Ich wollte nur kurz den Preis checken, wirklich nur kurz. Online-Konfigurator öffnen, Farbe wählen, ein bisschen notwendiges Zubehör, einmal auf den stärkeren Bosch CX upgraden. Dann steht da der Preis von 7.300 Euro – für ein Lastenrad. In meinem Kopf macht es leise Klick, nicht Richtung Fahrradladen, sondern Richtung Gebrauchtwagenportale.
Zwei Fahrzeuge, ein Preis – aber völlig unterschiedliche Lösungen
Eben noch war das MAXX Maxximo ein praktisches Rad für Kinder, Einkauf, Stadtverkehr. Eine Minute später ist es ein Fahrzeug, das sich an einer Autologik messen lassen muss: Wetterschutz, Komfort, Sicherheit, Alltagstauglichkeit, Wiederverkauf.
Genau deshalb springt mir sofort der Gedanke in den Kopf, den niemand in Prospekten groß ausbuchstabiert: Für etwa den gleichen Preis bekommt man auch einen gebrauchten Dacia Spring-E, wie Online-Inserate zwischen 7.000 und 8.000 Euro zeigen. Das ist kein fairer Fight, aber ein ehrlicher Vergleich, weil er die Frage stellt, die der Preis aufdrängt: Kaufe ich hier ein Fahrrad oder kaufe ich mir die Freiheit, auf ein zweites Auto zu verzichten?
Der Gedanke an das E-Auto kommt schließlich nicht aus dem Nichts. Er entsteht genau dort, wo Alltag stattfindet: morgens vor der Kita, wenn der Weg kurz ist, aber das Auto trotzdem Platz, Zeit und Nerven kostet.
Das Maxximo macht es einem leicht, diesem Sprung gedanklich zu folgen. Es wirkt nicht wie ein Fahrrad, das zufällig mehr tragen kann, sondern wie ein Longtail, das von Anfang an als Ersatz fürs Zweitauto gedacht ist. Hohe Zuladung, stabiler Aufbau und so motorisiert, dass Anfahren mit Last nicht zur Kraftprobe wird. Auch die Bremsen sind so gewählt, dass Nässe nicht gleich Stress bedeutet. Extras wie ABS oder eine Automatikschaltung sind weniger Spielerei als Versuch, die typischen Reibungspunkte im Alltag wegzunehmen. Der Preis entsteht aus diesem Anspruch, nicht aus einem schickeren Lack.

Keine Fahrrad-Alternative, sondern ein Zweitwagen
Trotzdem bleibt der Moment, in dem man sich fragt, wer das eigentlich kaufen soll. 7.300 Euro sind für viele Haushalte nicht „teurer als ein Fahrrad“, sondern schlicht außerhalb dessen, was man für Mobilität auf einmal ausgeben kann. Spätestens hier kippt die Debatte um Lastenräder oft ins Unangenehme: Sie werden als Lösung für viele präsentiert, sind in dieser Ausbaustufe aber eher eine Option für Menschen, die überhaupt Wahlmöglichkeiten haben. Wer den Betrag aufbringen kann, spart vielleicht tatsächlich ein Auto ein. Wer ihn nicht aufbringen kann, spart gar nichts, sondern bleibt beim alten System.
Damit wird das MAXX Maxximo zu einem Symbol, ohne es zu wollen. Es zeigt, wie ernst die Industrie den Autoersatz nimmt, technisch und konzeptionell. Es zeigt aber auch, wie leise man inzwischen darüber hinweggeht, dass solche Lösungen im Preisbereich von Gebrauchtwagen angekommen sind. Am Ende ist der Schock nicht nur die Summe, sondern die Erkenntnis dahinter: Die Verkehrswende wird gern als Frage der Vernunft erzählt, in der Praxis ist sie jedoch oft zuerst eine Frage des Kontostands – und erst danach eine der Überzeugung.















Das eBike News nach der Namensänderung zu Watt moves sich auch inhaltlich ändert, war zu erwarten. Aber dieser Vergleich haut dem Fass den Boden raus. Ein individuell konfiguriertes eBike mit einem Gebrauchtwagen einer Günstigmarke zu vergleichen, hat außer dem Preis nichts gemeinsam. Es gibt mittlerweile auch einen recht guten Markt für gebrauchte eBikes. Auch wenn im Text, versucht wird das ganze zu relativieren, steht der Titel. Und dieser suggeriert dem flüchtigen Leser, bleib lieber beim Auto, das ist günstiger.
Hey Sixtus, danke für deinen differenzierten Kommentar – ehrlich! Tatsächlich empfanden wir das aber ganz und gar nicht als Kernaussage des Textes. Vielmehr sollte es als Denkanstoß dienen, dass die Mobilitätswende hier und da noch hakt in Bezug auf die Lebensrealität vieler Menschen. Wir vergleichen hier ja nicht irgendein gebrauchtes Auto, sondern ein Elektroauto wo sich viele Nicht-Überzeugungstäter vielleicht fragen, wofür das Geld angelegt wird als „Zweitfahrzeug“ und wie viel es dafür gibt. Das ist ja durchaus ein berechtigter Gedankengang. Liebe Grüße, Simon aus dem wattmoves Team :)