Vollfederung ist bei E-Lastenrädern noch immer eine Ausnahme. Genau hier setzt Lemmo mit dem neuen Lemmo 3 an. Das Berliner Unternehmen kündigt das E-Longtail mit 80 Millimetern Federweg vorne und hinten, einem 960-Wh-Akku und 200 kg zulässigem Gesamtgewicht an. Nicht nur der erwartete Komfort, sondern auch der Preis klingt vielversprechend – hat allerdings einen wichtigen Haken.
APV verspricht hohen Komfort in Stadt und Land
Nachdem Lemmo bereits mit den Modellen Lemmo One und Lemmo Zero für durchaus innovative Mobilitätslösungen auf zwei Rädern gesorgt hat, will das Unternehmen nun das E-Lastenrad in die nächste Generation hieven. Das Lemmo 3 ist das Ergebnis des internen Projekts APV. Die Abkürzung steht für „All Purpose Vehicle“, zu Deutsch „Mehrzweckfahrzeug“. Das Ziel war es, das Konzept des Lastenrads komfortabler und vielseitiger zu machen.
Herzstück des Lemmo 3 ist das sogenannte 4D-Federungssystem. Dieses macht das Zweirad zu einem vollgefederten E-Longtail-SUV. Eine Federung vorne und hinten ist bei E-Lastenrädern nur selten zu finden. Alternative Beispiele sind das Riese & Müller Load5 sowie das Kettler Cargoline FS 800. Beide spielen allerdings in einer deutlich höheren Preisklasse als das Lemmo 3 – mehr dazu weiter unten.

Der Hersteller verbaut eine speziell für Longtail-Modelle abgestimmte 80-mm-Hinterbaufederung mit einer hochbelastbaren Feder, die in die entkoppelte Rahmenarchitektur integriert ist. Vorne gibt es ebenfalls 80 mm Federweg mit einer hydraulischen Federgabel. Dazu kommen 20 mm an der verstellbaren Federsattelstütze sowie großvolumige All-Terrain-Reifen. Das verspricht viel Komfort in einer E-Bike-Klasse, die nicht gerade dafür bekannt ist.
Lemmo 3 bietet 200 kg Gesamtgewicht und smarte Features
Auch das oft sperrige Fahrverhalten von Lastenrädern will Lemmo verbessern. Mit dem Longtail-Ansatz ist – im Gegensatz zur indirekten Lenkung von Frontladern – eine klassische Fahrradlenkung möglich. Zudem fällt auch die Gesamtlänge trotz des verlängerten Radstands überschaubar aus. Gefahren wird auf einem 24 Zoll großen Vorder- und einem 20 Zoll großen Hinterrad. Verbaut sind sie an einem Aluminiumrahmen, mit dem das Lemmo 3 laut Hersteller für ein zulässiges Gesamtgewicht von 200 kg ausgelegt ist.
Wichtig: Diese 200 kg umfassen das Fahrrad, den Fahrer, Passagiere und Gepäck. Da das Lemmo 3 laut Hersteller rund 39 kg wiegt, bleiben rechnerisch etwa 161 kg für alles, was mitfährt. Der optionale Frontträger darf mit bis zu 20 kg, die Heckplattform mit bis zu 80 kg belastet werden.
Die 700 mm lange modulare Heckplattform mit MIK-HD-Kompatibilität soll Platz für bis zu zwei Kinder bieten. Passendes Zubehör wie Schutzbügel, Sitzpolster und Fußbretter ist bereits angekündigt. Das wachsende Zubehörangebot soll künftig weitere Möglichkeiten beim Transport von Lasten eröffnen.

Für die Sicherheit im Straßenverkehr sollen unter anderem das Beleuchtungssystem mit Fern- und Abblendlicht, automatischem Bremslicht und Blinkern sowie ein Radarsystem für den nachfolgenden Verkehr sorgen. Das kombinierte Bremssystem (CBS) verteilt die Bremskraft beim Betätigen eines Bremshebels auf beide hydraulischen Bremsen. Dies soll ebenfalls zu einem stabileren Fahrverhalten beitragen. Dazu nennt Lemmo verschiedene smarte Features wie einen siebenstufigen Diebstahlschutz, ein 3,5 Zoll großes Touchdisplay sowie eine KI-gestützte Automatikfunktion.
Diese Automatik ist offenbar der teureren Ausführung mit Riemenantrieb und interner Dreigangschaltung vorbehalten. Angetrieben wird das Lemmo 3 laut Hersteller von einem Hinterrad-Nabenmotor mit maximal 90 Nm Drehmoment. Die Energie liefert ein entnehmbarer 960-Wh-Akku mit sogenannten Semi-Solid-State-Zellen. Lemmo stellt damit bis zu 180 km Reichweite in Aussicht. Unabhängige Messwerte und transparente Bedingungen für diesen Maximalwert gibt es bislang nicht.
Satter Kickstarter-Rabatt – aber Preise sind netto
Das Lemmo 3 soll im Oktober 2026 zunächst auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter starten. Wer die mit Kampagnen dieser Art einhergehenden Risiken eingehen möchte, kann sich laut Lemmo für 39,90 Euro einen nicht öffentlichen Kickstarter-Link und den reservierten Einstiegspreis sichern. Die Reservierungsgebühr soll vollständig erstattungsfähig sein. Das eigentliche Kickstarter-Backing und die Bezahlung des Fahrrads sind anschließend trotzdem noch erforderlich.
Der reservierte Preis für die Kettenversion beträgt 1.890 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer und Versand. Für Deutschland sind das rechnerisch rund 2.249 Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer, aber weiterhin ohne Versand. Die Ausführung mit Riemenantrieb und Dreigangschaltung soll 169 Euro netto mehr kosten.
Auch die genannte unverbindliche Preisempfehlung von 3.390 Euro versteht sich laut Lemmo netto. In Deutschland entspräche das rund 4.034 Euro inklusive Mehrwertsteuer und ohne Versand. Für ein vollgefedertes E-Lastenrad wäre selbst der deutsche Bruttopreis eine Ansage – zunächst wirken die genannten Preise auf der Website dennoch leicht undurchsichtig. Erste Auslieferungen stellt Lemmo bis April 2027 in Aussicht.
Auf den ersten Blick wirkt es jedenfalls wie ein spannendes E-Longtail, das nicht nur beim Transport von Kindern und Einkäufen, sondern mit seinen SUV-Qualitäten auch auf unebenem Terrain punkten könnte. Ob Komfort, Reichweite und Zuladung in der Praxis überzeugen, muss ein Test zeigen.











