan (ohne VPN leitet der Shop auf die DE Seite). Das ist exakt der Preis, mit dem die erste Generation vor rund einem Jahr gestartet ist. In Hongkong ruft DJI 3.899 HK-Dollar auf, für das Adventure Combo 4.699. Umgerechnet sind das etwa 430 Euro für das Starterpaket.
Technisch legt DJI vor allem beim Tempo zu. Das 360°-Video filmt die Osmo 360 II jetzt mit 8K bei 60 Bildern statt bisher 50. Zeitlupen sind mit 4K und 240 Bildern möglich. Zeitraffer reichen bis 16K statt bisher 8K. Die Bitrate steigt von 170 auf 220 Mbit pro Sekunde, im 16K-Zeitraffer sogar auf 600. Der Akku wächst von 1.950 auf 2.150 Milliamperestunden.
Bei den Sensoren ändert sich dagegen nichts. Es bleiben zwei Chips im Format 1/1,1 Zoll mit Blende f/1,9. Ob neue Sensoren dahinterstecken, ist bisher nicht bekannt. Auch das Gehäuse bleibt fast unverändert.

Beide Kameras arbeiten also mit derselben Sensorklasse. Der Unterschied liegt woanders – und nach wie vor beim Preis.
Die technischen Daten im Vergleich
| Merkmal | Insta360 X6 | DJI Osmo 360 II |
|---|---|---|
| Preis | 699 Euro (Standard), 799 Euro (Essentials) | 3.300 Yuan in China, kein Europa-Preis |
| Verfügbarkeit | weltweit seit 12.08.2026 | China und Hongkong, Europa offen |
| Sensoren | 2x 1/1,1 Zoll | 2x 1/1,1 Zoll |
| Video 360 Grad | 8K/50 | 8K/60 |
| Einzellinse | 5K/60, 4K/120 | 4K/120 |
| Zeitlupe | 8K/100, 4K/240 | 4K/240 rundum |
| Zeitraffer | bis 11K | bis 16K |
| Bitrate | bis 240 Mbit/s (H.265) | 220 Mbit/s, im 16K-Zeitraffer 600 Mbit/s |
| Fotos | 120 MP rundum, 42 MP einzeln | 120 MP HDR rundum, 30,72 MP einzeln |
| Akku | 2.600 mAh, 140 Min. in 8K | 2.150 mAh |
| Besonderheiten | natives Dolby Vision, 10 Bit, Log-Profil, KI-Chip | NFC-Kopplung, Magnethalter beidseitig |
| Wechselbare Linsen | ja, 2. Generation | ja, neu in dieser Generation |
Warum die wechselbare Linse wichtiger ist als die Bildrate
Für den Alltag am Helm oder am Lenker ist ein Detail besonders wichtig: Beide Hersteller machen die Frontlinsen jetzt austauschbar.
Das klingt unscheinbar, ist aber ein wesentlicher Faktor. Bei einer 360-Grad-Kamera stehen die Fischaugen kugelig aus dem Gehäuse heraus. Ein Schutzgehäuse (Action Cam) oder Filter wie bei einem normalen Objektiv funktioniert nicht. Das würde Spiegelungen erzeugen und das Zusammenrechnen der beiden Bilder stören. Die Linse ist also ungeschützt.
Ein Sturz auf Schotter konnte deshalb schnell zum Totalschaden führen. Ein Kratzer ist mitten im Bild und in jeder Aufnahme zu sehen. Bei der ersten Osmo 360 war das ein Fall für den Service. Jetzt wird daraus ein Verschleißteil, das du selbst tauschst.
Insta360 ist hier sogar schon eine Generation weiter und nutzt die zweite Version des Wechselsystems. Wer die Kamera am Mountainbike, am Motorrad oder im Wintersport einsetzt, sollte diesen Punkt höher gewichten als zehn Bilder mehr pro Sekunde.
Software und Ökosystem entscheiden mit
Der Unterschied endet nicht bei der Hardware. Bei 360-Grad-Aufnahmen entscheidet die Nachbearbeitung darüber, ob am Ende ein brauchbares Video herauskommt. Denn mit einer solchen Kamera filmst du erst alles und legst den Bildausschnitt später fest. Dieses Reframing ist meist etwas Arbeit.
Insta360 setzt dabei inzwischen stark auf Automatikmodi. Ein KI-Regisseur soll Schnitt, Bildausschnitt und Highlights selbst übernehmen. Dazu kommt eine Funktion, die aus den Aufnahmen begehbare 3D-Szenen erzeugt. DJI setzt auf den eingespielten Mimo-Workflow und ergänzt einen neuen Verfolgungsmodus, NFC-Kopplung für die schnellere Verbindung zum Handy und einen Magnethalter, der sich in beide Richtungen ansetzen lässt.
Wer bereits Zubehör einer der beiden Marken besitzt, sollte das bei der Kaufentscheidung berücksichtigen. Halterungen, Akkus und Selfie-Sticks sind zwischen den Systemen nicht beliebig austauschbar. Dass sich in diesem Segment gerade viel bewegt, zeigen auch die HoverAir Versa und der Kameraroboter Beni.
Dynamikumfang bei DJI Osmo 360 II offen
Beim Dynamikumfang widersprechen sich die ersten Berichte zur DJI 360 II. Imaging Resource berichtet von einer zusätzlichen Blendenstufe für das D-Log M auf der chinesischen Produktseite. Da ein internationales Datenblatt von DJI bisher fehlt, bleibt vorerst offen, ob es eine zusätzliche Blendenstufe gibt und wo sie ankommt.
Welche 360° Kamera ist interessanter?
Auf dem Papier liegt die DJI vorn. Mehr Bilder pro Sekunde, höhere Zeitraffer-Auflösung und das zum gleichen Preis wie beim Vorgänger. Die Osmo 360 II gibt es bisher allerdings nur in China und Hongkong. Einen internationalen Termin nennt DJI nicht. Für die USA ist wegen des laufenden Streits mit der Telekommunikationsbehörde FCC sogar offen, ob sie dort überhaupt auf den Markt kommt.
Bei der ersten Generation erfolgte der internationale Marktstart nahezu zeitgleich mit China. Dass DJI dieses Mal einen gestaffelten Rollout plant ist naheliegend, aber bislang nicht bestätigt.
Warten oder kaufen?
Wer jetzt eine 360-Grad-Kamera braucht, kommt an der X6 nur schwer vorbei. Sie ist verfügbar, der Preis steht und Insta360 hat das reifere Bearbeitungssystem. Wer warten kann, sollte es tun. In wenigen Wochen dürfte klar sein, was die Osmo 360 II in Europa kostet und wie das Datenblatt in letzter Konsequenz aussieht.












