Zum Jahreswechsel streicht China die letzte Steuererstattung für exportierte Batterien. Einige Solarfirmen raten deshalb, einen Speicher noch in diesem Jahr zu kaufen. Wir haben nachgerechnet, vier Preisverläufe von Balkonspeichern geprüft und bei einem Händler nachgefragt. Einen Grund für Panikkäufe haben wir dabei nicht gefunden, etwas teurer könnte es trotzdem werden.
Werden Heimspeicher 2027 teurer?
Möglich, aber mit Sicherheit voraussagen lässt es sich nur schlecht. Laut Auskunft von René Broll, Geschäftsführer der 1ASOL GmbH, hat bis Ende September kein Hersteller Preiserhöhungen für 2027 angekündigt. Rechnerisch könnte der Wegfall der Erstattung Speicherprodukte aber um wenige Prozent verteuern.
Was China zum Jahreswechsel ändert
China erstattet Exporteuren einen Teil der Mehrwertsteuer, die auf der Ware lastet. Für Batterien waren das bis Ende März 9 Prozent. Seit April 2026 sind es nur noch 6 Prozent. Ab Januar 2027 fällt die Erstattung jedoch ganz weg, wie aus der Bekanntmachung 2/2026 des chinesischen Finanzministeriums und der Steuerverwaltung hervorgeht.
Für Solarmodule hat China die Erstattung schon im April komplett gestrichen. Batterien bekamen dagegen eine Übergangsfrist von neun Monaten. Maßgeblich für die Steuererstattung ist das Exportdatum auf der Zollanmeldung. Für Ware, die China noch 2026 verlässt oder schon in europäischen Lagern liegt, gilt also noch die bisherige Regelung.
Welche Batteriespeicher sind betroffen?
Auf der Warenliste im Anhang der Bekanntmachung stehen unter anderem Lithium-Ionen-Akkus. Viele Balkonspeicher und Powerstations bestehen im Kern aus solchen Akkus und werden komplett in China gebaut. Wie ein einzelnes Gerät beim Zoll klassifiziert wird, hängt allerdings vom Produkt ab. Auch Ersatzakkus für E-Bikes aus China fallen darunter.
Große Heimspeicher, die von Fachbetrieben installiert werden, trifft die Änderung vor allem beim Akkuteil. Da Wechselrichter, Montage und Elektriker dort einen großen Teil der Rechnung ausmachen, dürfte der Steuerwegfall auf den Gesamtpreis kaum Auswirkungen haben.
Wie stark könnte sich das auf die Preise auswirken?
Im Netz kursieren mögliche Aufschläge von 8 bis 15 Prozent. Das Planungsbüro EMA Energiewelt nannte diese Spanne schon im April für Heimspeicher ab Herbst 2026, damals mit Blick auf die erste Stufe von 9 auf 6 Prozent.
Auf den Straßenpreis lässt sich die Zahl allerdings nicht einfach übertragen. Die 6 Prozent beziehen sich auf den Exportwert in China. Bis zum deutschen Onlineshop kommen Fracht, Zoll, Lager und die Margen von Hersteller und Händler dazu.
Eine einfache Modellrechnung zeigt die Größenordnung: Angenommen, der Exportwert macht 50 bis 70 Prozent des deutschen Verkaufspreises aus. Der Wegfall der Steuererleichterung macht rechnerisch dann nur 3 bis gut 4 Prozent aus. Bei einem Balkonspeicher für 459 Euro wären das 14 bis 19 Euro Mehrkosten, sofern der Hersteller die diese komplett weitergibt. Eine Prognose stellt diese Rechnung zwar nicht, zeigt aber, in welcher Größenordnung sich der Effekt bewegen könnte.
