E-Bikes mit Automatikschaltung finden sich normalerweise in der oberen Preisklasse wieder. Doch Lemmo krempelt den Markt um: Das Collab.Ride, die dritte Generation des Lemmo One, kostet nur 2.590 Euro und bekommt dennoch serienmäßig eine 9-Gang-Automatik und einen leistungsstarken Heckmotor verpasst. Wir haben das Lemmo One Collab.Ride ausgiebig getestet und verraten, wie gut das System funktioniert.
Lemmo One Collab.Ride kommt schnell und gut verpackt
Für unseren Test des Lemmo One Collab.Ride haben wir bereits das Vorserienmodell zugeschickt bekommen. Wie wir es schon aus unseren Tests des Lemmo One und des Lemmo One Mk2 gewohnt sind, wird das E-Bike schnell und in einem stabilen Karton geliefert.
Das Auspacken gestaltet sich sehr einfach, da der Karton mit einer Öffnung an der Seite versehen ist. So muss das Bike nicht herausgehoben, sondern herausgezogen werden, was auch eine Person alleine bewerkstelligen kann. Im Inneren sind alle Teile sorgfältig mit Schaumstoff verkleidet und abgeklebt, sodass Transportschäden unwahrscheinlich sind.



Gewohnt cleaner Look mit guter Verarbeitung
Das Lemmo One Collab.Ride ist mithilfe der schriftlichen Anleitung oder der Videoanleitung schnell zusammengebaut. Große Überraschungen gibt es auf den ersten Blick nicht. Das Lemmo One hat sich hinsichtlich seines Designs kaum verändert.
Der Rahmen ist für ein urbanes E-Bike typisch sehr clean gehalten. Kabel und Leitungen verschwinden im Inneren des Bikes. Die Verarbeitung ist generell hochwertig: Schweißnähte sind nicht erkennbar und die Frontbeleuchtung ist elegant am Steuerrohr integriert. Hier wirkt alles durchdacht.
Auch das Cockpit ist clean gestaltet: Das Display ist nicht am Lenker untergebracht, sondern im Oberrohr integriert. Für mehr Infos während der Fahrt bietet das Lemmo eine integrierte Smartphone-Halterung, die sich mit ein wenig Übung mit einer Hand aus dem Vorbau ausklappen lässt.





Dritte Generation des Lemmo One mit großen Updates
Doch bereits am Cockpit fällt eine der wesentlichen Neuerungen sofort ins Auge. Neben den dezenten, kleinen Tastern für die Hupe oder die Steuerung der Unterstützungsstufe haben sich an der rechten Seite des Lenkers zwei neue Taster eingeschlichen: Die kabellose Steuerung der neuen elektrischen Automatikschaltung.
Obwohl sich optisch kaum etwas am Lemmo One verändert hat, trumpft das Collab.Ride nämlich mit einer kleinen technischen Revolution auf: Die elektrisch gesteuerte Kettenschaltung mit neun Gängen funktioniert wahlweise automatisch oder per Funktaster. Das kennen wir bereits von Schaltungen wie der Shimano Di2, doch dass ein solches System nun an einem E-Bike der mittleren Preisklasse auftaucht, ist überraschend.



Zusätzlich hat Lemmo das One Collab.Ride mit einem noch stärkeren Heckmotor versehen. Nicht, dass uns die Leistung der Vormodelle negativ aufgefallen wäre, doch mit 52 Newtonmetern in der Hinterradnabe sollte wirklich jede Etappe zu meistern sein, die man mit einem Urban-E-Bike bestreiten will.
Lemmo One Collab.Ride fährt sich sehr komfortabel
Aufsteigen und genießen: So in etwa fühlt sich das Lemmo One Collab.Ride gleich auf den ersten Metern an. Die Sitzposition ist angenehm und leicht sportlich, für eine 1,85 m große Person ist der XL-Rahmen wie gemacht. Die ergonomischen Griffe bieten gute Kontrolle und gleichzeitig hohen Komfort.
Doch vor allem der intelligente Mitfahrer ist es, der das Lemmo One Collab.Ride strahlen lässt. Die Automatikschaltung funktioniert in der Stadt hervorragend. Wann immer man eigentlich selbst den Gang wechseln möchte – das System scheint Gedanken lesen zu können und erledigt den Gangwechsel selbst.
Dadurch bietet das neue Lemmo ein hervorragendes Fahrgefühl, gerade wenn man im städtischen Verkehr auf andere Dinge als die richtige Gangwahl achten muss. Hinzu kommt, dass auch die hydraulischen 4-Kolben-Bremsen super zupacken, wenn es nötig ist.

