Es sieht aus wie ein kleines Flugzeug, startet aber direkt vom Wasser: Der WaveFly 5X schwebt knapp über der Wasseroberfläche, fährt rein elektrisch und erreicht bis zu 85 km/h. Leisten kann ihn sich vorerst aber nur, wer rund 200.000 Dollar übrig hat. Gebaut wird er ausgerechnet von Navee, einem Hersteller, den viele bislang nur von E-Scootern kennen.
So funktioniert das elektrische Flugboot WaveFly 5X
Navee hat mit dem WaveFly 5X ein Fahrzeug vorgestellt, das weder klassisches Boot noch Flugzeug ist. Es nutzt den Bodeneffekt und schwebt 30 bis 80 Zentimeter über Seen oder ruhigen Gewässern. Eine Startbahn braucht es nicht.
Am 5. Juni schwebte der WaveFly 5X erstmals öffentlich über den Dongtai-See bei Suzhou, vor internationalen Medien. Navee nennt das Gefährt das weltweit erste Bodeneffektfahrzeug für Endkunden. Fachleute sprechen von einem Ekranoplan oder WIG-Fahrzeug.
Der Trick dahinter ist ein alter aerodynamischer Effekt. Fliegt ein Tragflügel sehr dicht über Wasser, staut sich die Luft zwischen Flügel und Oberfläche. Das erzeugt zusätzlichen Auftrieb und senkt den Luftwiderstand. Das Fahrzeug gleitet dadurch sparsamer als ein echtes Flugzeug, bleibt aber ständig in Bodennähe.
Ganz neu ist die Idee allerdings nicht. Bereits in den 1960er-Jahren experimentierte die Sowjetunion mit riesigen sogenannten Ekranoplanen. Einige davon waren über 90 Meter lang und wurden als „Kaspisches Seemonster“ bekannt. Navee schrumpft die Technik nun auf ein elektrisches Freizeitfahrzeug.
Der WaveFly 5X bietet Platz für zwei Personen. Einen klassischen Pilotenschein soll es dafür nicht brauchen. Ob das tatsächlich gilt, entscheiden die Behörden der jeweiligen Länder.
Auch andere arbeiten an Fahrzeugen, die den Bodeneffekt nutzen: Das US-Unternehmen Regent baut mit dem Viceroy einen elektrischen Seegleiter für küstennahe Strecken – allerdings für den kommerziellen Verkehr, nicht für den Freizeitmarkt. Sogar das Militär forscht wieder daran, etwa im US-Programm Liberty Lifter für Transportaufgaben.
Banken wie Morgan Stanley sehen in der sogenannten Low-Altitude-Economy einen gewaltigen Zukunftsmarkt: Bis 2030 soll er auf über zwei Billionen Dollar wachsen. Navee will darin die private Nische besetzen.
85 km/h schnell und 80 Kilometer Reichweite: Die technischen Daten
Der WaveFly 5X soll auf dem Wasser 80 bis 85 km/h erreichen. Pro Akkuladung sind rund 80 Kilometer möglich, Navee spricht von etwa 70 Minuten Flugzeit. Die maximale Zuladung liegt bei 150 Kilogramm. Der Rumpf besteht aus Carbon, der Antrieb ist rein elektrisch.
Preis und Verfügbarkeit
Günstig wird der Spaß nicht. Die US-Produktseite von Navee listet den WaveFly 5X bei rund 200.000 Dollar, aktuell ausverkauft mit Vormerk-Option. Nach der Vorstellung kursierte zudem ein niedrigerer Vorbestellpreis um 100.000 Dollar. Jedes Exemplar wird nach Kundenwunsch gebaut, von der Farbe über den Stauraum bis zur Sitzzahl.
Mehrere Vertriebspartner haben Absichtserklärungen für internationale Märkte unterschrieben. Ein konkreter Marktstart, etwa in Europa, ist damit aber noch nicht bestätigt.
Kommt der WaveFly 5X nach Deutschland?
Kurzfristig wohl nicht. Navee nennt für Europa weder Preis noch Termin. Und selbst wenn ein Importeur zugreift, bleibt die rechtliche Einordnung offen: Gilt der WaveFly als Wasserfahrzeug, als Luftfahrzeug oder als etwas ganz Eigenes? Davon hängt ab, welcher Führerschein nötig ist und auf welchen Gewässern du überhaupt fahren darfst. Genau an dieser Frage sind schon die großen Ekranoplane der Vergangenheit gescheitert.
Auf dem heimischen Baggersee wirst du den WaveFly also so schnell nicht sehen. 80 Kilometer Reichweite, Empfindlichkeit gegenüber Wellen und Wetter und ein sechsstelliger Preis machen daraus ein Luxusspielzeug für ruhiges Wasser und tiefe Taschen – ein Technik-Statement, kein Alltagsprodukt. Und doch fasziniert die Idee: Eine Technik, die einst für riesige Militärfahrzeuge entwickelt wurde, schwebt heute über Seen. Ähnlich ungewöhnlich war zuletzt das Otter Bike, das den See zur Radstrecke macht.














