Powerstations haben ein Problem: Sie stehen die meiste Zeit des Jahres ungenutzt in der Ecke. Bluetti hat dafür nun eine Lösung auf den Markt gebracht – auch wenn sie nicht perfekt ist.
Von der Powerstation zum Balkonkraftwerk
Wer sich eine Powerstation zulegt, braucht sie üblicherweise außerhalb des Haushalts. So können beispielsweise Camper ihren Kühlschrank betreiben oder Handwerker ihr elektrisches Werkzeug. In einigen Fällen schaffen auch Hausbesitzer Powerstations an, die sich auf einen Stromausfall vorbereiten wollen. Optionale Solarmodule laden sie dann wieder auf.
Das Problem dabei: Die meiste Zeit des Jahres stehen die Powerstations ungenutzt herum. Das ist nicht nur Geldverschwendung, die Akkus entladen sich auch mit der Zeit und es droht eine für die Lebensdauer wenig förderliche Tiefenentladung.
Dieses Problem möchte Bluetti mit dem neuen Balco Transfer Hub lösen. Der Hub macht eine Powerstation zu einem vollwertigen Balkonkraftwerk, das Strom speichert und bei Bedarf in das Hausnetz einspeist. Wer dann auf Reisen geht, steckt die Powerstation einfach ab und nimmt sie mit.
Bluetti Balco Transfer Hub: Altes Konzept, neu aufgelegt
Das Konzept ist nicht neu. Insbesondere mit dem Ukraine-Krieg schossen die Verkaufszahlen von Balkonkraftwerken aufgrund der hohen Energiepreise durch die Decke, allerdings gab es so gut wie keine Speicher. Stattdessen schafften es einige Tüftler, ihre Powerstation an eine Steckersolaranlage anzuschließen. Das waren jedoch keine massentauglichen Lösungen.
Erst EcoFlow revolutionierte den Markt mit seinem Powerstream. Der Balkonkraftwerk-Wechselrichter besitzt eine Schnittstelle, um existierende EcoFlow-Powerstations als Akku zu nutzen. Auf einen Schlag konnten Nutzer aus einer bereits großen Auswahl an Speichern wählen.
So genial die Idee war, sie überlebte nicht lange. Denn kurze Zeit später kamen die ersten reinen Balkonkraftwerk-Speicher auf den Markt und entwickelten sich ab da rasant weiter.

Mittlerweile erscheinen jährlich immer leistungsstärkere und günstigere Modelle. Zudem lassen sie sich im Gegensatz zu vielen Powerstations modular erweitern. Powerstations sind dagegen selten mit mehr als fünf Kilowattstunden Kapazität ausgestattet sind, da sie ansonsten zu schwer für den Transport wären. Vollausgestattete Balkonkraftwerk-Speicher wie die neue Anker SOLIX Solarbank 4 E5000 Pro weit über 10 Kilowattstunden. Hybrid-Systeme wie der Zendure SolarFlow Mix kommen sogar auf bis zu 50 kWh.
Zusätzlich messen solche Systeme die Stromflüsse im Haushalt und passen Bedarf und Angebot aufeinander ab. Rein technisch bieten die Speicher daher mehr als eine Powerstation. Der Bluetti Balco Transfer Hub könnte genau diese Funktionen theoretisch bei einer Powerstation erweitern.
Wie funktioniert der Bluetti Balco Transfer Hub?
Der Bluetti Balco Transfer Hub sieht auf den ersten Blick ungewöhnlich aus. Der Kasten erinnert ein wenig an eine Wallbox, an der zwei Schukokabel herunterhängen. Das eine kommt in die Haushaltssteckdose und speist den Strom mit maximal 800 Watt ins Hausnetz ein. Damit hält das System die gesetzlich erlaubte Grenze für Balkonkraftwerke ein.
Das zweite Schukokabel steckst du in die Steckdose deiner Powerstation. Wenn dann die Sonne scheint, wandert der Solarstrom von den Modulen in den Speicher, von dort in den Bluetti Balco Transfer Hub und letztendlich ins Hausnetz. Mithilfe von Smart Metern wie dem Bluetti S meter, der keinen Elektriker benötigt, oder Smart Plugs wie dem Bluetti S1 kann das System zudem den Strombedarf im Haushalt bzw. an einzelnen Geräten erkennen und entsprechend die Einspeiseleistung regulieren. Auch die Anbindung von Dritthersteller-Produkten wie beispielsweise dem Shelly Pro 3EM soll möglich sein. Den Strom von einer Dach-PV-Anlage könntest du somit auch nutzen, um die Powerstation auch ohne direkt angeschlossene Module intelligent zu laden.
Damit sich der Speicher im Winter nicht komplett entlädt, kannst du zusätzlich das Ladekabel der Powerstation in den Bluetti Balco Transfer Hub stecken. Dann zieht sich das System bei Bedarf Strom aus dem Netz. Das soll auch in Kombination mit dynamischen Stromtarifen (z.B. von Tibber oder Rabot.Energy) funktionieren.

