Es ist das Szenario, vor dem die Veranstalter in Frankfurt am meisten gezittert haben. Nachdem Branchen-Primus Bosch den ersten Stein angestoßen hat, fällt nun der nächste Riese: Shimano macht ernst. Was im November noch als Zögern kommuniziert wurde, ist jetzt Gewissheit. Der japanische Weltmarktführer bleibt der Eurobike 2026 fern. Eine Entscheidung, die weit mehr ist als eine simple Absage – sie markiert eine Zäsur für die gesamte Fahrradindustrie.
Aus Zögern wird Absage
Als wir im November über den Bruch zwischen den Verbänden und der Eurobike berichteten, war Shimanos Haltung noch offen. Paul Lange & Co., der deutsche Shimano-Generalvertreter, wollte erst analysieren, ob und wie man 2026 noch dabei sein werde. Diese Analyse ist nun abgeschlossen – mit eindeutigem Ergebnis: Shimano kehrt der Eurobike dauerhaft den Rücken.
In einer Pressemitteilung begründet das Unternehmen den Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung. Künftig wolle man auf kunden- und verbraucherorientierte Veranstaltungen setzen, die persönliche Gespräche und praktische Produkterlebnisse ermöglichen. Gleichzeitig übt Shimano Kritik an den Rahmenbedingungen klassischer Fachmessen: Veränderte Besucherströme, steigende Ausstellungskosten und neue Formen der Interaktion hätten die Entscheidung beeinflusst.
Pikante Personalie im Hintergrund
Besonders brisant ist die Konstellation hinter den Kulissen. Erst kürzlich hatte sich Shimano am Vertriebspartner Paul Lange & Co. beteiligt. Dessen Geschäftsführer Bernhard Lange sitzt auch im Präsidium des ZIV – und genau er war es, der im Oktober den Bruch der Verbände mit der Eurobike verkündete.
Die Liste der Abwesenden wächst
Mit Shimano verliert die Eurobike einen weiteren Eckpfeiler. Bereits aktiv für 2026 abgesagt haben neben dem Komponentenriesen auch Bosch eBike Systems sowie Riese & Müller, der stattdessen zeitgleich eigene „Campus Days“ veranstaltet. Auch die Verbände ZIV und Zukunft Fahrrad haben der Messe den Rücken gekehrt.
Schon 2025 fehlten internationale Schwergewichte wie SRAM, DT Swiss, Scott Sports und Fox Factory sowie große Konzerne wie Trek, Merida und die ZEG. Ob diese Marken 2026 zurückkehren, ist offen.
Neustart-Gespräche – einen Tag vor der Absage
Dabei hatte es gerade erst positive Signale gegeben. Am 29. Januar trafen sich die Eurobike-Organisatoren mit den Verbänden in Brüssel, um einen möglichen Neustart ab 2027 zu diskutieren. Nur einen Tag später kam Shimanos Absage.
Die Messe schrumpft bereits: Statt fünf Hallen nur noch drei, statt fünf Tage nur noch vier. Vom 24. bis 27. Juni soll die Eurobike dennoch stattfinden.
Einordnung: Der stille Machtkampf ist entschieden
Machen wir uns nichts vor: Ohne den Weltmarktführer für Antriebe und den Weltmarktführer für Komponenten wird es für die Eurobike schwer, ihren Status als Leitmesse zu verteidigen. Diese Absage zeigt, dass sich die Spielregeln ändern – immer mehr Hersteller setzen auf eigene Events statt auf klassische Messeauftritte. Für Frankfurt wird 2026 ein entscheidendes Jahr.














