Ein E-Bike mit Mittelmotor, integriertem Akku und vollständiger StVZO-Ausstattung um 1.000 Euro? Das Touroll Urbano 3 verspricht genau das. Ob der günstige Tiefeinsteiger im Alltag hält, was das Datenblatt verspricht, erfährst du in diesem Praxistest.
Lieferung und erster Eindruck
Das Touroll Urbano 3 kommt ordentlich verpackt und ohne Transportschäden an. Der Aufbau ist unkompliziert: Lenker anschrauben, Pedale montieren, Vorderrad einsetzen, vorderes Schutzblech befestigen und die Reifen aufpumpen – das wars. Alles andere ist komplett vormontiert, was den Einstieg einfach macht.
Auf den ersten Blick macht das Urbano 3, genau wie die anderen von uns getesteten Touroll Modelle, einen überraschend guten Eindruck. Der Rahmen ist sauber verarbeitet, der Akku schön in das Unterrohr integriert und die Gesamtoptik wirkt stimmig. Man sieht dem Rad den günstigen Preis nicht sofort an.
Erst bei genauerer Betrachtung zeigen sich klassische Budget-Merkmale: Die Griffe sind nur gesteckt statt verschraubt und könnten sich mit der Zeit am Lenker verdrehen. Auch der Sattel und die Schalthebel kommen klar aus dem günstigen Einsteigerbereich, was sich qualitativ bemerkbar macht. Für die Preisklasse ist das aber eher Standard und nicht wirklich ein Grund zur Beanstandung.



Ausstattung: Alles Wichtige an Bord
Das Touroll Urbano 3 kommt ab Werk als vollständig ausgestattetes Alltagsrad. Gepäckträger mit zusätzlichen Streben für Satteltaschen, Schutzbleche vorne und hinten, Front- und Rücklicht sowie jeweils zwei Reflektoren in den Rädern sind verbaut. Bedeutet: Soweit ich nichts übersehen habe, ist das Urbano 3 direkt StVZO-konform und ohne Nachrüstung im Straßenverkehr einsetzbar.

Das Herzstück, und gleichzeitig auch das besondere in der Preisklasse, ist der Ananda-Mittelmotor mit 250 Watt und 70 Nm Drehmoment. Der Motor ist mir bereits aus anderen Tests wie dem Eleglide C1 oder dem Touroll MA2 bekannt und hat mir schon dort ziemlich gut gefallen. Die im Rahmen verbaute Batterie hat eine Kapazität von 468 Wh.



Die hydraulischen Scheibenbremsen stammen von Logan. Der Hersteller ist zwar eher unbekannt, in der Praxis bremst das Touroll Urbano 3 aber zuverlässig. Die Bremsen greifen sauber und bieten eine gute Verzögerung, die für den Einsatzzweck im urbanen Umfeld oder gelegentlichen Abstechern ins Grüne mehr als ausreicht.


Geschaltet wird über eine Shimano Tourney 7-Gang-Schaltung mit Daumenschalter. Das Schaltwerk ist bewährt, aber ebenfalls aus dem Einsteigerbereich. Für Gelegenheitsfahrer bietet die Übersetzung eine ausreichende Bandbreite.
Wer jedoch häufiger lange Touren fährt, wird sich auf Dauer eine performantere und intuitivere Schaltung samt etwas längerer Übersetzung wünschen. Damit wäre die Trittfrequenz bei höheren Geschwindigkeiten etwas niedriger.
Die Federgabel bietet 80 mm Federweg und lässt sich bei Bedarf sperren. Da die Federgabel ebenfalls aus dem Einsteigerbereich stammt, ist das ein gutes Zusatzfeature. Denn auf ebenen Wegen kann man die Gabel starr schalten, damit nichts klappert oder nachfedert. Auf Feldwegen und an Bordsteinen passiert es nämlich hin und wieder, dass die Gabel etwas blechern ausfedert.
Die Performance ist daher preisbedingt eher durchschnittlich, was in diesem Segment jedoch ebenfalls handelsüblich ist.
Fahreigenschaften im Praxistest
Das Touroll Urbano 3 fährt sich, wie es das Design des City-E-Bikes vorgibt. Der Tiefeinsteiger bietet ein solides, gemütliches und einsteigerfreundliches Fahrerlebnis. Der Ananda-Mittelmotor unterstützt dabei harmonisch in den niedrigeren Stufen und schiebt in den hohen Unterstützungsstufen auch durchaus dynamisch an. In der Praxis macht der Antrieb einen guten Eindruck und fühlt sich deutlich natürlicher an als so mancher günstige Hecknabenmotor.
Mit den 5 verfügbaren Unterstützungsstufen lässt mich das System allerdings manchmal etwas ratlos zurück. Beim Wechseln ändert sich die Intensität manchmal nicht oder nur so gering, dass ich es nicht direkt spüren kann.
Das bezieht sich vor allem auf die Stufen 2-4, die ich gelegentlich nicht sauber unterscheiden kann oder nochmal einen weiteren Umschalt-Impuls brauchen. Für mich nicht wirklich kritisch, da der Mittelmotor dennoch ein sauberes Fahrgefühl liefert und preislich eben nicht in der Liga eines Bosch CX spielt.
Die PAS-Stufen anhand der Geschwindigkeit, die Geekbuying auf der Shopseite beschreibt, kann ich nicht nachvollziehen. Nach meinen Erkenntnissen unterstützen alle Stufen bis 25 km/h. Alles andere wäre für einen Mittelmotor mit Drehmomentsensor auch ziemlich ungewöhnlich.


