Der Velospeeder ist ein Reibradmotor, mit dem du dein Fahrrad leicht in ein E-Bike verwandeln kannst. Warum diese außergewöhnliche Technologie sich nicht hinter populäreren Antriebsarten verstecken muss, erklären wir dir in diesem Test.
Wir sind jedoch nicht nur nach Köln gefahren, um den Antrieb ein paar Härtetests zu unterziehen – wir haben sogar ein kleines Video erstellt, in dem wir den Velospeeder vorstellen. Dieses findest du am Ende des Beitrags.
Der Velospeeder – ein etwas anderer Antrieb
Der E-Bike Markt überschlägt sich mit Neuigkeiten und Entwicklungen. Mittlerweile bringen Motorenhersteller beinahe jährlich neue Updates ihrer Antriebe und Systemlösungen auf den Markt. Während sich der Mittelmotor dabei als beliebte Standardlösung etabliert hat, gehen manche Hersteller neue Wege.
Dass neue Ideen nicht immer aus weltbekannten Innovationsschmieden kommen müssen, zeigt uns das Kölner Duo Velogical mit dem Velospeeder. Ein Reibringmotor, der wie ein Dynamo an der Radfelge angedrückt wird, klingt für viele ein wenig merkwürdig. Auch wir waren uns vor dem Test noch nicht ganz im Klaren darüber, wie effizient das Gerät tatsächlich arbeiten kann.
Eines vorweg: „Positiv überrascht“, sind die Worte, die an unserem Testtag in Köln wohl am häufigsten gefallen sind.
Velogical – Wissen und rheinländischer Charme
Velogical findet sich irgendwo zwischen genialem Erfindergeist und kleiner Hinterhofwerkstatt wieder. Der Umgangston ist locker und das Prinzip des Velospeeders ist schnell erklärt: „Das System funktioniert eben.“ So zumindest beschreibt A. Ogando, einer der beiden Köpfe hinter Velogical, den Motor. Irgendwie scheint alles selbstverständlich, Zweifel gibt es keine.
Laut Ogando wurde der Motor daher auch mit dem Bundespreis Ecodesign für sein nachhaltiges und zukunftsweisendes Design ausgezeichnet. Das System sei durchdacht, basiert auf Wissenschaft und ist als Nachrüstlösung origineller als das, was es bisher gab. „Et es wie et es“, Artikel eins des Kölschen Grundgesetz.
Bohrt man dann etwas nach, folgen Begriffe wie „bürstenloser Außenläufer“, „dynamische Autoregulation des Anpressdrucks“ und kleine Beispielrechnungen zu technischen Daten. Man verstehe sein Handwerk hier, aber eigentlich komme es ja darauf an, dass es funktioniert. Also nehmen wir zwei Testbikes und radeln los.
Kompakt, leicht und kräftig
Das erste, was beim Blick auf das System auffällt, ist tatsächlich: Nichts. Der Motor – oder besser „die Motoren“ – sind nicht unsichtbar, aber unauffälliger als die meisten herkömmlichen Mittelmotoren. Schließlich sitzen sie dort, wo keiner sie erwartet. Links und rechts an der Felgenflanke erscheinen die Filmdöschen-großen Aluminiumgehäuse auf den ersten Blick wie ein herkömmlicher Dynamo.

Der Schein trügt. In unserem 500 Gramm leichten Motor stecken 230 Watt Power und ein maximales Drehmoment von 40 Newtonmetern. Über den Schalter am Lenker pressen wir die Motoren über einen Drahtzug an die Felge. Ein dreimaliges Piepen verrät den Akkustand: Alles voll, es kann losgehen.
Und wie es losgeht. Gleich beim ersten Anfahren fangen Simon und ich an zu staunen. Mit soviel Schub haben wir nicht gerechnet. Aus staunen wird lachen: Der Velospeeder begeistert uns schnell. Kurz nach dem Anfahren pusht uns der Motors und ein leichtes Fahrgefühl mit guter Ansprache stellt sich ein.
Der Velospeeder in der Praxis
Nach kurzer Begeisterung wird es dann aber schnell kritisch: Wo trumpft der Motor mit guten Eigenschaften, welche Bedingungen zwingen ihn in die Knie?
Auf ebener Fahrbahn gibt es nichts zu bemängeln. Der Custom-Sinus Controller steuert den Antrieb der Bikes ohne Ausfälle und wir lassen uns gemütlich den Rhein entlang schieben. Etwas eigene Kraft ist noch nötig, aber wir fühlen uns in keinem Fall vom Motor alleine gelassen. Alles läuft, wie es beim E-Bike laufen sollte.
Erst am Berg oder bei steil ansteigenden Straßen gibt ein E-Bike Motor seine wahre Kraft preis. Im Fall des Velospeeders ist das Ergebnis durchwachsen. Fährst du mit einiger Geschwindigkeit auf eine Steigung zu, kommst du in der Regel problemlos hinauf. Der Motor lässt dich auch hier nicht im Stich. Bleibst du jedoch am Berg stehen und musst wieder neu anfahren, hast du ein Problem.

