China produziert laut dem Branchenverband ZIV jährlich 70 bis 80 Millionen Fahrräder. Deutschland kommt dagegen nur auf rund zwei Millionen. Vor diesem Hintergrund fordert der ZIV, weitere Schutzmaßnahmen gegen aus seiner Sicht unfaire Wettbewerbsbedingungen zu prüfen. Neue Zölle könnten Europas Fahrradindustrie stärken – wegen ihrer Abhängigkeit von chinesischen Bauteilen aber auch Hersteller und Käufer belasten.
Trotz Schutzzöllen gibt es viele günstige E-Bikes
Bereits 2017 hat der Verband der europäischen Fahrradhersteller (EBMA) Alarm geschlagen: Subventionen sollen dazu geführt haben, dass E-Bikes aus Fernost in Europa teilweise zu Preisen unterhalb der Produktionskosten angeboten wurden. Seit 2019 gelten unter anderem deshalb Antidumping- und Ausgleichszölle auf komplette E-Bikes aus China.
Die EU-Kommission verlängerte diese Maßnahmen im Januar 2025 um weitere fünf Jahre. Nach Angaben der Kommission reichen die Antidumpingzölle von 10,3 bis 70,1 Prozent, die Ausgleichszölle von 3,9 bis 17,2 Prozent.
Doch noch immer überraschen einige E-Bikes mit Tiefstpreisen, häufig zur Freude der Kunden, die kein allzu großes Budget für den E-Bike-Kauf aufbringen können. Die beliebtesten E-Bikes unserer Leser stammten ebenfalls zum großen Teil aus Fernost. Längst können auch solche Modelle, je nach Anspruch, mit akzeptabler bis guter Qualität punkten.
Vor allem Batterien und Motoren sind aktuell zu günstig
Laut Branchenverband ZIV geht es nicht mehr nur um komplette E-Bikes, sondern auch um zentrale Komponenten. In seinem Positionspapier schreibt der Verband, dass Motoren und Batterien aus China nach Untersuchungen der EU-Kommission teilweise zu nicht marktkonformen Preisen bereitgestellt werden.
Als Gründe nennt der ZIV unter anderem günstige Finanzierungen, Steuervorteile sowie direkte und indirekte Subventionen. Die chinesische Regierung habe in mehreren fünfjährigen Planungszyklen immer wieder gezielt die Fahrrad- und E-Bike-Industrie gestärkt und subventioniert.
Damit Europa weiter konkurrenzfähig bleiben kann, benötige es eine konsequente Sicherstellung der Einhaltung von Regeln durch die EU und die Bundesregierung. „Es geht darum, gleiche Bedingungen zu schaffen, damit Qualität und Verantwortung über den Markterfolg entscheiden statt einseitiger Subventionen“, erklärt Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV.
ZIV fordert EU zur Prüfung weiterer Zölle auf
Der ZIV fordert, eine Ausweitung der Antidumping-Maßnahmen auf weitere Staaten und auf Komponentenebene zu prüfen. Außerdem könnten technische Regulierungen, eine stärkere europäische Zusammenarbeit und Herkunftskennzeichnungen wie ein „Made in Europe“-Siegel für mehr Transparenz sorgen.
Es müsse ein Weg für fairen Wettbewerb gefunden werden, fordert der ZIV. Doch hierbei ist Fingerspitzengefühl gefragt. Viele europäische Hersteller sind selbst von chinesischen Rahmen, Motoren, Batterien und anderen Komponenten abhängig.
Zölle können ein zweischneidiges Schwert sein
Die Situation ist entsprechend komplex: Einerseits sind deutsche Hersteller auf chinesische Komponenten angewiesen, andererseits führt ein Ungleichgewicht am Markt zu einer Schwächung der heimischen Produktion.
Neue Maßnahmen könnten deshalb auch Verbraucher treffen. Hersteller könnten einen Teil der höheren Kosten über steigende Verkaufspreise weitergeben. Ebenso denkbar ist, dass besonders günstige Modelle seltener werden oder die Auswahl schrumpft.
Langfristig kann das immense Folgen haben, denn wenn die Fahrradindustrie einmal am Boden ist, gehen industrielle Kompetenzen dauerhaft verloren. Gerade in Deutschland blickt die Fahrradindustrie auf eine lange Tradition zurück. Im Sinne der Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovationsfähigkeit sollte diese gesichert und weiterentwickelt werden, fordert der ZIV.