Nicht alle Powerstations funktionieren
Ein besonders starkes Verkaufsargument ist, dass Bluetti auch den Anschluss von Dritthersteller-Powerstations wie die von EcoFlow oder Jackery erlaubt. Allerdings fällt der Funktionsumfang in dem Fall geringer aus, da beispielsweise der Akkustand nicht an die Bluetti-App übergeben wird. Zudem gibt Bluetti nicht an, welche Powerstations genau unterstützt werden.
Nur bei den hauseigenen Produkten gibt es eine erste Kompatibilitätsliste, die aber überschaubar ausfällt. Aktuell solltest du die folgenden Modelle sicher nutzen können:
Vor allem, dass die Bluetti AC300 und AC500 nicht kompatibel sind, kritisieren einige Kunden im Bluetti-Shop. Genau diese Modelle galten lange Zeit als Flaggschiffe des Unternehmens.
Bluetti Balco Transfer Hub: Weitere kritische Aspekte
Neben der Inkompatibilität gibt es noch weitere Nachteile, die du vor dem Kauf wissen solltest.
Ohne Powerstation nicht funktionsfähig: Der Bluetti Balco Transfer Hub besitzt keine direkten Anschlüsse für Solarmodule. Wenn du deine Powerstation abnimmst, fließt daher kein Strom mehr in dein Hausnetz – auch wenn die Solarmodule noch am Balkon hängen. Das wäre aber nützlich, da einige Geräte wie der Kühlschrank, Aquarien oder Router auch während deiner Abwesenheit Strom benötigen und sich diesen dann teuer aus dem Netz ziehen.
Umwandlungsverluste: Klassische Wechselrichter wandeln den Gleichstrom der Solarmodule in Wechselstrom für den Haushalt um. Dabei treten Verluste auf, die minimal ausfallen. Ungefähr 96 Prozent der Energie bleibt dabei erhalten. Bei Powerstations liegt der Wert jedoch mit 80 bis 90 Prozent deutlich niedriger. Ein richtiges Balkonkraftwerk arbeitet daher deutlich effizienter.
Kabelsalat: Der Bluetti Balco Transfer Hub benötigt mehrere Kabel, um Solarmodule, Powerstation und Stromnetz miteinander zu verbinden. Das sieht auf dem Balkon nicht besonders gut aus. Balkonkraftwerk-Speicher hingegen besitzen mittlerweile ein dezenteres Design und haben meist nur zwei Anschlüsse. Einer für die Solarmodule, der andere vom Speicher zur Steckdose.

Lohnt sich der Bluetti Balco Transfer Hub finanziell?
Balkonkraftwerke sparen Stromkosten, wodurch sie sich amortisieren. Wie lange das dauert, hängt von vielen Faktoren wie Anzahl und Ausrichtung der Module, Strombedarf, Verbrauchsverhalten, Wetter und Strompreis ab. Auch der Kaufpreis des Systems spielt eine wichtige Rolle. Daher lassen sich keine pauschalen Aussagen für alle Haushalte treffen, weswegen du dir vor einem Kauf eine individuelle Prognose mit dem Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin erstellen solltest. Bei einem Balkonkraftwerk mit Speicher kannst du jedoch grob von einem Amortisationszeitraum von fünf bis sieben Jahren ausgehen. Bei Haushalten mit hohem Stromverbrauch geht es teils schneller.
Und wie sieht es beim Bluetti Balco Transfer Hub aus? Hier kommt es darauf an, welche Powerstation du hast oder kaufen willst. Bei zwei bis drei Kilowattstunden wäre zum Beispiel die Bluetti Elite 300 eine passende Powerstation. Im Bundle mit einem faltbaren 350-Watt-Solarmodul (wir haben das gewählt, da es sich vom Format her für ein Balkongeländer eignet) kostet sie stolze 2.200 Euro. Hinzu kommen etwa 300 Euro für den Bluetti Balco Transfer Hub. Dass es deutlich günstiger geht, zeigen einige unserer Tests. Aber, zum Vergleich: Für einen festen Balkonkraftwerk-Speicher wie die Anker Solarbank 3 E2700 Pro mit 1.000 Watt Solarmodulleistung zahlst du von der Bluetti Rechnung etwa die Hälfte. Auch einige Zendure Speicher sind deutlich günstiger.
Mit der Modulleistung des Faltmoduls erzeugst du weniger als 300 kWh pro Jahr, da die Module senkrecht am Balkongeländer hängen müssen. Bei einem Strompreis von 30 Cent/kWh und einem Eigenverbrauch von 80 Prozent sparst du maximal 72 Euro im Jahr. Bei einem Kaufpreis von 2.500 Euro hätte sich das System daher erst nach 34,7 Jahren amortisiert. Da eine Powerstation nur 10 bis 15 Jahre hält, ist das also kein gutes Geschäft.
Anders sieht es aus, wenn du dir bereits eine Powerstation fürs Camping oder andere Tätigkeiten gekauft hast. Dann steht der praktische Wert im Vordergrund und nicht das Sparen von Stromkosten. In dem Fall müssen sich nur die 300 Euro für die Anschaffung des Bluetti Balco Transfer Hubs amortisieren. Das würde mit Faltmodul nur noch 4,1 Jahre dauern. Hast du bereits mehr Solar-Infrastruktur zu Hause könnte es auch schneller gehen.
Fazit
Bluetti hat mit dem Balco Transfer Hub ein interessantes Konzept geschaffen, das wieder frischen Wind in die Welt der Balkonkraftwerke bringt. Zwar ist die Idee nicht neu, sie wurde jedoch lange nicht mehr verfolgt. Vor allem Besitzer von Powerstations dürfte das freuen, da ihre Speicher nun nicht mehr ungenutzt herumstehen müssen, sondern das ganze Jahr arbeiten dürfen. Das gilt auch für den Winter, wenn der Speicher mithilfe eines dynamischen Stromtarifs betankt werden könnte.
Darüber hinaus bietet der Hub aber kaum Vorteile. In den meisten Punkten wie Effizienz, Platzbedarf, Modulleistung, Speicherkapazität und Preis haben klassische Speicher für Balkonkraftwerke klar die Nase vorn.











