Konkurrenzkampf um die smartesten Bikes, die stärksten Antriebe und die komfortabelsten Systeme: Mit welchen Innovationen die E-Bike-Branche der sinkenden Nachfrage begegnet und welche Trends uns 2026 erwarten, haben wir hier zusammengefasst.
Trend 1: Mehr Power im Mittelmotor
Mehr Leistung ist wohl die offensichtlichste Stellschraube für zusätzlichen Fahrspaß – zumindest auf dem Papier. Lange Zeit zögerten jedoch zumindest etablierte Hersteller, die Performance ihrer Flaggschiff-Motoren spürbar anzuheben. Die 85 Nm Drehmoment bei Bosch galten fast als in Stein gemeißelt – bis vor Kurzem.
Mit dem Bosch CX-R legt der Marktführer nun selbst nach und bringt 2026 erstmals ein dreistelliges Drehmoment an den Start: satte 100 Nm. Dafür ist nicht einmal zwingend neue Hardware nötig, denn auch die aktuelle Performance Line CX (BDU384Y) lässt sich per Softwareupdate leistungsseitig nachschärfen.
Selbst im Trekking-Segment hebt Bosch die Messlatte an und präsentiert mit der Performance Line PX einen Motor, der die frühere Power eines ausgewachsenen E-MTB-Antriebs bietet. Ob der deutsche Hersteller diese Schritte auch ohne Konkurrenzdruck gegangen wäre?
Denn der Druck aus dem Markt wächst: Der 105 Nm starke DJI Avinox ist bereits in ersten E-MTBs angekommen und sorgt für Bewegung im Segment. Auch Mahle, bislang eher für kompakte Heckmotoren bekannt, hat einen Mittelmotor mit 105 Nm angekündigt. Die Botschaft ist klar: Die Benchmark für Drehmoment liegt künftig deutlich höher.

Trend 2: Integrierte Automatikschaltungen
Wer weniger auf maximale Beschleunigung aus ist und stattdessen komfortabel und entspannt unterwegs sein möchte, darf sich ebenfalls freuen. Immer mehr Hersteller arbeiten an Antrieben mit integrierter Automatikschaltung.
Bereits 2024 legte die Pinion MGU den Grundstein für im Mittelmotor verbaute Automatikgetriebe. In diesem Jahr zog der deutsche Hersteller SEG Automotive nach und stellte seine eigene Lösung vor.
Doch Automatikschaltungen sind längst nicht mehr nur eine Sache des Mittelmotors: Ananda kombiniert beim neuen R900 Motor und Getriebe direkt in der Hinterradnabe. Auch Bafang bietet entsprechende Systeme an, die wir bereits in vergleichsweise günstigen E-Bikes wie dem Yuccie Junico Flow und dem ADO Air 20 Ultra testen konnten. Unser Fazit: Die Automatik überzeugt mit einem deutlichen Komfortplus.

Trend 3: Schnelles und innovatives Laden
Große Akkus dominierten die letzten Jahre – allerdings stiegen damit auch die Ladezeiten. Damit soll bald Schluss sein: Viele Hersteller arbeiten intensiv an Lösungen für schnelleres Laden. Parallel dazu entstehen völlig neue Konzepte. Yamaha plant etwa Akku-Tauschstationen in Berlin, um Wartezeiten beim Laden komplett zu eliminieren.
Andere Marken setzen auf neue Wege bei der Ladeinfrastruktur. So bringen USB-C-Lösungen frischen Wind ins Thema: Ampler stellte bereits im Frühjahr ein entsprechendes System vor, und auch der noch wenig bekannte Hersteller Ziggy setzt auf die aus der Unterhaltungselektronik bekannten Ladekabel.

Trend 4: Longtails statt Cargoboxen
Lastenräder erlebten während der Corona-Jahre einen Boom – und das Segment entwickelt sich weiter. Klassische Cargo-E-Bikes mit Transportbox vor dem Lenker sind längst nicht mehr die einzige Option, um Kinder oder Einkäufe zu transportieren.
Neben ausgefallenen Konzepten wie dem E-Trike von Cube tauchen zunehmend Longtails in den Bike-Shops auf. Selbst der bekannte Cargo-Spezialist Urban Arrow ist kürzlich mit einem Longtail-Modell eingestiegen.
Auch preislich tut sich etwas: Die Marke Tenways hat ein Longtail mit verlängertem Heck vorgestellt, das wir bereits testen konnten. Das Ergebnis überzeugt – praktisch, komfortabel und absolut trendwürdig.

Trend 5: Innovative Sicherheits-Features
Was wäre 2025 ohne Künstliche Intelligenz? Auch im E-Bike-Bereich hält sie weiter Einzug – zumindest als Marketing-Schlagwort. Ob jede smarte Funktion tatsächlich ein Resultat einer KI ist, sei dahingestellt – nützlich sind viele davon allemal, insbesondere beim Thema Sicherheit.

Biometrische Anti-Diebstahl-Systeme, Sturzerkennung oder hochentwickeltes ABS für E-MTBs: Smarte Sicherheitsfeatures werden 2026 aus dem E-Bike nicht mehr wegzudenken sein. Selbst Radar-Systeme zur Erkennung von herannahendem Verkehr werden durch Anbieter wie Segway oder Sigma zunehmend populär.
Vielleicht ist dies sogar der vielversprechendste Trend: Mehr Sicherheit stärkt das Vertrauen ins E-Bike, festigt seinen Platz im Straßenverkehr – und könnte der gesamten Branche neuen Schwung verleihen.













