Das war’s dann wohl: ZF hat seine Vertriebsaktivitäten im E-Bike-Bereich „vorübergehend“ eingestellt und zieht sich damit faktisch aus dem Markt zurück. Für viele kommt dieser Schritt überraschend – galten Motoren wie der CentriX doch als Hoffnungsträger gegen die Dominanz von Bosch. Was ist passiert und was bedeutet das für aktuelle und geplante E-Bikes?
ZF: Vom großen Anspruch zum Rückzug auf Raten
ZF Friedrichshafen, einer der weltweit größten Automobilzulieferer, startete 2018 mit hohen Erwartungen in den E-Bike-Markt. Gemeinsam mit Magura und BrakeForceOne entstand ein Joint Venture, das maßgeschneiderte Antriebssysteme entwickeln sollte.
Das Ziel war klar: man wollte im europäischen Markt eine Alternative zu Bosch etablieren. 2020 übernahm ZF das Projekt vollständig und integrierte es fest ins eigene Portfolio. Der Start wirkte vielversprechend, die Integration ins eigene Portfolio schien gelungen.
Doch der europäische E-Bike-Markt verzeiht keine Fehler. Selbst mit viel Automotive-Erfahrung und finanzieller Stärke im Rücken blieb der Durchbruch letztlich aus. Ende Januar hieß es noch, die E-Bike-Sparte sei von internen Restrukturierungen nicht betroffen. Nur wenige Tage später folgte die Kehrtwende: Der Vertrieb ist „vorübergehend“ ausgesetzt. Wie genau „vorübergehend“ definiert ist, ließ der Konzern offen – ein Alarmzeichen für die Branche.
CentriX-Antrieb: Technisch auf hohem Niveau
Bitter ist der Schritt mit Blick auf den CentriX-Antrieb. Das starke E-Bike-System setzt auf 48 Volt, 90 Nm Drehmoment und bis zu 600 Watt Leistung. Wegen der konstanten Kraftentfaltung bei hoher Belastung, etwa an steilen Anstiegen oder bei schweren E-MTBs, hat sich das System bewährt. Technisch spielt ZF damit in der oberen Liga.
Doch beeindruckende Leistungsdaten allein reichen gegen die Platzhirsche nicht aus. Wichtige Partner wie Raymon haben die Zusammenarbeit beendet und setzen bei neuen Modellen wieder auf etablierte Systeme von Yamaha oder Bosch. Für das Modelljahr 2026 sind aktuell keine neuen E-Bikes mit ZF-Antrieb mehr angekündigt. Auch am Standort Ravensburg ist das Team von Einschnitten betroffen.
Zweiter deutscher Zulieferer scheitert am E-Bike-Markt
Der Rückzug von ZF folgt einem gewissen Muster. Auch Brose hat sein E-Bike-Geschäft mittlerweile an Yamaha übergeben. Zwei große deutsche Automobilzulieferer zeigen, wie hart und unnachgiebig dieser Markt ist. Erfahrung aus dem Automotive-Sektor ist anscheinend keine Erfolgsgarantie.
Für Nutzer und Händler bedeutet das vor allem eines: Unsicherheit rund um Service und Ersatzteile für Systeme wie den CentriX. Für den Markt zementiert sich der Status von Bosch als unangefochtener Marktführer; neue Herausforderer brauchen einen extrem langen Atem. Ob ZF jemals zurückkehrt oder das Kapitel E-Bike endgültig geschlossen ist, wird erst die Zeit zeigen.