Der Tiefeinsteiger-Rahmen bietet einen bequemen Einstieg und ist trotz der offenen Rahmenform ordentlich stabil. Über dem Motor befindet sich eine zusätzliche Versteifung, die dem typischen Wobble-Effekt bei Tiefeinsteigern gut entgegenwirkt. Für den vorgesehenen Einsatzzweck ist das absolut in Ordnung. Erst auf eher ruppigem Untergrund spürt man die Grenzen der Rahmenkonstruktion.
Die Sitzposition ist betont komfortabel und aufrecht. Der weit nach hinten geschwungene Lenker in Kombination mit dem verstellbaren Vorbau mündet in einer entspannten Haltung. Dadurch ergibt sich auch verhältnismäßig viel Spielraum bei der Körpergröße. Ich sitze mit 1,80 m sehr gut auf dem Rad.

Positiv: im Gegensatz zu vielen anderen Rädern mit Universalrahmen ist hier die Sattelstütze noch nicht einmal ganz ausgezogen. Auch größere, sowie kleinere Fahrer sollten deshalb beim Urbano 3 problemlos eine passende Einstellung finden.
Die verbauten 27,5-Zoll-Reifen von Kenda sind leicht profiliert und bieten sowohl auf Asphalt als auch auf Feld- und Schotterwegen ausreichend Grip. Die Radgröße macht das Bike insgesamt wendig und agil, ohne dabei nervös zu wirken.
Display und Bedienung
Die Bedieneinheit am Lenker ist minimalistisch und deckt grundlegende Funktionen ab. Auf dem Display liest du den Akkustand in Prozent, Durchschnitts- und Maximalgeschwindigkeit, Fahrzeit sowie Trip- und Gesamtkilometer ab. Die Schiebehilfe wird per langem Druck auf die Minustaste, das Licht per langem Druck auf Plus aktiviert.

Kleiner Kritikpunkt: Die Akkuanzeige schwankt je nach aktueller Leistungsaufnahme des Motors manchmal etwas hin und her. Hier könnte der Hersteller softwareseitig noch nachbessern, damit die Anzeige stabiler ist. Insgesamt ist die Bedienung aber simpel und selbsterklärend – genau richtig für Menschen, die einfach nur fahren wollen statt langen Einrichtungsprozessen oder App-Downloads.
StVZO und Legalität
Ein wichtiger Punkt, der generell für das Touroll Urbano 3 spricht: Das E-Bike ist StVZO-konform und kann somit im deutschen Straßenverkehr genutzt werden. Auch ein CE-Siegel mit allen relevanten Infos ist als Aufkleber auf dem Unterrohr angebracht.
Hinweis: Es gibt allerdings auch ein verstecktes Menü samt Möglichkeit, das Bike schneller zu machen und die maximal unterstützte Geschwindigkeit auf 32 km/h zu erhöhen. Damit gilt das Bike rechtlich nicht mehr als Pedelec.
Für wen eignet sich das Touroll Urbano 3?
Das Urbano 3 ist ein Allrounder für den Alltag und richtet sich an alle, die ein bezahlbares E-Bike für die Stadt, den Weg zum Einkaufen, zum Sport oder für gemütliche Touren suchen. Es macht auch auf der Urlaubspromenade eine gute Figur und ist dank Gepäckträger und Schutzblechen sofort alltagstauglich.
Weniger oder nur eingeschränkt geeignet ist es für Fahrer, die regelmäßig lange Touren planen. Die Reichweite ist für große Ausflüge je nach Unterstützungsstufe begrenzt, die Schaltung für ambitionierte Strecken nicht ausreichend performant und der ab Werk verbaute Sattel bei langen Ausfahrten irgendwann etwas unbequem. Wer ein günstiges und zuverlässiges City-Bike mit Mittelmotor sucht, bekommt hier aber viel Rad für wenig Geld.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ harmonische, natürliche Unterstützung | ⬇ Anbauteile teilweise günstig |
| ⬆ hydraulische Scheibenbremsen | ⬇ Daumenschaltung wenig intuitiv |
| ⬆ StVZO Ausstattung | ⬇ Akkuanzeige schwankt |
| ⬆ verstellbarer Vorbau für viele Körpergrößen | ⬇ Federgabel schlägt in Endlage bei harten Stößen |
| ⬆ gutes Preis-Leistungsverhältnis |
Fazit
Das Touroll Urbano 3 liefert in seinem Preisbereich ein interessantes Gesamtpaket. Der bewährte Ananda-Mittelmotor, die hydraulischen Scheibenbremsen, der integrierte Akku und die vollständige StVZO-Ausstattung machen das E-Bike zu einem guten Angebot im Budget-Segment. Bei Griffen, Sattel und Schaltung merkt man zwar den Preis – aber das ist der Kompromiss.
Wer also einen günstigen und alltagstauglichen Tiefeinsteiger mit Mittelmotor sucht, der im Kern gut abgestimmt ist, wird mit dem Urbano 3 zufrieden sein. Erhältlich ist das Urbano 3 mit dem Rabattcode Spring300 für 999 Euro direkt im Hersteller-Shop. Versendet wird in der Regel aus einem EU-Lager, zusätzliche Versandkosten fallen bei der Bestellung nicht an. Alternativ ist es auch bei Geekbuying gelistet, dort aber aktuell nicht verfügbar.
Noch günstiger wird es mit dem Touroll J1 Pro (Test), das für 743 Euro eine ähnliche Grundausstattung bietet, aber dafür mit einem Heckantrieb ausgestattet ist. Ein weiterer interessanter Tiefeinsteiger ist nach wie vor das Tenways 800S (Test), welches ebenfalls im City-Segment angesiedelt ist aber fast doppelt so teuer – allerdings auch deutlich leichter ist. Machst du lieber den ein oder anderen Abstecher ins Gelände, solltest du dir unbedingt das Lankeleisi MG600 Lite für 1.499 Euro anschauen.












