Vor einem Jahr klang es noch wie ein ambitioniertes Versprechen auf Kickstarter: Ein Fahrrad, das sich in weniger als einer Minute vom City-E-Bike in ein vollwertiges E-Lastenrad verwandelt. Finanzierung ungewiss, Reichweite offen und viele Fragen. Jetzt ist das Konzept marktreif – und bestellbar.
Vom Crowdfunding zum Serienprodukt
Das französische Startup Gambade setzt auf ein modulares, reparaturfreundliches System, das sich deutlich von klassischen Lastenrädern unterscheidet. Statt eines dauerhaft verlängerten Rahmens oder einer fest integrierten Transportbox wird bei diesem Konzept einfach die komplette Vorderradgabel getauscht.
Der Umbau: laut Hersteller in rund 30 Sekunden ohne Werkzeug machbar. Das Ergebnis: aus einem E-Bike mit normalem Radstand wird ein vollwertiges E-Cargo-Bike – und auch umgekehrt. Das System adressiert dabei ein reales Problem. Viele Menschen wollen die Transportkapazität eines Lastenrads, aber nicht dessen permanente Größe, Gewicht und Sperrigkeit im Alltag.
Technische Eckdaten
Auffällig ist, entgegen aktueller Trends, die Materialwahl. Gambade setzt auf Stahl statt Aluminium. Laut Hersteller soll das nicht nur langlebiger und reparaturfreundlicher sein, sondern auch eine bessere CO₂-Bilanz ermöglichen. Konkrete Reichweitenangaben im Last- oder Normalbetrieb kommuniziert das Unternehmen bislang nicht.

Was kostet die Verwandlung?
Während in der Kickstarter-Phase noch Early-Bird-Preise um 3.550 Euro aufgerufen wurden, ist das Bike nun regulär im Shop erhältlich. Die aktuellen Preise belaufen sich auf 5.500 Euro für die elektrische Variante und 4.350 Euro ohne Motor. Passend zur Philosophie des Unternehmens lässt sich das System auch modular erwerben. Wer zunächst nur das E-Bike ohne Lastenaufsatz braucht, zahlt 2.750 Euro.
Wer später das Cargo-Modul nachrüsten möchte, muss hierfür allerdings nochmal 2.900 Euro anlegen und landet preislich mit 5.650 Euro leicht über dem Komplettpaket. Das ist fair und dennoch ein klarer Anreiz sich eher direkt für das Gesamtsetup zu entscheiden.
Preislich ambitioniert – oder marktgerecht?
5.500 Euro wirken auf den ersten Blick hoch. Doch der Markt für E-Lastenräder hat sich in den vergangenen Jahren deutlich nach oben bewegt. Viele etablierte E-Lastenräder liegen inzwischen ebenfalls bei 5.000 Euro oder deutlich darüber – auch ohne modulare Funktion.
Gerade Modelle mit Markenantrieb, 500-Wh-Akku und solider Ausstattung überschreiten diese Schwelle mühelos. In diesem Kontext wirkt das Gambade-Bike weniger wie ein Exot, sondern eher wie ein anderer Ansatz mit Mehrwert: Zwei Fahrräder, aber nur ein Rahmenkonzept.
Konkurrenz und Einordnung
Modulare Ansätze gab es bereits, etwa beim Convercycle, das übrigens gerade bei Fahrrad-XXL heftig reduziert angeboten wird. Doch dort bleibt das System innerhalb einer festen Rahmenstruktur. Gambade geht einen anderen Weg und kombiniert zwei vollwertige Nutzungsszenarien. City-E-Bike oder E-Lastenrad? Der Umbau ist schnell erledigt und macht das Konzept unheimlich flexibel.
Vom Risiko zur Realität
Was vor einem Jahr noch mit Crowdfunding-Risiken behaftet war, ist heute ein marktreifes Produkt. Doch eine Kernfrage bleibt: Wie gut funktioniert ein Lastenrad, das keines sein muss?
Wer nur gelegentlich transportiert, aber täglich fährt, bekommt hier ein ungewöhnlich flexibles System. Wer hingegen permanent schwere Lasten bewegt, wird vermutlich weiterhin zu klassischen Konzepten greifen. Fest steht: Die Idee war damals schon stark – jetzt ist sie weiter gereift und offiziell erhältlich. Interessierte können das 2in1 E-Bike im etwas unübersichtlichen Webshop von Gambade bestellen. Geliefert wird kostenlos, auch nach Deutschland.














