Rad Power Bikes, einst das wertvollste E-Bike-Startup der USA, hat einen Käufer gefunden. Der Preis ist schockierend niedrig – und zeigt, wie hart die Realität nach dem E-Bike-Boom geworden ist. Von einer Bewertung von 1,65 Milliarden Dollar zu einem Verkaufspreis, der kaum die Schulden deckt: Was hier passiert ist, markiert einen der härtesten Abstürze in der Geschichte der E-Mobilität.
Auktion bringt nur 13 Millionen Dollar
Vor wenigen Tagen fand die entscheidende Auktion statt. Fünf Bieter lieferten sich ein Rennen um die Reste des insolventen E-Bike-Pioniers. Der Startpreis lag bei mageren 8 Millionen Dollar.
Das finale Gebot landete bei 13,2 Millionen Dollar. Rechnet man die übernommenen Verbindlichkeiten hinzu, liegt der Gesamtwert bei gerade einmal 14,9 Millionen Dollar. Das entspricht weniger als einem Prozent der einstigen Bewertung.
Life EV sammelt angeschlagene Marken
Neuer Eigentümer ist Life Electric Vehicles aus Florida. Das börsennotierte Unternehmen verfolgt eine klare Strategie: angeschlagene E-Mobility-Marken aufkaufen, Kosten senken, Synergien nutzen.
Bereits 2023 übernahm Life EV die Harley-Davidson-Tochter Serial 1 im Rahmen einer Restrukturierung. Jetzt folgt mit Rad Power Bikes der nächste große Name. Der Deal muss noch vom zuständigen Insolvenzrichter genehmigt werden.
Der 1,6-Milliarden-Irrtum
Um die Dimension zu begreifen, muss man drei Jahre zurückblicken. 2021 war Rad Power Bikes der Liebling der Investoren. Geldgeber wie Fidelity und Morgan Stanley pumpten Hunderte Millionen in das Startup. Die Bewertung damals: 1,65 Milliarden Dollar.
Das Geschäft in Deutschland und Europa hatte das Unternehmen bereits 2023 eingestellt – rückblickend ein erstes Warnsignal. Der Fall reiht sich ein in die Pleiten von VanMoof und anderen Playern, die an Überproduktion und sinkender Nachfrage zerbrochen sind.
Was bedeutet das für E-Bike-Käufer?
Für die verbliebenen Rad-Power-Besitzer bedeutet der Verkauf vorerst Unsicherheit. Ob der Markenname erhalten bleibt, wie es mit Ersatzteilen weitergeht und ob Life EV die ungelöste Akku-Problematik übernimmt, ist offen. Die US-Verbraucherschutzbehörde hatte vor Brandgefahr bei älteren Modellen gewarnt – Rad Power Bikes erklärte damals, kein Geld für einen Rückruf zu haben.
Der Fall zeigt, wie fragil selbst große E-Bike-Marken geworden sind. Auch in Deutschland mussten zuletzt Hersteller wie Prophete, Sushi Bikes und Advanced Insolvenz anmelden. Wer ein E-Bike kauft, sollte auf etablierte Marken mit stabilem Servicenetz setzen – oder zumindest prüfen, wie lange der Hersteller schon am Markt ist.