Damit der Velospeeder reagiert, benötigst du nämlich eine gewisse Minimalgeschwindigkeit und Trittfrequenz. Auch das Drehmoment des Motors ist für solche Fahrten relativ gering. Zwar spürst du die Unterstützung, aber du musst auch selbst mitarbeiten.
Leider kannst du beim Velospeeder nicht zwischen verschiedenen Unterstützungsstufen wählen. Du musst dich mit den Einstellungen zufrieden geben, die du hast. Velogical kann hier jedoch auf deinen Wunsch hin individuelle Anpassungen vornehmen.
Ein paar Abzüge in der B-Note
Neben der überraschend guten Leistung des Motors, gibt es jedoch auch einige kleine Abzugspunkte. Optisch stören zusätzliche Kabel und Züge den cleanen Look der Bikes. Wer genauer hinschaut merkt, dass es nicht ab Werk so ist. Hierzu sei allerdings gesagt, dass es sich hier um das Testrad von Velogical handelt und bei anderen Nachrüstlösungen selbstverständlich auch der Fall ist.
Die Tasche, in welcher die Batterie des Motors untergebracht wird, ist zwar praktisch, die Batterie selbst wirkt jedoch relativ martialisch und dürfte am Flughafen für allerhand argwöhnische Blicke sorgen.

Champion der Fliegengewichtsklasse
Trotz der kleineren Kritikpunkte steht der Reibradmotor insgesamt ziemlich gut da. Im Vergleich zu anderen Antriebssystemen mit gleicher Power, punktet der Velospeeder durch sein geringes Gewicht.
Für die Reibringmotoren bekommst du Akkus mit einer Kapazität von 95, 193 oder 322 Wattstunden. Letzterer wiegt 1,4 Kilogramm und bringt dich 70 – 100 Kilometer weit. Daraus ergibt sich ein alltagstauglicher Nachrüstsatz mit weniger als zwei Kilogramm Gesamtgewicht. Bei anderen Herstellern suchst du in dieser Gewichtsklasse vergebens.
Die restlichen Teile deines Fahrrads schont der Reibringmotor ebenfalls. Kein zusätzlicher Zug an der Kette und am Ritzel. Der Reibring hält bis zu 10 000 Kilometer, bevor er für einen geringen Preis ausgetauscht werden muss. Der Motor lässt sich außerdem per Schalter komplett vom Rad lösen. Das ermöglicht die rein muskelbetriebene Fahrt ohne zusätzlichen Tretwiderstand und Verschleiß.
Test im Video
Damit du einen noch besseren Eindruck von der Funktion des Velospeeders in der Praxis bekommen kannst, haben wir ein Video von unserem Test in Köln erstellt:
Für wen ist der Motor geeignet?
Wenn du nicht gleich ein neues E-Bike kaufen, aber auf elektrische Unterstützung nicht verzichten willst, solltest du dich vielleicht bei Velogical melden. Die beiden Kölner machen dir ein individuelles Angebot zu deinem Bike und statten dich für 1400-1800 Euro mit dem Komplettsystem aus. Von Mountainbikes über Trekkingrädern bis hin zu Tandems kann man fast alle Fahrräder auf den Velospeeder umrüsten. Nur in wenigen Fällen erlaubt der Platz am Rahmen keinen zusätzlichen Motor.

Wenn du selbst erfahrener Schrauber oder erfahrene Schrauberin mit Blick für’s Detail bist, kannst du dich auch selbst mit einem Universalkit an die Arbeit machen.
Der Velospeeder ist damit ein Nachrüstsystem für alle, die sich nicht mit viel zusätzlichem Gewicht herumschlagen wollen. Du solltest allerdings auch kein Problem damit haben, dass diese Lösung optisch nicht hundertprozentig werksmäßig erscheint. Dafür läuft sie sauber und effizient – überraschend gut eben.















Bin 73 Jahre und Maschinenbaukonstrukteur. Fahre seit 50 Jahren mit meiner „Madame“ Tandem, inzwischen über 100.00 km und sollte eine techn. Sache zum Fahrrad bewerten können. Die Idee, die Kraft am langen Hebelarm, hier an der Felge, anzubringen ist sicher eine gute Idee. Es erspart schon einmal Material. Aber so richtig genial wäre das Teil, wenn es auch im Generatorbetrieb gefahren werden könnte. Also, als Elektrobremse. Die Vorteile sind naheliegend und brauchen nicht weiter aufgezeigt zu werden. Wer einmal von Norden nach Süden durch den Westerwald mit dem Fahrrad (Tandem) gefahren ist, und am Abend knitterkaputt angekommen ist, dabei aber nicht viele km hinter sich gelassen hat, der würde so ein „Ding“ wertschätzen. Also Freunde, legt los und ihr habt die eierlegende Wollmilchsau.
Ferdinand Diedrich