Automatikschaltung überschätzt Fahrerleistung gelegentlich
Als Grundlage für den Gangwechsel bezieht die Automatikschaltung Daten aus Trittfrequenz, Trittkraft, Geschwindigkeit und Neigung des E-Bikes. Entsprechend genau findet der Gangwechsel im Alltag statt. Wenn es allerdings mal steiler bergauf geht, scheint das System die Kraft des Fahrers gelegentlich leicht zu überschätzen. Hier wäre ein früherer Wechsel in einen leichteren Gang hin und wieder wünschenswert.
Doch auch diese Herausforderung ist leicht gelöst: Denn per Klick auf die Daumentaster schaltet das E-Bike einen oder mehrere Gänge herauf oder herunter – die Automatik übernimmt dann erst nach einer Minute wieder die Schaltung.
Der Motor bietet drei unterschiedliche Unterstützungsstufen, von denen die zweite und dritte ordentlich Power liefern. Per Klick auf den Taster an der rechten Lenkerseite lassen sich die Stufen wechseln. Einen extra Turbo-Boost gibt es, wenn man den Taster gedrückt hält.
Interner Akku ergänzt Smartpac
Über das Display im Oberrohr bleibt man während der Fahrt über die wichtigsten Daten informiert. Vor allem der Ladezustand des Smartpacs und des internen Akkus sind wichtige Informationen. Während das Smartpac den Motor versorgt, ist der interne Akku für Schaltung, Systemfunktionen und Beleuchtung zuständig.
So kann das Lemmo One Collab.Ride samt Schaltung auch ohne Smartpac genutzt werden, nur eben ohne Motor. Dieser lässt sich mit einem Griff an der Hinterradnabe zwischen Muskelkraft und E-Power umschalten.
Aus welchen Gründen auch immer man diese Funktion nutzt: das E-Bike lässt sich mit seinen 15 kg (ohne Smartpac) auch sehr gut mit reiner Muskelkraft fahren. Der interne Akku wird entweder automatisch über das Smartpac geladen oder lädt sich während der Fahrt auf.



Lemmo App funktioniert hervorragend
Als wäre eine Automatikschaltung an einem E-Bike aus der mittleren Preisklasse noch nicht Kaufargument genug, präsentiert Lemmo eine komplett durchdachte Software und Bedienung. Alle wesentlichen Funktionen sind auch ohne Smartphone zugänglich, doch das Smartphone erlaubt eine deutlich leichtere Steuerung der Funktionen.
Sowohl für das Smartpac als auch für das Bike gibt es einen eigenen QR-Code zur Kopplung mit der Lemmo App. Das erlaubt neben vielen weiteren Funktionen auch die Navigation während der Einsicht in die Fahrtdaten.
Dazu gehören neben der zurückgelegten Strecke, der Geschwindigkeit und dem Akkustand auch die Trittfrequenz, die eigene Leistung in Watt sowie der gewählte Gang und die gewählte Unterstützungsstufe.



