Er wird gehasst, belächelt und gefeiert – manchmal alles gleichzeitig. Als die Schweizer Firma E-Outdoor im Herbst 2025 den weltweit ersten elektrischen Tourenski ankündigte, brach im Netz ein Shitstorm los. Ein halbes Jahr und mehrere unabhängige Praxistests später steht fest: Der E-Skimo funktioniert. Aber er hat auch Schwächen, die der Hersteller anfangs verschwiegen hat. Wir haben die Testergebnisse internationaler Fachmedien ausgewertet.
Was steckt hinter dem E-Skimo?
Das Prinzip erinnert an E-Bikes, nur eben für den schneebedeckten Berg. Ein Nabenmotor sitzt hinten am Ski, die Batterie vorne. Ein Band läuft durch Löcher im Ski und verbindet beides mit der Bindung. Über zwei Knöpfe in den Skistöcken wird das System gesteuert.
Seit der ersten Ankündigung hat sich die Technik weiterentwickelt. Der Motor leistet mittlerweile 15 Nm (statt anfänglich 10 Nm), der Akku fasst 252 Wh. Vier Modi stehen zur Wahl: Eco, Boost, Manuell und ein Fahrmodus mit bis zu 14 km/h. Die Unterstützung greift bei Steigungen bis 9 Grad. Wird die Batterie unterwegs leer, lässt sich der Aufstieg ohne Motor fortsetzen – die Ski bleiben voll funktionsfähig.
Der E-Skimo im Hersteller-Video:
So schlägt sich der E-Tourenski in der Praxis
Mehrere Fachmedien konnten den E-Skimo bereits am Berg testen – darunter die Schweizer Bilanz und der Beobachter. Die Ergebnisse decken sich: Im Boost-Modus nimmt der Motor rund 30 Prozent der Anstrengung ab. Bei einem Test auf der Splügenstrasse in den Schweizer Alpen bewältigte eine Testerin 150 Höhenmeter und drei Kilometer – und konnte dabei durchgehend normal sprechen, ohne außer Atem zu geraten. Ein Gefühl, das E-Bike-Fahrer vom Radfahren kennen.
Am Gipfel folgt der Umbau: Motor, Band und Akku werden in rund zwei Minuten entfernt, 3D-gedruckte Füller schließen die Löcher im Ski. Die Technik wandert in den mitgelieferten Rucksack. Der 173 cm lange Freeride-Ski von Blizzard mit 112 mm Breite überzeugt Tester dann mit Drehfreudigkeit und zuverlässigem Kantenhalt, auch auf Eis.
Was noch nicht überzeugt
Zwei Punkte fallen in den Praxistests negativ auf. Erstens: die Lautstärke. Ein deutlich hörbares Surren begleitet jeden Schritt beim Aufstieg. „Bis nächstes Jahr halbieren wir die Lautstärke“, verspricht Ingenieur Ivan Mura gegenüber dem Schweizer Beobachter. Zweitens: die Bedienung. Die Knöpfe an den Stöcken funktionieren grundsätzlich gut, doch mit dicken Handschuhen rutscht man auf der Oberfläche ab.
Auch beim Gewicht gibt es eine Überraschung. Anfangs kommunizierte E-Outdoor ein Systemgewicht von 2,8 kg. In der Praxis wiegt jeder Ski mit Motor, Akku, Band und Fell allerdings 6,5 kg – für die Abfahrt sind es noch 3,5 kg pro Ski, dazu kommen rund 6 Kilogramm Technik im Rucksack. Und: Mit 112 mm Breite ist der aktuelle Ski für klassische Skitourengeher zu breit. Standard wären 90 mm.
Wer kauft einen E-Tourenski für 5.300 Euro?
100 Exemplare der Launch Edition hat E-Skimo bislang produziert. 25 davon waren sofort verkauft. Die tatsächliche Zielgruppe überraschte selbst die Gründer: Nicht Anfänger griffen zu, sondern erfahrene Skitourengeher um die 60 – wohlhabend und technikaffin. Männer, die den Sport seit Jahrzehnten lieben, denen der Aufstieg aber zunehmend schwerfällt.
Auch die italienische und die französische Armee testen den E-Skimo für ihre Gebirgsjäger. In St. Moritz und Verbier wurden Testzentren eingerichtet, in denen Interessierte den E-Tourenski ausprobieren können.
E-Skimo: Preis, Verfügbarkeit und Ausblick
Die Launch Edition kostet knapp 5.000 Schweizer Franken (rund 5.300 Euro). Im Paket enthalten sind 173 cm Freeride-Ski mit Titanal-Konstruktion, ATK-Tourenbindung, zwei Akkus, Ladegeräte, Skistöcke, Felle, Steigeisen, Skitasche und Rucksack. Eine zweijährige Garantie mit 24-Stunden-Ersatzservice ist ebenfalls dabei.
CEO Nicola Colombo und Ingenieur Ivan Mura sehen sich auf den Spuren der E-Bike-Pioniere der 1990er-Jahre. Damals wurde der Motor am Fahrrad belächelt – heute hat jedes zweite verkaufte Rad einen Antrieb. Bis 2027 wollen sie 500 Paare pro Jahr produzieren. Der nächste große Schritt: ein schmalerer 90-mm-Ski, der die klassische Tourenski-Breite trifft. In zwei Jahren soll das technisch gelöst sein.














