Plastik nicht wegwerfen, sondern zu Hause in neue Produkte verwandeln – klingt nach Zukunftsmusik. Doch Creality, einer der größten 3D-Drucker-Hersteller weltweit, will genau das mit zwei neuen Geräten möglich machen. Kann das funktionieren?
Wie das Creality-System funktioniert
Das System besteht aus zwei Geräten, die zusammenarbeiten. Der R1 Shredder zerkleinert Plastikabfälle auf wenige Millimeter und trocknet sie gleichzeitig – wichtig, weil Feuchtigkeit beim späteren Druck für Blasen und brüchige Teile sorgt. Der M1 Filament Maker schmilzt das Granulat dann bei bis zu 350 Grad ein und formt daraus einen gleichmäßigen Kunststofffaden, der direkt auf eine Spule aufgewickelt wird.
Das Ergebnis lässt sich in jeden handelsüblichen 3D-Drucker einlegen. Bis zu ein Kilogramm pro Stunde soll möglich sein – neben Standard-Kunststoffen wie PLA und PETG auch technische Materialien wie Nylon. Ein integriertes Filtersystem soll Dämpfe aus der Wohnungsluft fernhalten.


Der Haken: Kein Joghurtbecher-Recycling
Wichtig zu wissen: Das Creality-System ist für 3D-Druck-Abfälle konzipiert – nicht für Haushaltsplastik. Joghurtbecher, Shampooflaschen oder Verpackungsmüll funktionieren nicht, die Kunststoffsorten sind zu unterschiedlich und oft verunreinigt. Wer PET-Flaschen verwerten will, greift besser zum Open-Source-Bausatz Polyformer, der Flaschen in Streifen schneidet und daraus Druckmaterial formt – für etwa 200 Dollar Materialkosten. Wer hingegen kistenweise Fehldrucke, Stützstrukturen und Reste im Keller hat, für den ist Crealitys Lösung gedacht.
Qualität leidet mit der Zeit
Ein physikalisches Problem lässt sich auch mit neuer Hardware nicht umgehen: Kunststoffe degradieren thermisch. Bei jedem Einschmelzen werden die Molekülketten kürzer, das Material wird spröder, die Druckqualität sinkt. Creality gibt für frisches Granulat eine Durchmessertoleranz von 0,05 Millimetern an, bei recyceltem Material sind es 0,1 Millimeter – für Präzisionsteile oft zu viel. Die Lösung in der Praxis: Altes Material mit frischem mischen. Einen anderen Ansatz verfolgen Hersteller wie Snapmaker, deren neue Technologie den Abfall von vornherein um 80 Prozent reduzieren soll.
Preis noch unbekannt – Crowdfunding startet bald
Einen finalen Preis hat Creality noch nicht verraten, aber eine Crowdfunding-Kampagne angekündigt. Industrielle Recycling-Systeme kosten oft mehrere tausend Euro – liegt Creality deutlich darunter, könnte das System den Markt verändern. Für Einsteiger lohnt sich das allerdings noch nicht. Wer sich für den Einstieg in den 3D-Druck interessiert, findet in unserem Test des Bambu Lab A1 und Test des Anycubic Kobra 3 einen guten Ausgangspunkt. Selbst große Unternehmen wie Philips setzen mittlerweile auf 3D-Druck, um Ersatzteile länger verfügbar zu machen.













