Vom Hobbykeller zur Industrie-Logistik: Ein deutscher Unternehmer zeigt aktuell, wie man mit einer 3D-Druck-Farm eine ganze Branche umkrempelt – mit einem eigentlich simplen Musikinstrument. Weil die Nachfrage nach seinem selbst gedruckten Produkt explodiert, reicht der normale Lieferwagen der Post längst nicht mehr aus.
30 Drucker im Dauerbetrieb: Eine Farm eskaliert
Die Zahlen klingen nach einem Großkonzern, stammen aber aus einem kleinen Betrieb in Fulda-Maberzell, der beweist, dass additive Fertigung im Jahr 2026 endgültig in der Massenproduktion angekommen ist. Wie die Fuldaer Zeitung berichtet, laufen dort mittlerweile 30 3D-Drucker rund um die Uhr, um den Bedarf zu decken.
Joachim Kunath druckt dort nämlich nichts anderes als Flöten – allerdings keine herkömmlichen. 17.500 Instrumente verlassen jährlich das Haus, und die Belegschaft musste innerhalb kürzester Zeit von 10 auf 13 Mitarbeiter aufgestockt werden.
Der Erfolg hat mittlerweile kuriose Folgen für die Logistik. Während früher der normale Postbote die Pakete entspannt mitnahm, muss die Post mittlerweile mit dem LKW zur Abholung anrücken – der klassische Sprinter ist für diese Mengen an Paketen schlicht zu klein geworden.
Platz 2 bei Thomann: Wenn der 3D-Druck den Marktführer schlägt
Dass es sich hierbei nicht um billiges Spielzeug handelt, zeigen die Verkaufscharts bei Europas größtem Musikhändler Thomann. Dort belegt das Modell „sigo“, eine Flöte mit besonderem Design, aktuell Platz zwei der Bestsellerliste und verdrängt damit etliche klassische Konkurrenten. Das Konzept stammt vom Schweizer Entwickler Geri Bollinger und löst durch die Fertigung im Drucker ein altes Problem klassischer Instrumente.

Die eckige Form und die spezielle Anordnung der Tonlöcher machen die Flöte ergonomisch deutlich zugänglicher für Kinderhände oder unbeweglichere Finger. Zudem eliminiert das Design das frustrierende Fiepen günstiger Standard-Flöten und setzt auf vollständige Recyclebarkeit.
Expansion in S-Form
Der Erfolg zwingt den Inhaber nun zum massiven physischen Wachstum. Für dieses Jahr ist ein 250 Quadratmeter großer Anbau geplant, der die Produktionsfläche drastisch erweitert und auch optisch ein Statement setzt, da das Gebäude die S-Form einer Flöte erhalten soll.
Parallel dazu läuft die Entwicklung neuer Modelle auf Hochtouren, denn schon ab April sollen eine Alt- und eine Bassflöte im gleichen Design lieferbar sein. Das Ziel ist ambitioniert, aber angesichts der aktuellen Bestellungen realistisch: 20.000 verkaufte Einheiten sind allein für diese Serie angepeilt.
Goldgräberstimmung in der Maker-Szene
Dieser Fall aus Deutschland ist kein Einzelfall, sondern Teil eines globalen Trends, bei dem „Print-on-Demand“ echte Vermögen generiert. Erst vor wenigen Monaten sorgte der 18-jährige US-Amerikaner Michael Satterlee für Schlagzeilen, als er mit einem simplen Dosenhalter („Tactical Reload Can Holder“) und einem viralen Instagram-Video einen Monatsumsatz von 300.000 Dollar erzielte.
Das Muster ist dabei fast immer identisch: Ein Alltagsproblem trifft auf eine clevere CAD-Konstruktion und skalierbare Hardware. Wer jetzt Blut geleckt hat und selbst in das Business einsteigen möchte, findet den Einstieg heute leichter denn je. Solide „Arbeitstiere“ für den Start sind beispielsweise der Bambu Lab A1, der im Test durch seine Zuverlässigkeit bestach, oder der Anycubic Kobra 3, wenn direkt mehrfarbige Produkte gefertigt werden sollen.
Wer auf minimalen Filament-Abfall setzt, sollte sich den brandneuen Anycubic Kobra X für nur 269 Euro oder den Snapmaker U1 mit vier Druckköpfen ansehen – beide versprechen bis zu 80 Prozent weniger Materialverschwendung. Und wer gleich in die Profi-Liga einsteigen will, wirft einen Blick auf den AtomForm Palette 300 mit 12 Düsen. Der Weg zur Farm mit 30 Druckern beginnt schließlich immer mit dem ersten Gerät.