Integrierte Sicherheitsfeatures
Besonders praktisch ist das Sperren und Entsperren des Lemmo One Collab.Ride über die App. Mit einem Wisch über das Display lässt sich das Smartpac nicht mehr entfernen und der Motor blockiert das Hinterrad. Die (Ent-)Sperrung ist auch ohne App möglich, indem die Taster an beiden Lenkerseiten gedrückt werden. Dadurch kann jedoch theoretisch jeder, der sich mit der Funktionsweise auskennt, das E-Bike aktivieren.
Doch in den App-Einstellungen lässt sich ebenfalls eine Sicherheitsfunktion aktivieren, die die Entsperrung des E-Bikes nur erlaubt, wenn ein gekoppeltes Smartphone sich in der Bluetooth-Reichweite befindet. Dadurch fungiert das Smartphone wie ein Keyless-System beim Auto und erlaubt den Start nur autorisierten Personen.
Sollte sich dennoch jemand ohne Erlaubnis am Lemmo One Collab.Ride zu schaffen machen, ertönt bei Bewegung ein schriller Alarmton. Dieser lässt sich ebenfalls per Fernsteuerung auslösen – zum Beispiel, wenn man am Bahnhof nicht mehr genau weiß, wo das eigene E-Bike eigentlich steht.
Zusätzlich bietet Lemmo in seinem Online-Shop auch ein Faltschloss mit Fingerabdruck-Steuerung an, welches sich mit dem E-Bike-System verbinden lässt. Damit wird das gesamte E-Bike gesperrt, sobald das Schloss angelegt ist – und anschließend per Fingerabdruck wieder entsperrt.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| ⬆ 9-Gang-Automatikschaltung | ⬇ Automatik überschätzt Fahrer bei Steigungen |
| ⬆ Heckmotor mit 52 Nm | ⬇ lackierte Sattelstütze anfällig für Kratzer |
| ⬆ hervorragende App mit Keyless-System | |
| ⬆ auch ohne Motor fahrbar | |
| ⬆ cleanes Design & hochwertige Verarbeitung | |
| ⬆ starkes Preis-Leistungs-Verhältnis |
Fazit
Mit dem Lemmo One Collab.Ride ist den Berlinern durchaus Großes gelungen: Eine funktionierende, smarte Automatikschaltung mit neun Gängen feiert ihren Einzug in die mittlere Preisklasse.

Einen kleinen Punktabzug gibt es hier lediglich für die etwas verzerrte Gangwahl bei Bergauffahrten – ein Problem, das Lemmo sicher per Software-Update zu lösen weiß. Wie wir aus dem Kontakt mit dem Hersteller wissen, sind bereits einige Updates für weitere Funktionen geplant, die nach und nach ausgerollt werden sollen.
Nach 50 Kilometern Testfahrt in hügeligem Terrain, meist in Unterstützungsstufe 2 und 3, ist der Akku bis auf 10 % leergefahren. Ein solider Wert für die 530 Wh, die das Smartpac bereitstellt. Wir halten damit eine Reichweite von 80 km bei etwas vernünftigerer Nutzung im urbanen Alltag für durchaus möglich.
Wirklich negative Kritikpunkte sind schwer zu finden. Lediglich die lackierte Sattelstütze ist hier aufgefallen. Zwar bringt die Lackierung in Rahmenfarbe einen extrem cleanen Look, doch wer den Feststellmechanismus nicht richtig anzieht oder die Sattelstange häufig bewegt, wird schnell Schäden am Lack feststellen.

Lemmo One Collab.Ride kaufen: aktuell ab 2.590 Euro
Gerade mit Blick auf den Preis ist das Lemmo One Collab.Ride eine echte Kaufempfehlung für alle urbanen Pendler, die sorglose Fahrten genießen wollen. Aktuell gibt es das smarte E-Bike im Onlineshop von Lemmo für einen Startpreis von 2.590 Euro.
Entsprechend richtet sich das E-Bike vor allem an ein fortschrittsorientiertes, technikaffines Publikum und an alle, die es sportlich und komfortabel haben wollen. Mit dem neuesten Lemmo One fährt man ein Stück Zukunft, ohne dabei allzu tief ins Portemonnaie zu greifen.
Lemmo setzt dafür nicht auf Markenkomponenten, sondern schafft ein eigenes System, in dem unterschiedliche Komponenten zu einer Einheit zusammengeführt werden. Wer auf die automatische Schaltung verzichten mag, findet immer noch das Lemmo One Mk2 im Online-Shop des Herstellers. Dort ist es derzeit ab 1.990 Euro zu haben.