So haben sich die Preise seit April entwickelt
Die erste Stufe der Streichung gilt schon seit einem halben Jahr. Hätte das die Preise breit nach oben gedrückt, müsste sich das inzwischen zumindest andeuten. Wir haben uns deshalb die Preisverläufe von vier verbreiteten Balkonspeichern bei Geizhals angesehen. Einen allgemeiner Anstieg lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Anker Solarbank 3 E2700 Pro lag seit April meist zwischen rund 800 und 840 Euro, Ende September kostete sie 795 Euro. Beim Growatt NEXA 2000 ging der Preis Anfang März von rund 450 auf 490 Euro hoch, also noch vor der ersten Stufe. Inzwischen steht er bei 459 Euro. Etwas teurer ist seit Ende August die Anker Solarbank 2 E1600 Pro: Sie pendelte lange um 400 Euro und liegt jetzt bei 420 bis 429 Euro.

Deutlich zugelegt hat nur der Zendure SolarFlow 800 Pro. Im April kostete er rund 390 Euro, Ende September 599 Euro. Hinter diesem Sprung dürfte jedoch eher der Modellwechsel stecken als die Steuer. Seit März gibt es den Nachfolger SolarFlow 800 Pro 2, den Geizhals ab 456 Euro listet. Bei Auslaufserien bestimmen laut Händler René Broll vor allem Nachfrage und Verfügbarkeit den Preis.

Wie der Handel die Preise einschätzt
Broll ist Geschäftsführer des PV-Onlinehändlers 1ASOL. Offizielle Preiserhöhungen hat bei ihm bisher noch kein Hersteller angekündigt. Und sein Sortiment ist von Anker Solix, Fox ESS, BYD, SMA und Huawei bis Marstek und Sungrow ziemlich breit. Trotzdem rechnet er damit, dass die Preise im Laufe des nächsten Jahres steigen, weil die Kosten der Hersteller wachsen. Viele Kunden wollten die aktuellen Konditionen noch nutzen, die Nachfrage sei gerade sehr hoch.
Besonders günstige Angebote sind nach Brolls Erfahrung „oft zeitlich begrenzte Aktionen, meist bei älteren Generationen oder Auslaufmodellen“. Ein gutes Beispiel ist das Zendure-Set mit 5,76 kWh für 999 Euro. Auch Discounter arbeiten mit solchen Aktionen: Im Mai verkaufte Lidl einen Solarstromspeicher mit 2,24 kWh für 299 Euro, allerdings nur mit Lidl-Plus-App. Ist so eine Charge verkauft, erwartet Broll dort wieder höhere Preise.
Auf ein Auslaufmodell zu spekulieren, empfiehlt er nicht. Aktuelle Speicher sind leichter, effizienter und schaffen mehr Ladezyklen. Stünde er selbst vor der Entscheidung, würde Broll nach eigenen Worten jetzt kaufen. Er schiebt allerdings auch hinterher: „Es gibt keinen Grund zur Panik. Wer es dieses Jahr nicht mehr schafft, macht nichts falsch.“
Für wen sich der Kauf jetzt lohnt und wer warten kann
Du hast ein Balkonkraftwerk oder eine Solaranlage ohne Speicher, beobachtest die Preise schon länger und hast ein Angebot gefunden, das zu deinem Verbrauch passt? Dann spricht nichts gegen den Kauf in diesem Herbst. Ein möglicher Aufschlag im nächsten Jahr, kann dir dann egal sein.
Planst du ohnehin erst fürs Frühjahr, kostet dich das Warten voraussichtlich wenig. In den Wintermonaten liefern die Solarmodule ohnehin meist nur wenig Überschuss, den ein Speicher aufnehmen könnte. Ein potenzieller Aufpreis bewegt sich nach unserer Modellrechnung im Bereich weniger Prozent. Auslaufmodelle lohnen sich vor allem dann, wenn du ein bestehendes System mit passenden Zusatzakkus erweitern willst. Für einen Neukauf hilft der Blick auf den Nachfolger, der wie beim SolarFlow 800 Pro 2 inzwischen sogar günstiger sein kann als das alte Modell.











